Kahlschlag an der Hellstraße

Dämpfer für Privatinitiative

Ahlen

Einmal war Ulrich Sonneborn nicht zu Hause wie sonst, um die städtischen Mitarbeiter zu warnen, und dann passierte es: Das von ihm und einer Nachbarin angelegte und liebevoll gepflegte Beet am Rande eines Parkplatzes an der Hellstraße war nur noch eine Staubwüste.

wn

Foto: Privat

Ehrenamtliches Engagement soll in der Wersestadt großgeschrieben werden. Doch das kann manchmal auch auf Hindernisse stoßen, wie Ulrich Sonneborn nun erfahren musste. Sein mit einer Nachbarin angelegtes Blumenbeet am Rande des Parkplatzes in der Hellstraße wurde am Donnerstagmorgen von Reinigungskräften im Auftrag der Stadt beseitigt.

„Ahlen soll schöner werden“, dachte sich Ulrich Sonneborn und hübschte den brachliegenden Streifen ge­genüber seiner Wohnung in der Hellstraße zusammen mit einer Nachbarin mit Pflanzen auf. Zwei Physalis setzten sie ein, dazu kam ein Beet mit einer Mischung von Blühpflanzen. „Außerdem entfernen wir jeden Samstag zusammen das Unkraut, bei Trockenheit wird auch gegossen“, kümmern sich die beiden Nachbarn liebevoll um das kleine Areal. Das machen sie schon seit einigen Jahren so.

Ulrich Sonneborn

Schon oft, sagt er, hat Ulrich Sonneborn bei der Stadt angerufen, damit Reinigungskräfte nicht an die Pflanzen gehen und sie entfernen. Denn auch ihm ist bewusst, dass nicht jeder Bürger im öffentlichen Raum einfach etwas pflanzen kann, was ihm gerade so gefällt. So suchte er einen Ansprechpartner bei der Stadt, blieb aber immer wieder in der Telefonvermittlung hängen, weil die Weiterverbindung nicht klappte. „Irgendwann fühlte ich mich veräppelt“, sah sich der Hobbygärtner auf verlorenem Posten, wollte aber trotzdem Gutes tun.

Ulrich Sonneborn

Also bediente er sich eines Tricks. Denn immer, wenn die Straße gereinigt wird, werden zwei Tage zuvor Parkverbotsschilder aufgestellt, die Ulrich Sonneborn vorwarnten, um die Arbeiter abzufangen und sie auf die Pflanzen hinzuweisen. Beim letzten Mal funktionierte das aber nicht, weil er nicht zu Hause war. Es kam, wie es kommen musste: Die Männer entfernten die Pflanzen, zurück blieb eine unansehnliche Bodenfläche. „Die Blumen trugen schon Knospen, das Beet ist auch gut für die Insekten“, zeigte sich der Hobbygärtner enttäuscht. Nicht nur das. Der Boden sei so schlecht, dass es bei Trockenheit mächtig staube. Aufgeben wolle er aber nicht, es soll wieder ein Blumenbeet angelegt werden.

Auf Nachfrage unserer Zeitung bei der Stadt Ahlen konnte sich deren Sprecher Frank Merschhaus nicht erklären, warum die Telefonweitervermittlung immer scheiterte. Allerdings lobte er das Engagement von Ulrich Sonneborn und versprach, ein Mitarbeiter der Stadt werde sich bei ihm melden. Für Bürger, die die Pflege öffentlicher Flächen übernehmen möchten, gab er einen Tipp: Ansprechpartner für Initiativen dieser Art ist die Gruppe um Jörg Piecon­kows­ki bei den Ahlener Umweltbetrieben. Diese ist un­ter der Direktwahl 59 92 01 erreichbar.

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