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Bodenschwellen sollen Raser rund um die Zeche ausbremsen

„Borussen-Balken“ als starkes Argument

Ahlen

Kaum sind die Coronabeschränkungen zurückgefahren, dröhnen rund ums Zechengelände wieder die Motoren. Lärm, der Anwohnerinnen und Anwohnern gehörig auf die Nerven schlägt. Die Stadt geht nun mit Bodenschwellen gegen die Raserei vor.

Bremsen mit Bodenwellen Raser an der Zeche und der Bergamtstraße aus (v.l.): Markus Wurm, Volker Putze, Andreas Bieckmann und Hermann Wenning. Foto: Stadt Ahlen

„Schade, dass das überhaupt notwendig ist.“ Volker Putze, Mitarbeiter der Ahlener Umweltbetriebe (AUB) schaut am Freitagmittag auf sein Tagwerk und zuckt mit den Schultern. „Das“, das sind drei Bodenschwellen, die er gemeinsam mit seinen Kollegen Andreas Bieckmann und Hermann Wenning im Umfeld der Zeche Westfalen in den Asphalt geschraubt hat. „Borussen-Balken“ nennt sie Straßenwärter Wenning spaßeshalber. Aus schwarzen und gelben Einzelelementen setzen sich die Ausbremser zusammen. In den Farben, in denen die Dortmunder Borussia in der Fußballbundesliga aufläuft. 27 Euro kostet ein solches Element, von denen auf der Straße Zeche Westfalen, der sogenannten „McDonald‘s-Straße“ zwischen Bergamtstraße und „Shim Sham“, gleich acht Stück zu einer Schwelle verbunden und quer über die Straße gelegt werden. Bis zum Straßenrand bleiben immer einige Zentimeter Fahrbahn frei, damit Radfahrer buckelfrei passieren können. „Mit Eckstücken, Material und Arbeitskosten sind das mal eben an die 400 Euro, die wir auch gut für etwas anderes gebrauchen könnten“, begreift Volker Putze nicht, dass sich Raser offensichtlich nicht anders zur Raison bringen lassen.

Bürgerantrag als Ausgangspunkt

Zwei weitere Bodenschwellen gleichen Typs haben die AUB-Männer auf der Bergamtstraße verlegt, gleich am Anfang des Wohngebiets. Vorausgegangen war im letzten Jahr ein Bürgerantrag von Anwohnerinnen und Anwohnern, die vom nächtlichen Lärm häufig leistungsverstärkter Autos genervt waren. „Nachdem sich Corona etwas gelegt hat, begann wieder das alte Spiel in den späten Abendstunden mit Autos, die unter wildem Motorengeheul um die Zeche herumfahren“, berichtet Verkehrssachbearbeiter Markus Wurm vom Ordnungsamt.

Ideen aus Bürgerversammlung

In einer Bürgerversammlung im Herbst sammelte die Stadt Ideen. Den Wunsch der Nachbarschaft, aus der Straße Zeche Westfalen eine Sackgasse zu machen, konnten Stadt und Polizei nicht entsprechen. Probleme hätte es dann gegeben mit Lkw, die keinen ausreichenden Raum zum Wenden gefunden hätten. Auch ein „Anlieger frei“ sei laut Wurm „einfach nicht praktikabel“. Die Beweislast, wer denn nun Anlieger ist und wer nicht, liege immer bei der Polizei. Als Kompromiss sei zusammen mit den Beschwerdeführern schließlich die Schwellenlösung formuliert worden. Schon längere Zeit liegen solche auf der Stapelstraße, wo sie potenziellen Rasern die fragwürdige Freude an schnellen Runden verderben.

Tempo 30 Tag und Nacht

Umweltbetriebe und Ordnungsamt gehen davon aus, dass die „Borussen-Balken“ nun als starkes Argument wirken und die Höchstgeschwindigkeit in der Tempo-30-Zone von allen und zu jeder Tages- und Nachtzeit respektiert wird. Das Material, aus dem die vier Zentimeter hohen Bodenwellen gefertigt sind, kehrt übrigens dorthin zurück, wo es herkommt: von der Straße. In den Hartgummiplatten stecken recycelte Altreifen.

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