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Eröffnung der Woche der Brüderlichkeit

Deutschlands weißer Badeschaum

Ahlen

Der Krieg in der Ukraine konnte nicht außen vor bleiben, bei der Eröffnung der Woche der Brüderlichkeit. Am Sonntag waren zahlreiche Gäste ins Museum im Goldschmiedehaus gekommen. Auch, um einer jungen Autorin zu lauschen.

Von Reinhard Baldauf

VHS-Leiterin Nadine Köttendorf dankte Hausherr Raphael Fischer für die Bereitstellung des Museums im Goldschmiedehaus. Foto: Reinhard Baldauf

Erfreut zeigte sich VHS-Leiterin Nadine Köttendorf am Sonntag, dass die Eröffnung der Woche der Brüderlichkeit wieder in Präsenz möglich war. Im vergangenen Jahr habe alles digital stattgefunden, was aber „besser als gar nichts“ gewesen sei. Die VHS-Chefin sprach in Vertretung des Bürgermeisters, der wegen der ankommenden Ukraine-Flüchtlingen kurzfristig verhindert war.

Die Woche der Brüderlichkeit habe in vielfältiges Angebot. Nadine Köttendorf: „Schauen Sie ins Programm. Ich glaube, es lohnt sich.“ Ihr besonderer Gruß und Dank galt Raphael Fischer für die Bereitstellung des Goldschmiedemuseums, Kulturdezernentin Stephanie Kosbab, dem Kammermusikensemble der evangelischen Pauluskirche und ganz besonders der Schriftstellerin Lena Gorelik, die aus ihrem autobiografischen Roman „Wer sind wir“ las.

Motto „Fair Play“

Nadine Köttendorf verlas das Grußwort des Bürgermeisters gab zu Beginn die Frage weiter, wer bei der Betreuung der Kriegsflüchtlinge weiterhelfen und besonders Wohnraum zur Verfügung stellen könne.

Wie der Bürgermeister schrieb, leistet die Woche der Brüderlichkeit einen wertvollen Beitrag zu Erinnerungskultur in Ahlen. Die 30. Auflage habe das Motto „Fair Play“. Mit Blick auf den Angriff auf die Ukraine erklärte Dr. Alexander Berger: „Die Spirale der Gewalt scheint sich immer weiter zu drehen. Das darf uns aber nicht bremsen.“ Bei uns im Land werde teilweise das Impfen als jüdische Verschwörung gesehen. Berger unterstrich die Bedeutung von persönlichen Begegnungen, um solche Vorurteile abzubauen.

Eröffnung der Woche der Brüderlichkeit mit einem Kammermusikensemble der Pauluskirche. Foto: Reinhard Baldauf

Bevor Lena Gorelik aus ihrem Roman las, in dem sie über die Ausreise ihrer Familie aus St. Petersburg in die Bundesrepublik schreibt, ging sie auf die Ukraine-Flüchtlinge ein. Sie zeigte sich entsetzt darüber, dass an den EU-Außengrenzen Nicht-Weiße abgewiesen würden und es sogar Stacheldrahtzäune gebe. „Ein Krieg endet niemals mit einem Waffenstillstand“, zeigte sich die Autorin überzeugt. Der Krieg wirke weiter.

Eindrucksvoll schilderte Lena Gorelik dann die Ankunft ihrer Familie in Süddeutschland und das Leben hinter Stacheldraht im Lager. Ihre ganz speziellen Bemühungen, die deutsche Sprache zu lernen und das Leben in Deutschland zu verstehen, schilderte die Autorin in perfektem Hochdeutsch. Lena Gorelik ging auf verschiedene Begebenheiten auch mit ihren Eltern ein, die nicht so schnell die deutschen Sprache beherrschen konnten.

Eines Tages wurde sie mit ihrer Schwester auf einen Bauernhof eingeladen. Hier habe es keinen genauen Duschplan wie im Lager gegeben, sondern eine Badewanne mit Badeschaum. Die Schilderung dieses Erlebnisses berührte die Zuhörer: „Meine Liebe zu Deutschland besteht aus weißem Badeschaum.“

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