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Neue Regeln für Gedenkfeier auf den Düppeler Schanzen

Dänen-Kritik: Kränze aus Ahlen zu üppig

Ahlen / Sonderburg

Diese Nachricht verursacht Kopfschütteln beim „Freundeskreis Ahlener Soldaten“: Die Kränze, die der Verein seit mehr als zehn Jahren bei der Gedenkfeier auf den Düppeler Schanzen niederlegt, sind „zu üppig“. Diese Auffassung vertreten jedenfalls die dänischen Veranstalter – und legen ein neues Reglement vor, an das sich die Zivilisten und Soldaten des Sanitätsregiments 22 in 14 Tagen halten sollen. 

Christian Wolff

Kränze künftig ohne Blumen: Die Gedenkfeier auf den Düppeler Schanzen wurde im Vorjahr durch Major Markus Jenny, stellvertretender Kommandeur am Standort Ahlen – hier im Gespräch mit Freundeskreis-Chef Rolf Kersting, begleitet. Foto: Christian Wolff

In 14 Tagen setzt sich erneut eine Abordnung aus Ahlen in Bewegung, um an der jährlichen Gedenkfeier auf den Düppeler Schanzen teilzunehmen. Diese Tradition, die seit mehr als zehn Jahren von Soldaten der „Westfalen-Kaserne“ und Zivilisten des hiesigen „Freundeskreises“ gepflegt wird, steht allerdings unter neuen Vorzeichen. Nach dem Streit um eine fehlende Uniform-Trageerlaubnis im Vorjahr (die „AZ“ berichtete) geht es jetzt um Form und Größe der Kränze, die von den Ahlenern dort niedergelegt werden, wo im Jahr 1864 auch Männer aus der Wersestadt ihr Leben ließen.

Im kommenden Jahr jährt sich am 18. April zum 150. Male der „Düppeltag“ zum Gedenken an die Opfer der Schlacht zwischen Preußen-Österreich und den Dänen. Doch schon in diesem Jahr haben die dänischen Veranstalter eine Reihe von Modifizierungen beschlossen, die auf deutscher Seite deutliche Verwunderung auslösen. So soll die Zahl der deutschen Soldaten in Uniform auf dänischen Wunsch hin begrenzt werden. Außerdem dürfen Kränze von deutscher Seite keine Blumen enthalten und einen Durchmesser von 70 Zentimeter nicht überschreiten. Begründung: Die deutschen Kränze waren bisher „zu üppig“. Das meldet in diesen Tagen der „Nordschleswiger“, deutsche Tageszeitung im dänischen Sonderburg.

Die Neuerungen bringen erneut Unmut in die seit 2002 stetig gewachsene Freundschaft auf beiden Seiten. So lange schon findet auf Düppel eine gemeinsame deutsch-dänische Gedenkveranstaltung statt, seit 2010 auch mit einem gemeinsamen Marsch nach der Kranzniederlegung von deutschen und dänischen Soldaten von Düppel durch die Straßen von Sonderburg bis zur Kaserne.

Die Sanitäter aus der Wersestadt wurden darum gebeten, ihre Uniformen zu Hause zu lassen, so dass nur der Kommandeur des Regiments „Westfalen“ und dessen Fahrer ihre Uniform tragen dürfen, wie ihnen vom Landeskommando der Bundeswehr in Schleswig-Holstein mitgeteilt worden ist. Deshalb werden die 20 Soldaten aus Westfalen am 18. April nur in zivil erscheinen.

Und noch eine Nachricht entsetzt die Teilnehmer in diesem Jahr: Die Sonderburger Kaserne, jahrelang Domizil der Ahlener während ihres Aufenthalts, wird geschlossen. „Wir mussten schon 2012 in die Flensburger Kaserne ausweichen, weil es im Vorfeld Probleme, unter anderem mit der Uniform-Trageerlaubnis, gab“, erklärt Kersting auf Anfrage. „Nun werden wir in Kiel Quartier beziehen und am Tag der Gedenkfeier über die nahe Grenze fahren.“

Ob die Sonderburger Kaserne 2014 noch zur Verfügung steht, ist bisher ungeklärt. „Mit wem und wohin sollen die deutschen Soldaten dann marschieren?“, lautet ausgerechnet die Frage im Jubiläumsjahr.

Drei Möglichkeiten sind nach Angaben der Zeitung „Nordschleswiger“ im Gespräch: 1. Der gemeinsame Marsch entfällt in Zukunft, 2. 2014 marschieren Soldaten aus Varde mit (die Unteroffiziersschule Sonderburg wird dorthin verlegt), 3. beim gemeinsamen Marsch wird 2014 die Heimwehr aus dem Seegaard-Lager Søgaard die dänische Seite vertreten. Der Kommandant der Heimwehr-Zentrale für Nordschleswig und Südjütland, Oberstleutnant Jens Peter Rasmussen, hat – wie er dem „Nordschleswiger“ bestätigte – dem dänischen Militär bereits ein entsprechendes Angebot gemacht.

Rasmussen ist den Ahlenern noch gut bekannt, schließlich war er einst selbst Leiter der Sonderburger Kaserne und trug gemeinsam mit dem damaligen Bürgermeister Arne Peder Hansen maßgeblich dazu bei, dass es zu einer gemeinsamen deutsch-dänischen Gedenkveranstaltung auf Düppel kam. Auch mit einem gemeinsamen Marsch, der allerdings bei manchen Dänen auf Proteste stieß, so dass „Grænseforeningen“ nach Widerstand des Ortsvereins Sonderburg inzwischen seine Unterstützung „für noch mehr Gemeinsamkeiten“ zurückgezogen hat. Für Rolf Kersting wenig nachvollziehbar: „Mit Versöhnung hat dieses Verhalten wenig zu tun.“ Schade sei es auch deswegen, weil Einzelne die Erinnerungsarbeit von vielen mit solch nachhaltigem Effekt beschädigten und zudem die Pflege gewachsener Freundschaften bewusst unterbinden.Die Zukunft des bisherigen Gedenkens auf Düppel ist also alles andere als geklärt. Die Abordnung aus Ahlen will auf jeden Fall noch das 150-Jährige mitgestalten. Was danach kommt, ist laut Vorsitzendem Rolf Kersting ungewiss. „Wenn alle Stricke reißen, müssen wir uns eben von dieser Veranstaltungverabschieden.“

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