Neues Phänomen in der Fußgängerzone

Bubble Tea – magisch anziehend

Ahlen

Einsame Schlange in der Ahlener Fußgängerzone, die sich über Stunden hielt: Für Bubble Tea. Die Ladeneröffnung verlangte Geduld ab. Und Abstandsdisziplin. Fortsetzung folgt. Jetzt täglich...?

Ulrich Gösmann

Überstunden zur Eröffnung der Bubble-Tea-Ladens in der Ahlener Fußgängerzone. Bis zu eineinhalb Stunden warteten die überwiegend jungen Kunden auf ihr Mixgetränk. Feierabend war erst um 20 Uhr. Foto: Ulrich Gösmann

Eineinhalb Stunden warten auf ein Kaltgetränk, das vor zehn Jahren Kult war, vom Markt verschwand und nun sein Comeback erlebt: Jetzt steht auch in Ahlens Fußgängerzone die Schlange. Für Bubble Tea im Becher.

Über Instagram und Co hatte sich die Nachricht rasend schnell in der Community verbreitet. Bis in den Dienstagabend stand die Schlange. Zunächst im willkürlichen Zick-Zack, dann in geordneter Reihe. „Wir haben später noch einen Sicherheitsdienst hinzugeholt“, sagt Bao Khanh Le. Überrascht habe ihn der Ansturm aber nicht. Der Ahlener outet sich am Mittwoch als der, der zu seiner Berliner Zeit das Getränk als erster nach Deutschland importiert habe. Damals noch unter dem Namen Mr. Bubble. Mit im Boot der Lizenznehmer zwei weitere Partnergesellschaften. Im Jahr 2011 der große Durchbruch: „Wir haben innerhalb von acht Monaten 26 Filialen eröffnet“, erinnert sich der 40-Jährige, der in Ahlen auch das Restaurant „Katana“ betreibt. Ob der Potsdamer Platz in Berlin oder Düsseldorfs Kö: Bubble Tea hatte es an die Top-Adressen geschafft. Kurz darauf das Aus. „Durch Falschmeldungen“, wie Bao Khanh Le erzählt. Verschluckungs- und Vergiftungsgefahren seien durch die Medien gegeistert. Und später von einem unabhängigen Institut widerlegt worden. Zu spät für Marke und Getränk.

Frisch zubereitet: Nguyen Thi Thanh reicht einen Ocean Blue Soda über die Theke. Foto:

Dass sie für einen Becher Bubble Tea jetzt wieder anstehen, dafür hat der Ahlener, der seinerzeit für die Liebe von der Spree an die Werse zog, eine ganz einfache Erklärung: „Eigentlich durch Corona.“ Jugendliche seien aus ihren Freizeitbeschäftigungen gerissen; der Hype um Bubble Tea eine ihrer Antworten: „Man kann sich wieder mit etwas sehen lassen.“

Bao Khanh Le fing vor einem Jahrzehnt mit Mr. Bubble an. Foto:

Die Pandemie ist es auch, die den Geschäftsmann im Dezember dazu bewegte, sein Bekleidungsgeschäft „TQ Moden“ nach 17 Jahren in den Räumungsverkauf zu schicken. Reaktion auf sinkende Kundenfrequenz. Mit zeitlosem Sortiment auf die Zielgruppe Senioren ausgerichtet, war der Markt regelrecht eingebrochen. Jetzt der Generationswechsel. Und ein Andrang, wie ihn das Ladenlokal bisher noch nicht erlebt hat. Die Schlange wartender Jugendlicher könnte nun zu einem vertrauten Bild in der Fußgängerzone werden, denn in einem ist sich Bao Khanh Le ziemlich sicher: „Dieses Aufkommen, das wir gestern hatten, wird es jetzt jeden Tag geben.“ Wie sich das mit den Corona-Verhaltensregeln verträgt? „Wir lassen nur vier Kunden zeitgleich in den Laden“, sagt der Geschäftsmann. Und fügt an: Was sich draußen abspiele, setze auf die Eigendisziplin der Leute.

Stadt Ahlen

Auch das städtische Ordnungsamt schaute zur Eröffnung vorbei. Reaktion am Mittwoch aus dem Rathaus: „Die Situation war ruhig und gut organisiert. Die Kunden haben sich an die Maskenpflicht gehalten und den Mindestabstand eingehalten. Nach Absprache mit den Kollegen vom Außendienst wurde ein Mitarbeiter abgestellt, um außerhalb des Ladens auf die Einhaltung des Mindestabstands zu achten. Bei einer zweiten Kontrolle 45 Minuten später war der Mitarbeiter noch draußen und hat für einen reibungslosen Ablauf gesorgt“, heißt es in einer schriftlichen Antwort.

Was ist Bubblel Tea?

Bubble Tea gibt es in unzähligen Variationen. Das süße Mixgetränk setzt sich aus drei Basiskomponenten zusammen: Tee, Sirup und Toppings. Die kleinen Kugeln geben den Kick, zerplatzen beim Zubeißen und liefern ein neues Geschmackserlebnis. Nach der individuellen Zubereitung wird der Becher verschweißt.

Das Ladenlokal hat jetzt das Zeug, zu einer generationsübergreifenden Anlaufstelle zu werden. Bao Khanh Le will „TQ Moden“ in einer kleinen Ecke weiterführen. Vielleicht kommen dann auch ältere Kunden auf den Geschmack eines „Rainbow“, „Butterfly“ oder „Ocean Blue Soda“.

Mit einem Knopfdruck wird der Bubble-Tea-Becher zugeschweißt. Foto:
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