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Denkmalschutz oft Detektivarbeit

Torwächterhaus und weitere Objekte öffnen sich am 11. September

Ahlen

Ein Gebäude mit sehr langer, vielseitiger Geschichte und noch ungewisser Zukunft präsentiert sich am „Tag des offenen Denkmals“: das Torwächterhaus an der Kampstraße. Doch auch weitere Objekte öffnen sich.

Markus Gantefort (Stadtplaner), Dr. Alexander Berger (Bürgermeister), Christa Schwab (Heimatförderkreis), Detlef Aßmann (Bergbautraditionsverein), Nicole Wittkemper-Peilert (Untere Denkmalbehörde), Bernd Schulze Beerhorst (Ehrenamtlicher Denkmalpfleger) und Silke Büscher-Wagner (Ahlener Stadtbildmacher, v.l.) laden gemeinsam mit dem Kreisarchiv zum „Tag des offenen Denkmals“ ein. Foto: Christian Wolff

Das Jahresmotto liest sich fast wie ein Krimititel: „Kulturspur – Ein Fall für den Denkmalschutz“. Tatsächlich zeigt der „Tag des offenen Denkmals“ auch in diesem Jahr, dass die Sichtbarmachung von Geschichte oft mit Detektivarbeit zu tun hat. Am Sonntag, 11. September, öffnen sich aus diesem Anlass wieder ganz unterschiedliche Objekte im Stadtgebiet.

Historischer Dreiklang

Erstmals dabei ist das ehemalige Torwächterhaus an der Kampstraße 37. „Seine Geschichte ist besonders spannend“, sagt Denkmalschützerin Nicole Wittkemper-Peilert beim Ortstermin am Donnerstag, und erklärt den Namen aus der mittelalterlichen Stadtbefestigung, denn damals stand das Kampen-Stadttor in unmittelbarer Nähe und bildete später mit der sogenannten Totengasse – Bestattungen erfolgten lange Zeit auf den einstigen Wallanlagen entlang der Stadtmauer – einen historischen Dreiklang.

Einige Balken im Torwächterhaus an der Kampstraße stammen aus der Zeit um 1590. Foto: Christian Wolff

Großen Anteil daran, das Torwächterhaus als Kleinod wieder in den öffentlichen Blick zu rücken, hat der Verein „Ahlener Stadtbildmacher“. Er hat bereits Aufräumaktionen gestartet und will die sinnvolle Nachnutzung anschieben. „Drei Interessenten gibt es bereits“, verrät Vorsitzende Silke Büscher-Wagner. Für Bürgermeister Dr. Alexander Berger ein weiterer Beleg dafür, wie viel Ahlen auf dem Dekmalsektor sowohl haupt- als auch ehrenamtlich leistet: „Alle haben Anteil daran, dass möglichst viel Substanz erhalten bleibt.“ Dabei nennt er auch die oft stille, aber zielführende Arbeit von Bernd Schulze Beerhorst als ehrenamtlichen Denkmalpfleger oder Christa Schwab und ihre Mitstreiter des Heimatförderkreises, der die Kenntlichmachung historischer Orte in Kürze mit weiteren Hinweisschildern fortsetzt.

Für die dendrochronologische Untersuchung wurden Holzproben genommen. Foto: Christian Wolff

Bauforscher des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) haben inzwischen dendrochronologische Untersuchungen am Torwächterhaus vorgenommen und können belegen: „Einige der Fachwerkbalken stammen tatsächlich aus der Zeit um 1590“, so Wittkemper-Peilert. Damit haben einige der Wände viele schwere (Kriegs-)Zeiten und Stadtbrände überstanden. Doch nicht nur das mache das Gebäude zu einer Besonderheit: „Ich finde es sehr beachtlich, wie hier unterschiedliche Zeitepochen ablesbar sind. Die auffällige Jugendstil-Bleiverglasung in der Deele stammt beispielsweise aus dem Jahr 1904.“

Das Programm im Überblick

  • Kreuzigungsgruppe – Kampstraße mit Kamptor und Totengasse, 14.30 und 15.30 Uhr: Führungen sowie Einweihung von zwei neuen Hinweisschildern
  • Torwächterhaus – Kampstraße 37, 11 bis 17 Uhr geöffnet; Führungen bei Bedarf
  • Trafohaus – Im Pattenmeicheln, 12 bis 15 Uhr geöffnet; Führungen bei Bedarf
  • Lohnhalle – Zeche Westfalen, 10 bis 17 Uhr: „Tag der Archive“ mit Cafeteria und Bücherflohmarkt
  • Bergbautraditionsverein – Begegnungsstätte Zeche Westfalen, 13 bis 17 Uhr geöffnet; Führungen bei Bedarf
  • Fördertürme – Zeche Westfalen, 14 und 16 Uhr: Führungen mit Möglichkeit zur Turmbesteigung (Start Begegnungsstätte)

Hauströdelmarkt am Denkmaltag

Besucher können sich am Denkmaltag selbst ein Bild machen und beim Hauströdelmarkt vielleicht noch das eine oder andere Schnäppchen machen. Dabei würden sich sicher einige noch an „die alte Frau Berres erinnern, die hier vielen Schülern Nachhilfeunterricht erteilt hat“, wie Silke Büscher-Wagner zu berichten weiß.

Die weiteren Stationen des Denkmaltages lassen sich erneut zu einer Route verbinden, auch wenn die offizielle Radtour der Vorjahre in diesem Jahr entfällt. Von der Kreuzigungsgruppe am Stadtpark wird der Bereich zwischen Kamptor und Totengasse bei Führungen beleuchtet. Das Trafohaus im Berliner Park öffnet ebenfalls die Türen.

Gleich mehrere Anlaufstellen bietet die Zeche Westfalen. Der Kreis Warendorf wird in der dortigen Lohnhalle den „Tag der Archive“ ausrichten, an dem sich die örtlichen Heimatvereine unter Leitung von Archivar Dr. Knut Langewand mit Ständen beteiligen. Als „Klassiker“ am Denkmaltag bezeichnet die Untere Denkmalbehörde den Bergbautraditionsverein. „Er ist schon seit vielen Jahren dabei“, lobt Nicole Wittkemper-Peilert. Am Grubenwehrraum gibt‘s neben kulinarischen Angeboten auch die Möglichkeit zur Ausstellungsbesichtigung. Einer der beiden Fördertürme kann ebenfalls bestiegen werden.

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