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Robuster Werkstoff

Der Facettenreichtum des Glases - Dialog zwischen Dr. Martina Padberg und Hans Brockmann

Ahlen

Glas wird gemeinhin als besonders zerbrechlich empfunden. Aber der Werkstoff ist robuster als man denkt. Das und noch mehr Interessantes über Glas erfuhren die Teilnehmenden einer besonderen Führung im Kunstmuseum.

Von Martin Feldhaus

Anna Luise von Campe, wissenschaftliche Volontärin, führte im Anschluss an die Gesprächsrunde interessierte Besucher durch die Ausstellung. Foto: Martin Feldhaus

Ein Lagerfeuer gab es zwar, doch das Stockbrot fehlte. Das war aber auch kein Wunder, denn die „Feuerstelle“, um die sich die Besucher des Kunstmuseums am Donnerstagabend versammelten, bestand nicht aus lodernden Flammen, sondern ist eine Installation der Künstlerin Asta Gröting: Drei Kanthölzer aus Glas leuchten rot, wo sie aufeinandertreffen und implizieren sie die für die Glasherstellung notwendige Feuerwärme. Doch wie genau wird Glas eigentlich hergestellt?

Unter anderem diese Frage stand beim Dialog von Museumsleiterin Dr. Martina Padberg mit Kunstglasermeister Hans Brockmann, von 1956 bis 2008 Geschäftsführer der Bau- und Kunstglaserei Brockmann GmbH in Ahlen, im Fokus. Aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchteten beide den Facettenreichtum des Glases und ließen die Exponate der aktuellen Ausstellung „Fragile. Alles aus Glas!“ in einem anderen Licht erscheinen.

Ein Alltagsmaterial

Glas findet sich eigentlich überall in unserem Alltag. Ob es das Einmachglas ist, die Brillengläser oder vielleicht auch ein moderner Esstisch. Gemeinhin gilt es als nicht besonders robustes Material. „Glas ist härter als Stahl“, überraschte Brockmann. „Es hat diese Härte, ist aber auch zerbrechlich“, ergänzte Padberg, dass es sich insoweit um „ein widersprüchliches Material“ handele. Vielen ein Begriff war das Floatglasverfahren, das seit den 1960er-Jahren industriell angewandt wird und die Methode der Wahl ist, um fast alle Fenstergläser, Autoscheiben oder Spiegel herzustellen. „Das war damals eine bahnbrechende Erfindung“, erinnerte sich Paul Brockmann an die Anfänge.

Hans Brockmann und Dr. Martina Padberg beleuchteten den Werkstoff Glas aus vielen verschiedenen Blickwinkeln. Foto: Martin Feldhaus

Ferner wurden auch verschiedene Arbeitstechniken angesprochen. „Das Sandstrahlen gehört zu unserem Arbeitsalltag“, berichtete der Ahlener Unternehmer. In der aktuellen Ausstellung nimmt diese Technik ebenfalls eine prominente Rolle ein. Die Installation „Eroded Landscape“ des englischen Künstlers Tony Cragg, vor der die Besucher Platz nahmen, führt das eindrucksvoll vor Augen. „Die Zerstörung gehört zum Objekt dazu“, betonte Padberg mit Blick auf das Arrangement aus Glasobjekten, für dessen Aufbau zwei Mitglieder des Künstlerteams zwei volle Tage benötigten.

Der Nullpunkt im Design

Zusätzlich zur Diskussion führte Anna Luise von Campe (Wissenschaftliche Volontärin) im Rahmen eines Kurzrundgangs unter dem Titel „Faszination Glas!“ durch die Ausstellung. Schlaglichter warf sie unter anderem auf die historische Entwicklung des Designs im Glas, die vom eher aufwendigen Jugendstilglas bis hin zur harten Reduktion reicht, die etwa Adolf Loos präferierte. „Das ist der Nullpunkt im Design“, so von Campe mit Blick auf ein schlichtes, puristisches Glas.

Die „Feuerstelle“ von Asta Gröting Foto: Martin Feldhaus

Sie verdeutlichte auch verschiedene Phasen der Kunstgeschichte von den utopischen Arbeiten vor dem Ersten Weltkrieg bis hin zu Sebastian Richters Installation „grandpa’s holiday“, bei der aus Glas geformte Wehrmachtshelme in Reih und Glied auf dem Boden liegen. Auch der Aspekt der Transparenz von Glas, der sich auf demokratische Systeme münzen lässt, trat in der Diskussion und auch in einigen Exponaten hervor.

„Wie kann ich mit dem Material arbeiten?“ Die genauso vielfältigen wie spannenden Antworten verschiedener Künstler auf diese Kernfrage können Interessierte noch bis zum 16. Oktober im Kunstmuseum bestaunen.

Zu einer „Kuratorinnenführung“ durch die Ausstellung lädt Dr.Martina Padberg am 18. August (Donnerstag) um 19 Uhr ein. Weitere „Kunstgenuss“-Führungen mit anschließendem Drei-Gänge-Menü im Restaurant „Chagall“ gibt es donnerstags am 1. September und 13. Oktober, jeweils um 19 Uhr.

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