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Hellwach-Festival in Schulen

Das Leid der Inder berührt auch hier

Ahlen

Ein Workshop statt großer Auftritte: Dennoch erreichte das Hellwach-Festival auch in diesem Jahr Kinder und Jugendliche in Ahlen. Sie beschäftigten sich mit ernsten Themen – mit Armut, Heimat und Flucht.

Von Martin Feldhaus

Die Kulturklasse 5c der Städtischen Gesamtschule beschäftigte sich mit dem Film „Das Mädchen im rosa Kleid“. Foto: Martin Feldhaus

Normalerweise ist das Hellwach-Festival auch in Ahlen ein echter Publikumsmagnet. In diesem Jahr musste die neunte Auflage des Kulturprogramms für junge Leute jedoch pandemiebedingt rein digital stattfinden – mit einigen wenigen Aufnahmen: Teile des Programms wurden in Schulen und Kitas doch noch in einem Präsenzformat behandelt.

So beschäftigte sich etwa die Kulturklasse 5c der Städtischen Gesamtschule mit ihrer Klassenlehrerin Nicole Kröger und Michael Lurse vom Hammer Helios-Theater am Montag in einem Workshop mit dem Film „Das Mädchen im rosa Kleid“. Die Produktion der Regisseurin Anurupa Roy vom Puppentheater „Katkatha Puppet Arts Trust“ erzählt die bewegende und Geschichte vom Leid der indischen Gelegenheitsarbeiter zu Beginn der Corona-Pandemie. Da nämlich zog die indische Regierung unmittelbar die Notbremse: Ein knallharter Lockdown mit Geschäftsschließungen und mehr schockte das Land.

Keine Jobs für Tagelöhner

Die Folgen trafen insbesondere die Schwächeren der Gesellschaft in extremer Form: In den großen Metropolen des Landes gab es für tausende Tagelöhner keine Gelegenheitsjobs mehr, um ihre Familien zu ernähren. Voller Verzweiflung und ohne staatliche Hilfe machten sich diese Menschen auf tage- und wochenlange Gewaltmärsche zurück in ihre Heimatdörfer. Überall in Indien setzte eine Flucht aufs Land ein.

Anurupa Roy hatte diese Szenen hautnah mitbekommen, da sie an einer großen Durchgangsstraße in Delhi lebt und direkt vor ihrer Haustür Leute vorbeizogen, die schon seit Tagen nichts mehr gegessen und getrunken hatten. Optisch stach dabei ein kleines Mädchen heraus, das ein schönes rosa Kleid trug.

Aus ihrer fiktiven Perspektive erzählt die Regisseurin – bewusst – nur mithilfe ihres Smartphones sowie einiger Zeichnungen, Papierfiguren und atmosphärischer Musik die Geschichte vom Leid der Familien auf der Odyssee zurück in die Dörfer.

Unklares Schicksal

Im Anschluss an den Film arbeiteten die Schülerinnen und Schüler das Gesehene im gemeinsamen Dialog auf. Über die Frage nach dem unklaren Schicksal des Mädchens ergaben sich grundlegende gesellschaftspolitische Fragestellungen rund um die Themen Armut, Heimat und sogar das Kastensystem in Indien. Ihre Gedanken zu dem Film wollen die Kinder in Kürze, vielleicht in Form eines kleinen Videos an Anurupa Roy übermitteln. „Die Schüler haben sehr engagiert mitgemacht“, freute sich Michael Lurse im Anschluss über das große Engagement der Schüler und das Interesse an dem Film. Michael Lurse kennt Anurupa Roy auch persönlich sehr gut und hat sie bereits in Indien besucht.

Neben dem Angebot in der Städtischen Gesamtschule hatte die Koordinierungsstelle Kultur der Stadt Ahlen auch Teile aus dem Hellwach-Programm in der Kita Menzelstraße sowie in der Fritz-Winter-Gesamtschule angeboten. Dort beschäftigten sich die Jugendlichen mit dem Theaterstück „Bintas innerer Raum“, das vom Leben eines neunjährigen Mädchens in einem Kinderheim handelt.

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