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Christiane Hagedorn und Nikola Materne glänzten mit „Her Song“

Clubabend sorgt für Gänsehaut

Ahlen

Auf die Spuren bekannter Sängerinnen und Songwriterinnen, die es meist schwerer hatten als ihre männlichen Kollegen, um sich auf der Bühne durchzusetzen, begaben sich Nikola Materne und Christiane Hagedorn. Im Bürgerzentrum präsentierten die Musikerinnen ihr Programm „Her Song“.

Von Dierk Hartleb

Nikola Materne (l.) und Christiane Hagedorn begeisterten mit den Songs bekannter Künstlerinnen und Komponistinnen. Begleitet wurden sie von Martin Scholz am Piano. Foto: Martin Janzik

Wow – was für ein Duo. Nikola Materne und Christiane Hagedorn rissen ihr Publikum am Samstagabend im großen Saal des Bürgerzentrums mit ihrem Programm „Her Song“ förmlich hin. Nicht zu vergessen Martin Scholz, der Mann im Hintergrund am Piano, der immer dann einsprang, wenn ein männliches Pendant gefragt war.

Den Ton aber gaben die beiden Münsteranerinnen an, die sich auf die Spuren bekannter Sängerinnen und Songwriterinnen gemacht haben, die es trotz ihrer Bekannt- oder Berühmtheit meist schwerer hatten als ihre männlichen Kollegen, um sich auf der Bühne durchzusetzen.

Interviews berühmter Künstlerinnen dargestellt

Das demonstrierte das Duo eindrucksvoll mit Originalausschnitten aus Interviews, zum Beispiel mit Lady Gaga, die sich mehrfach ausführlich darüber ausließ, wie sie sich erfolgreich gegen Vorurteile und Vereinnahmung durch andere zur Wehr setzte.

Dazu schlüpften Nikola Materne oder Christiane Hagedorn abwechselnd in die Rollen der interviewten Künstlerin und übersetzten das Gesagte ins Deutsche. Dabei kam hin und wieder auch Partner Martin Scholz ins Spiel, der den undankbaren Part des fragenden Journalisten spielte – mit mehr oder weniger sexistischen Äußerungen.

Die Ausführungen unterlegten die beiden Künstlerinnen mit jeweils zwei Musikbeispielen der Sängerinnen, die die Zuhörerinnen und Zuhörer oft vergessen ließen, dass nicht die reale Aretha Franklin oder Nina Hagen auf der Bühne stand. Christiane Hagedorn und Nikola Materne gingen in den Rollen von Amy Winehouse oder Judith Holofernes geradezu auf und verkörperten sie mit einer Hingabe, die das Original im Geist auf der Bühne stehen ließ.

Ganz groß im Duett

Jede der beiden Darstellerinnen zeigte ihre Stärken: Nikola Materne als Powerfrau, die auch selbst aufgenommene Beatbox-Klänge einsetzte, wenn Elektronik oder ausdrucksstarker Rhythmus gefragt waren. Und Christiane Hagedorn als „Femme fatale“ oder als exzentrische Künstlerin, die auch der „Godmother of German Punk“ ein Gesicht und eine authentisch klingende Stimme lieh. Im Duett liefen die beiden zu ganz großer Form auf, wie bei dem Song „You Make Me Feel Like A Natural Woman“, das Aretha Franklin zum Welthit gemacht hat. Mit ihrer gefühligen Interpretation erzeugten sie ein Gänsehautgefühl. In Kammerspielatmosphäre spielten Nikola Materne und Martin Scholz vor, wie die Komponistin Carole King 1967 eines Abends zusammen mit Ehemann und Texter Gerry Goffin diesen Song für die Soulqueen Franklin als Auftragsarbeit für die Plattenfirma Atlantic geschrieben haben könnten.

Exzellente Begleitung am Klavier

Neben seiner exzellenten Begleitung am Klavier erwies sich Martin Scholz als vielseitiger Musiker, der die Bechertrommel ebenso beherrschte wie das Kornett und damit wie Christiane Hagedorn die Violine, deren Spiel man sich noch des Öfteren gewünscht hätte.

Gewünscht hätte man dem Trio auch einen größeren Publikumszuspruch, denn der entsprach so gar nicht der angebotenen Qualität des Programms. Unter Mitwirkung von Carolin Wirth ist ein Liederabend der besonderen Art entstanden, der viele Fäden miteinander verbindet und zeigt, wie wenig über Leben und Werk auch solcher Frauen bekannt ist, die es zu Bekannt- und Berühmtheit gebracht haben und deren Weg dorthin oft genug steinig und abschüssig war.

Das Publikum – klein aber oho – feierte die Künstlerinnen und den Pianisten, die noch eine zweite Zugabe von Carole King auf Lager hatten. Es sollte nicht bei diesem einen Auftritt bleiben, nachdem der ursprüngliche Termin im September verschobene werden musste.

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