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Feuerwehr in Eschweiler

Beifall und Kaffee auf der Straße

Ahlen/Vorhelm

Diese Bilder werden auch erfahrene Feuerwehrmänner nicht vergessen. Einsatzkräfte aus Ahlen und Vorhelm halfen Kameraden in Eschweiler im Kampf gegen das Hochwasser und seine Folgen.

Von Ralf Steinhorst

Der Einsatz fand bei Ankunft in der Nacht wegen des Stromausfalls in den Häusern unter erschwerten Bedingungen statt. Foto: Feuerwehr Vorhelm

Die Bilder aus den Hochwasserkatastrophengebieten in den Medien bewegen die Menschen in diesen Tagen nicht nur landesweit. Insgesamt neun Feuerwehrleute des Löschzugs Vorhelm und auch der Hauptwache waren im Krisengebiet in Eschweiler-Weisweiler, um beim Aufräumen mitzuhelfen.

Bei ihrer Rückkehr am Samstagmittag brachten die sieben Vorhelmer Eindrücke mit, die unvergesslich bleiben werden. „Es gab nichts, was nicht auf der Straße lag“, umriss Gruppenführer Timm Schlautmann die Situation vor Ort. Am Freitagnachmittag ging es ganz schnell. Eine Voralarmierung lag bereits vor, gegen 16 Uhr folgte die Alarmierung, sich in Drensteinfurt dem Verband mit anderen Feuerwehrkräften aus dem Kreis anzuschließen.

Direkt von der Arbeit ging es in den Katastropheneinsatz. Schlafen bei der Anfahrt ging allerdings nicht, die Sitze waren zu unbequem und auch die Anspannung zu groß. Es gab kaum Informationen zur Lage am Einsatzort.

Sechs Hauskeller und einen großen Keller einer Schule wurden leergepumpt. Foto:

Als Einsatzfahrzeug diente ein LF 20 KatS des Löschzugs Vorhelm – wobei das KatS für Katastrophenschutz steht. „Das Fahrzeug hat sich mit Stollenbereifung, Allrad und Bauart bewährt“, war Feuerwehrmann Moritz Rose froh, richtig gutes Einsatzmaterial zur Verfügung zu haben. Das Fahrzeug ist gerade für diese Lagen ausgestattet.

Bilder wie diese werden sie nicht vergessen. Foto:

Nach der Vorbereitung in Drensteinfurt ging es dann im Verband von über 30 Fahrzeugen ins Krisengebiet, das gegen Mitternacht erreicht wurde. Gehwege waren unterspült, die Straßen übersät mit Schotter und Geröll. Strom in den Häusern? Fehlanzeige. Die Aufgabe für die sieben Vorhelmer war, im zugeteilten Arbeitsabschnitt Kontakt mit den Bewohnern aufzunehmen, was sich in der Dunkelheit wegen des Stromausfalls schwierig gestaltete. Anklopfen und Ausleuchten durch die Fenster der einzelnen Häuser war also angesagt. Allerdings waren viele Häuser leer.

Pause! Die Bewohner waren froh über die Hilfe und verpflegten die Einsatzkräfte. Foto:

Zumindest wurden in dem zugeteilten Gebiet keine Häuser weggerissen, aber es standen einige Keller unter Wasser, die leergepumpt werden mussten. Ursache war der Fluss Inde, der normalerweise einen Wasserstand von 60 Zentimetern hat, der dann aber auf 3,70 Meter anschwoll. Folgen waren eine weggerissene Fußgängerbrücke und teilweise weggerissener Asphalt. Immerhin war das Wasser bei Eintreffen der Vorhelmer schon zurückgegangen. Allerdings roch es extrem nach Öl. Christian Angsmann empfand: „Eigentlich haben wir mehr aufgeräumt als gerettet“. „Es ist unglaublich, was Wasser anrichten kann – da hängen eine Menge Einzelschicksale hinter“, war Timm Schlautmann immer noch beeindruckt.

Die Hilfe der Ahlener war sehr willkommen. Die Bevölkerung beklatschte die Einsatzkräfte und bot trotz ihrer eigenen Not mit Pommes und Kaffee Verpflegung an. Ein verletzter Senior konnte erstversorgt und dem Rettungsdienst übergeben werden. Über allem schwebte bei allen die Frage, wie es jetzt weitergeht? „Die Menschen hatten alle Redebedarf“, erinnerte sich Christian Angsmann. Neben sechs Hauskellern wurde auch ein großer Keller einer Schule ausgepumpt. Das war so aufwendig, dass das in Kooperation mit anderen Feuerwehren durchgeführt wurde. Am Samstagmorgen zogen die Ahlener wieder ab und wurden durch Einsatzkräfte aus Emden abgelöst.

Geschafft vom Einsatz: Dominic Rajchl, Andre Wohlgemuth, Mark und Timm Schlautmann, Moritz Rose, Christian Angsmann und Stefan Hoppe (v. l.) vom Löschzug Vorhelm kurz vor der Rückfahrt in die Heimat. Foto:

„Ich bin froh, dass alle wieder gesund zuhause sind“, nahm Zugführer Raphael Eustermann seine Mannen am Samstagmittag in Vorhelm wieder in Empfang. Er stand in ständigem Kontakt mit seinem Einsatzteam und war so bestens informiert. Auch nach Rückkehr wird ein Gedanke bleiben: „So was haben wir alle noch nicht gesehen“.

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