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Preisentwicklung beim Baustoff Holz macht Handwerksbetrieben Sorge

Demnächst Dachstühle aus Eiche?

Ahlen

Das Fichtensterben infolge des Klimawandels bedroht nicht nur die Existenz vieler Waldbauern, es führt auch zu einer allgemeinen Verknappung von Bauholz und damit zu steigenden Preisen. Das stellt Handwerksbetriebe wie den von Zimmermeister Gerd Pollmeier vor Probleme.

Peter Schniederjürgen

Die allgemeine Verknappung von Bauholz führt zu steigenden Preisen, die einem Zimmereibetrieb wie dem von Gerd Pollmeier (r.), hier mit Mitarbeiter Jan Bender, die Kalkulation verhageln. Foto: privat

Das hat Gerd Pollmeier in seiner Selbstständigkeit noch nicht erlebt. Denn trotz zum Bersten gefüllter Auftragsbücher droht dem Zimmereibetrieb in absehbarer Zeit die Kurzarbeit. Wie kann das sein? „Es ist die Folge der Holzkrise“, stellt der Zimmermann fest. Doch wie konnte es dazu kommen?

„Die Gründe sind vielfältig, hier kommt einiges zusammen“, sagt Gerd Pollmeier. Die Ursachen seien dies- und jenseits des Atlantiks zu suchen. So ist es zunächst die allgemeine Verknappung des Baustoffs Holz. Durch die Klimaerwärmung und Schädlinge wie den Borkenkäfer verlieren die Waldbauern das Wirtschaftsholz Nummer eins, die Fichte. „Das ist mit anderen Nadelhölzern nicht wirklich besser“, ergänzt der Handwerksmeister.

Dazu kommt eine extrem gestiegene Nachfrage. Besonders die Auswirkungen der Trump-Politik machen sich bemerkbar. „Die USA haben das Handelsabkommen mit Kanada gekündigt und kaufen nun den europäischen und auch den deutschen Markt leer“, erklärt der Unternehmer. Auch China importiere viel mehr Holz als früher. Und schließlich werde in der Corona-Pandemie heimgewerkt wie selten zuvor.

Gerd Pollmeier

Für ihn hat das dramatische Auswirkungen. „Angebote mache ich nur noch für die Arbeit, nicht mehr für das Material“, stellt Pollmeier klar. Dabei ist er mit seiner Spezialisierung eigentlich noch vergleichsweise gut dran. Denn der Zimmereibetrieb ist schwerpunktmäßig in der Sanierung von Altbauten, besonders im Fachwerkbereich, tätig, wie aktuell unter anderem auf einer Baustelle an der Ostenmauer. „Hier kommen vor allem Harthölzer wie Eiche zum Einsatz und die sind noch nicht so stark betroffen“, erklärt der Fachmann. Doch er weiß von Kollegen, die durch den Preisanstieg des Nadelholzes in existenzielle Nöte geraten.

Dabei sieht er auch die Waldbauern als Opfer der Krise an. „Die verdienen auch nicht mehr, es sind vor allem die Sägewerke und Zwischenhändler, die an der Situation gewinnen“, vermutet Pollmeier. Er nimmt‘s dennoch mit Humor. „Dann baue ich demnächst eben auch Dachstühle aus Eiche“, sagt er schmunzelnd. Denn wenn es mit dem Preis für Nadelholz so weiter nach oben geht, wird es bald so teuer wie Eiche sein – dann hält der Dachstuhl eben hundert Jahre länger.

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