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Virtuelle Gemeinschaft in Zeiten von Corona

Das andere Ostern von Pfarrer Willi Stroband

Ahlen

Eine blaue Decke auf dem Fußboden: Auf ihr geht Pfarrer Willi Stroband am Ostersonntag mit der Kinderkirche auf Sendung. Bei den virtuellen Gottesdiensten sei das Feedback phänomenal, sagt der Geistliche der Ahlener Stadtpfarrei. Mit bis zu 1000 Klicks erreichten und seine Glaubensbrüder mehr Menschen als sonst in der Kirche.

Ingrid Kunst

Foto: Ingrid Kunst

Ostersonntag ohne „Kinderkirche“? Nicht vorstellbar! Deshalb hat Pfarrer Willi Stroband sich notgedrungen entschieden, in diesem Jahr zum ersten Mal und zur gewohnten Zeit um 10 Uhr virtuell mit den Jüngsten und ihren Familien Kontakt aufzunehmen.

Um eine gemütliche Situation zu schaffen, platziert er in der Bücherei der Ludgeri-Kirche eine blaue Decke auf dem Fußboden. „Am liebsten sitze ich mit den Kindern im Kreis auf dem Boden, das kennen sie“, sagt er im Vorgespräch. Tragen will er ein blaugrundiges Priestergewand aus Burkina Faso. Blauweiße Socken und der Schalkeschal sind selbstverständlich. Das Bild muss vertraut sein, wenn die Kinder sich auf seine Sendung einlassen sollen. Vor sich auf dem Boden aufgestellt eine bunte Mischung von Wildschweinen, Schokoladenosterhasen und Playmobilfiguren. „Die gab es dazu beim Kauf der Hasen und passen ganz gut ins Bild“, erklärt er.

Erstmals feiert Pfarrer Willi Stroband von der St. Ludgeri-Bücherei aus eine virtuelle Kinderkirche mit den Jüngsten der Gemeinde. Foto: Ingrid Kunst

Das Thema der Messe „Ob Wildschweine wohl auch Ostern feiern?“ ist auf den ersten Blick für viele vielleicht überraschend. „Wildschweine sind meine Lieblingstiere“, lüftet Stroband sein nicht ganz geheimes Geheimnis. Die Figuren aus Plüsch, Kunststoff und Glas hat er geschenkt bekommen. Ein finnisches Kinderbuch, in dem der Frischling Willi Wildschwein Freunde sucht, hatte schon während seines Diakonats die Sympathie für die neugierigen und erdverbundenen Tiere entfacht. Die Hauptrolle in seiner virtuellen Ansprache bekommen die felligen Vierbeiner, „weil sie immer mit der Nase am Boden unterwegs sind“. Inhaltlich nimmt Stroband sein Publikum mit auf einen Frühlingsspaziergang. Wie die Wildschweine, die sich am Frühling erfreuen, schnuppert die junge Gemeinde mit Hilfe von Bewegungsbildern Frühlings- und Blütenduft, umarmt Bäume und hört Wasser rauschen. Ein Sinnbild von Auferstehung, der wichtigsten Osterbotschaft.

Ob der Geistliche seine junge Gemeinde ohne direkten Erzählerkontakt erreicht? „Ich muss eine Atmos­phäre schaffen, als wenn die Kinder direkt vor mir sitzen. Ich mache das zwar zum ersten Mal, aber ich glaube, ich kann das. Das wird funktionieren“, zeigt er sich hoffnungsvoll. Die kindliche Fantasie werde helfen, die Entfernung zu überbrücken.

Auch auf ein bei den Kindern beliebtes „Give-away-Geschenk“ verzichtet der Geistliche nicht. In Sechserpacks wartet bunte Straßenmalkreide in Hühnereiform gestapelt auf die Jüngsten der Gemeinde. Wann sie die bekommen? „Wenn es wieder geht und wir uns treffen dürfen“, verspricht Stroband den Kindern.

Straßenmalkreide in Ostereierform waren als Give-aways für die Kinderkirchenkinder gedacht. Stroband wird sie verschenken, wenn die Kontaktverbote aufgehoben sind. Foto: Ingrid Kunst

„Es ist wirklich schade, dass die Karfreitagslesung nicht in der geplanten Form mit Chor, Solisten und Orchester stattfinden kann“, bedauert Stroband. Seine zweite Aufgabe in der Gemeinde zu Ostern fällt damit aus. Diese Form der Feier zur Sterbestunde Jesu, die Stroband und ein Organist alle zwei Jahre abwechselnd mit einer thematisch passenden Filmvorführung durchführt, sei sehr beliebt. Stattdessen wird die Passionsgeschichte Jesu von Geistlichen und einem Kirchenmusiker durchgeführt und ebenfalls ins Netz gestellt.

Pfarrer Willi Stroband

Dass virtuelle Gottesdienste bei den Gläubigen ankommen und keine Geistergottesdienste sind, zeige die große Resonanz. „Das Feedback ist phänomenal“, berichtet er. Pro Sendung verzeichnete die Gemeinde 700 bis 1000 Klicks. „Wenn mehrere Menschen vor den Geräten sitzen, sind das die vollsten Gottesdienste, die wir überhaupt hatten“, begeistert er sich. 72 Stunden bleiben die Aufnahmen im Netz, auch die jüngste Folge der Kinderkirche. Mit den fünf Ostergottesdiensten seien insgesamt zehn virtuelle Übertragungen als Livestream geplant, der letzten am Weißen Sonntag, dem 19. April.

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