1. www.wn.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Ahlen
  6. >
  7. Die Geschichten hinter den Porträts

  8. >

Matinee zum „Museum der Menschheit“

Die Geschichten hinter den Porträts

Ahlen

Wer die Lesung aus dem Katalog „Crown of Creation“ gehört hat, sieht die Porträts aus dem „Museum der Menschheit“ mit anderen Augen. Es sind zum Teil bewegende Geschichten, die sich hinter den Gesichtern verbergen.

Von Martin Feldhaus

Innosozial-Geschäftsführer Dietmar Zöller (r.) freut sich mit Gerd Buller (l.), Musiker Dimi (2.v.l.) und Angelika Knöpker über die gelungene Matinee. Foto: Martin Feldhaus

In seiner Kamera? Dort hat Ruben Timman nicht etwa nur Bilder, sondern vielmehr Schätze. Und zwar in Form der „kleinen Einblicke in die Seele der Menschen“, wie er selbst sagt. Was der holländische Fotograf der Ausstellung „Museum der Menschheit“ damit meint, wurde am Sonntag bei einer Matinee des Kunstvereins in der Stadtgalerie deutlich.

Angelika Knöpker und Gerd Buller lasen hier Passagen aus dem Katalog zur Ausstellung „Crown of Creation“ vor und beleuchteten einige Schicksale der Menschen hinter den Porträts, die tief berührten und eindrucksvoll vor Augen führten, wie intensiv die von Ruben Timman so bezeichneten „Einblicke in die Seele“ waren.

Melek mit der hellen Haut

So dürften viele Ahlenerinnen und Ahlener mittlerweile etwa das Porträt von Melek (geboren im Jahr 2010) schon gesehen haben. Auf dem Parkplatz am Gebrüder-Kerkmann-Platz stehen drei Bilder, von denen eins ein blasses Mädchen mit sehr heller Haut zeigt. Doch was ist eigentlich die Geschichte dieses Mädchens, das nicht direkt in die Kamera guckt? Was Angelika Knöpker hierzu vorlas, ging den Zuhörern unter die Haut. Ruben Timman trifft Melek 2016, als er für eine Reportage über die Flüchtlingskrise im Irak ist. Auf der Flucht vor dem Islamischen Staat verbringt das an Albinismus leidende Mädchen, das die Sonne meiden muss, mit ihrer Familie drei Jahre in einem Lager für inländische Flüchtlinge. Nach der Rückkehr in ihre Stadt ist ihr Haus zerstört und geplündert. Die Familie macht jedoch mithilfe der Kirche wieder bewohnbar. Und auch Melek entpuppt sich als Kämpfernatur: Sie hat in der Schule gute Noten und widersteht Hänseleien ihrer Mitschüler, die auf ihrem krankheitsbedingt anderem Aussehen beruhen.

Evi mit dem starken Kampfgeist

Nicht minder bewegend: die Geschichte der kleinen Evi, die 2013 nach sechs Monaten Schwangerschaft mit weniger als 700 Gramm zur Welt kommt. Ruben Timman trifft sie mit ihrer Familie bei einem Jugendfest 2014 und nimmt das Mädchen, das sich mit einem unglaublichen Kampfgeist ins Leben kämpfte, in das „Museum der Menschheit“ auf. Es entsteht ein Bild, auf dem Evi den Fotografen mit einem intensiven Blick ansieht. Kennt man die Geschichte dahinter, versteht man, warum es so wirkt, als hätte das kleine Mädchen bereits ein ganzes Leben hinter sich.

Umrahmt wurden die Beiträge jeweils von sehr emotionalen musikalischen Einlagen von Sänger und Gitarrist Dimi, dessen Liedauswahl perfekt die Gefühlslage der Zuhörer nach der Schilderung der Lebensgeschichten traf. „Rock and Roll Will Never Die“ von Neil Young – diesen Song spielte Dimi zum Abschluss, widmete ihn jedoch kurzerhand um: „Hey hey my my. . . auf ein besseres Miteinander“, sendete er eine klare musikalische Botschaft im Sinne Timmans.

Weitere Lesung im August

Wer die Lesestunde für Erwachsene verpasst hat, kann sich die inspirierenden und berührenden Geschichten hinter den Porträts am 19. August um 19 Uhr in der Stadtgalerie erneut anhören. Am besten nach einem Rundgang durch die Ausstellung. Warum der sich lohnt? „Menschen verschiedener Art, Alters, Farbe und sozialer Stellung werden zu einem Gesamtkunstwerk“, betont Gerd Buller. Die großformatigen Fotos könnten „vom Markt bis zur Zeche und darüber hinaus ein Stück Gemeinsamkeit erzeugen.“ Und zwar ein Gemeinschaftsgefühl der Menschheit über alle Grenzen hinweg.

Startseite