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Beat Zoderer im Kunstmuseum

Die große Lust am Experiment

Ahlen

Mit „Faltungen und andere Ereignisse“ eröffnete das Kunstmuseum am Samstag seinen Beitrag zum Ausstellungszyklus „Hellweg konkret II“. Die künstlerische Leiterin, Dr. Martina Padberg, begrüßte dazu neben dem Künstler Beat Zoderer aus Zürich die stellvertretende Bürgermeisterin Rita Pöppinghaus-Voss.

Von Dierk Hartleb

Beat Zoderer ist kein Vertreter der Konkreten.“ Mit dieser apodiktischen Feststellung eröffnete Dr. Ruth Diehl ihren Vortrag zur Eröffnung der Ausstellung des Schweizers am Samstagnachmittag im Kunstmuseum. Zwar habe es dem Züricher nicht an Vorbildern wie Max Bill und Peter Paul Lohse gefehlt, „aber zu groß ist die Lust am Experiment“.

Sich über Kunst im persönlichen Gespräch wieder austauschen, auch widersprechen zu können, betrachtete Dr. Martina Padberg als einen der größten Gewinne der wiedergewonnen Freiheit nach Monaten des Stillstands und Lockdowns. Die künstlerische Leiterin dankte dem Künstler, sich auf das Experiment der Ausstellung eingelassen zu haben – trotz der ungünstigen Rahmenbedingungen. Später bekannte Zoderer, das Museum im Vorfeld nur einmal besucht haben zu können und ansonsten auf Grundrisspläne angewiesen gewesen zu sein.

Rauminstallation mit Spiegelfolie

Padberg konzedierte der Kunst Zoderers eine Leichtigkeit und eine geradezu magische Verwandlungsfähigkeit. Am augenfälligsten wird Letztere in der Rauminstallation mit Spiegelfolie, die im Erdgeschoss den Besucher empfängt. Damit und dem Ahlener Diptychon habe der Schweizer dem Haus und er Stadt ein großes Geschenk gemacht. Dessen Kunst sei durch eine große Vielfalt nicht zuletzt bei der Wahl des Materials gekennzeichnet. Was zu der Erkenntnis führe, „dass sich aus allem etwas machen lässt“.

Auch das Grußwort der stellvertretenden Bürgermeisterin Rita Pöppinghaus-Voss war bestimmt von der Freude, dass nach achtmonatigem „Winterschlaf“ die Kunst zu neuem Leben erwacht sei. Sie knüpfte an eine frühere Begegnung mit dem Werk Zoderers in Düsseldorf und freute sich darüber, dass das Kunstmuseum durch die Präsentation ein weiteres Mal seine überregionale Bedeutung unterstreiche.

Mit Dr. Ruth Diehl hatte eine Kennerin des Werks Zoderers das Wort, die diesem bescheinigte, in seinen Werk ein geradezu barockes Fest der Farben zu feiern. Die Eleganz des verwendeten Polyurethan-Schaums dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich um einen banalen Werkstoff handele wie in vielen anderen Fällen auch, wenn der Künstler Materialien wie Eisenarmierungen, Aluminiumbleche, MDF-Platten oder Wellpappe benutze. Im Spannungsfeld zwischen äußerlicher Schönheit und der Banalität des Materials tauche der Witz und Schalk Zoderers auf, die die Arbeiten ebenfalls kennzeichneten.

Wenn er also kein konkreter Künstler sei, weil sich die Lust am Widerspruch wie ein roter Faden durch sein Werk zieht, in welche Schublade passe er dann, fragte Diehl. Am besten passe zu ihm das Etikett „bunter Hund“, was keineswegs despektierlich gemeint sei. Zoderer verstehe es, sein „Spiel von täuschen und ent-täuschen zu entfalten“, wobei Letzteres sich mit Entzaubern übersetzen lässt.

„Auf diesem Niveau sollte das Museum weitermachen“, wünschte anschließend ein Besucher.

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