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Protestkundgebung gegen AfD auf dem Marienplatz

„Brandmauer gegen Rechts muss stehen“

Ahlen

Nur zweihundert Meter Luftlinie lagen am Donnerstag zwischen der AfD und den Unterstützern des „Ahlener Appells“. Inhaltlich grenzten sich die Teilnehmer der Gegenveranstaltung umso weiter von den Rechtspopulisten ab.

Von Peter Harke

Mit der Resonanz auf ihren relativ kurzfristigen Aufruf zum Protest gegen die AfD waren die Initiatoren der Kundgebung auf dem Marienplatz zufrieden. Foto:                                                          Foto: Peter Harke

AhlenLuftballons? Ökologisch bedenklich. Kugelschreiber? Seien ihm, ehrlich gesagt, zu teuer gewesen. So entschied sich Mitinitiator Marcus Schneider vom „Ahlener Appell“ schließlich für Trillerpfeifen in knalligen Farben, die er zu Beginn der Kundgebung am Donnerstagnachmittag vor der Marienkirche verteilte. Verbunden mit der dringenden Bitte, diese „auf keinen Fall“ dafür zu verwenden, die Parallelveranstaltung der AfD auf dem Marktplatz zu stören. Was auch im Sinne der Polizei war, die im Nachgang in einer Pressemitteilung feststellen konnte, beide Versammlungen seien „friedlich verlaufen“.

„In der Spitze rund 15 Teilnehmer“ zählte die Polizei laut Pressemitteilung bei der AfD-Veranstaltung auf dem Marktplatz. Foto: Peter Harke

Vor der mobilen Bühne, die die Bundestagsfraktion der Alternative für Deutschland auf der Mittelinsel der „guten Stube“ aufgebaut hatte, zählten die Beamten laut Einsatzprotokoll „in der Spitze rund 15 Teilnehmer“, bei der Ge­gendemo „zirka 100“. „Großartig, dass so kurzfristig so viele gekommen sind“, freute sich Marcus Schneider, der zusammen mit Co-Sprecher Sven Hanses im Namen des „Ahlener Appells“ für eine mutige und bunte Zivilgesellschaft“ erst am Dienstag dazu aufgerufen hatte, der AfD zu zeigen, dass sie in der Wersestadt nicht willkommen sei.

Bernhard Daldrup

Gewohnt deutliche Worte fand als erster Redner der SPD-Bundestagsabgeordnete Bernhard Daldrup. „Danke, dass ihr wach bleibt, um den demokratischen Rechtsstaat zu verteidigen“, wandte er sich direkt an die Zuhörer. Das sei leider immer wieder nötig, um den „geistigen Brandstiftern“, die „Hass und Hetze“ verbreiteten, nicht das Feld zu überlassen. „Aus Unworten werden Untaten“, warnte Daldrup und erinnerte in diesem Zusammenhang an Johannes Rau, der hier in Ahlen bei seiner Kür zum Kanzlerkandidaten der SPD das Motto „Versöhnen statt spalten“ geprägt habe. Auch Ali Baş (Bündnis 90/Die Grünen) sieht die gesamte Zivilgesellschaft in der Verantwortung, dafür zu sorgen, dass die AfD mit ihrer Ideologie in dieser Stadt keinen Fuß fasst. „Die Brandmauer gegen Rechts muss stehen“, forderte der frühere Landtagsabgeordnete.

Die Vorsitzende des Inte­grationsrats der Stadt Ahlen, Ergül Aydemir, stellte schlicht fest: „Wir sind alle Menschen.“ Herkunft, Hautfarbe, ethnische Zugehörigkeit, Religion oder sexuelle Orientierung dürften keine Rolle spielen. Die AfD habe ein anderes Menschenbild, wolle eine andere Gesellschaftsform. „Das werden wir nicht akzeptieren“, so Aydemir. Sie rief dazu auf, Zuwanderung nicht als Bedrohung, sondern als Chance zu begreifen, auch mit Blick auf den akuten Fachkräftemangel in Deutschland.

„Museum der Menschheit“ als Gegenentwurf

Dietmar Zöller amüsierte es, dass die AfD-Veranstaltung auf dem Marktplatz, zu der die Lokalpresse nicht eingeladen war, gewissermaßen „eingerahmt“ werde von den Bildern des „Museums der Menschheit“. Diese Ausstellung werbe für Würde und Gleichwertigkeit aller Menschen, für Respekt und eine friedliche Gesellschaft, das sei der Gegenentwurf zum Weltbild der Rechtspopulisten, die darüber bestimmen wollten, wer in diesem Land dazugehören dürfe und wer nicht. Flüchtlingen wolle die AfD am liebsten ihre Rechte verweigern, sie ausgrenzen oder direkt abschieben.

Zum Abschluss der Kundgebung stimmten Sandra Lang, Manfred Grabowski, Sven Hanses und Marcus Schneider (v.l.) „We Shall Overcome“ an. Foto: Peter Harke

Der Geschäftsführer von Innoso­zial forderte allerdings auch von den reichen Industriestaaten wie Deutschland, mehr zu unternehmen zur Beseitigung von Fluchtursachen wie Armut, Kriegen und Klimawandel. Dazu gehörten auch faire Preise für Rohstoffe und Waren, die aus Entwicklungsländern bezogen werden.

Eine Mitverantwortung für das Wiedererstarken der Rechten in Deutschland sieht Hans-Jürgen Lenzer auch bei den „bürgerlichen Parteien“. Sie hätten viel Vertrauen bei den Wählern verspielt, konstatierte der Vorsitzende des DGB-Kreisverbandes Warendorf.

Zum Abschluss der gut einstündigen Kundgebung, die urlaubsbedingt ohne Livemusik-Beiträge auskommen musste, stimmten Sandra Lang, Manfred Grabowski, Sven Hanses und Marcus Schneider mit den Teilnehmern das Protestlied „We Shall Overcome“ an.

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