1. www.wn.de
  2. >
  3. Münsterland
  4. >
  5. Ahlen
  6. >
  7. Das ging richtig auf die Knochen

  8. >

Mammut-Präparation ist bald abgeschlossen

Das ging richtig auf die Knochen

Ahlen / Stuttgart

Wenn Oliver Kunze mit der Restaurierung des Skeletts fertig ist, wird das 1910 in Ahlen gefundene Wollmammut-Gerippe endlich anatomisch korrekt stehen – sozusagen wie im Gehen fotografiert. Im Januar oder Februar baut der Stuttgarter das wissenschaftlich komplettierte Gerüst im Geomuseum auf.

Jörg Pastoor

Foto: Jörg Pastoor

Oliver Kunze war gerade staatlich anerkannter paläontologischer Präparator und hatte sich selbstständig gemacht. „Da kam ,Jurassic Parc‘ dann“, sagt er und erinnert sich an die ersten Aufträge: Saurierskelette, maritime Fossilien und Rekonstruktionen. Der Grund für den Pausenkaffee in Stuttgart-Birkach ist etwa 10 000-mal älter als der 48-Jährige, der in Jeans und Strickjacke über seine Passion plaudert: das Münstersche Mammut. Die etwa 200 Teile jenes im besten Elefantenalter vor geschätzt 40.000 Jahren verendeten Mammuthus primigenius liegen nebenan.

Zum Thema

Schon gewusst? So funktioniert die Präparation des Mammut-Skeletts.

Auf der Werkbank reihen sich acht von 38 Rippen, davor auf dem Boden hat Kunze zwei Drittel der Wirbelsäule aufgestellt. Dahinter das Becken: eine gewaltige, nach innen gewölbte Schale in drei Farben. Dunkel ist „echtes Mammut“, so gefunden 1910 in einer Tongrube im Osten Ahlens. Dazwischen gefülltes Grau ersetzt verlorengegangenen Knochen ebenso wie das Kunstharz, das gegen das Licht bernsteinfarben schimmert.

Oliver Kunze

„Das war am kaputtesten“, sagt Kunze und macht große Augen, „da hatten sie Eisenträger drin. Und Gips.“ „Sie“, das waren seine Kollegen, die vor 105 Jahren halt Gips als geeignete Füllung angesehen hatten. Das gesamte Gerippe war damit ausgegossen. Heute ist der Stand der Technik ein anderer. Obwohl: So falsch war die Wahl nun auch nicht: „Gips verbindet sich nicht mit dem Knochen. Man kriegt es ganz gut ‘runter.“ Wenn in 100 Jahren Kunzes Nachfolger mal dasselbe über seine Materialwahl sagen sollten, werden die – Stand heute – einiges mehr zu tun haben.

Leichte X-Beine, bitte!

Aber da ist noch lang hin. Im Moment ist Kunze schon neugierig auf Dr. Markus Bertlings zweiten Besuch. Der Leiter des Geomuseums macht Ende November nichts anderes als eine Abnahme: Ist das Skelett so unter Fachaspekten korrekt haltbar gemacht? Stimmen die Übergänge von Original und Ersatz? Sind die Schulterblätter richtig angeordnet? Stehen die Beine so, wie es die eigens gefertigte Animation vorschreibt, im leichten „X“?

Details treiben Kunze an. „Ein Mammut geht ja so“, erklärt er, „mit den Füßen recht eng beieinander.“ In der Filmreihe „Ice age“ sei das schon recht authentisch wiedergegeben – jedenfalls, wie es die Experten vermuten und bei den heutigen Elefanten sehen können.

Den Rest gibt das Skelett vor. Der Körperaufbau, die Knochenübergänge zu den früheren Gelenkknorpeln, die Biegung der Wirbelsäule – alles gehorcht rein handwerklich dem, wie es sich logisch anordnen lässt. Das Rückgrat bekommt ein innenliegendes Trageskelett aus Vierkantrohr. „Das biege ich von Hand so, wie die Animation das vorgibt. Ich fädele die Wirbel auf und fixiere sie dann mit Schrauben.“

Nicht alles ist echt

Was beim Fund in Ahlen fehlte, hatten Kunzes Vorgänger nachgeformt. Auch aus Gips. Der ist schwarz und – nach einigen Umzügen – im besten Fall an den Rändern abgestoßen. Da wird von anderen echten Skelettteilen abgegossen.

Kunze zur Suche nach passendem Ersatz für fehlende Knochen

Ganz neu wird deshalb auch der Schädel sein. Kunze hat den größenmäßig besser passenden Kopf eines anderen Mammuts kopiert. Dessen Alviolen haben innen schon die Verschraubung für die Aufnahme der ebenfalls künstlichen Stoßzähne. Die hatten die 40 Jahrtausende im Boden nicht überstanden. Der große Rest sei aber etwas Besonderes. Aus aller Herren Länder „zusammengebastelte“ Mammuts habe er schon gesehen. „Aber so ein komplettes Skelett, und dann noch in der Nähe gefunden? Das ist schon was.“ Er freue sich auf Januar/Februar. Dann baut er es auf – in Münster. Einen Tag braucht er. Nach dann einem Jahr Arbeit.

Startseite