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Tiere aus illegalem Welpenhandel oft krank und verhaltensgestört

„Doc Polly“ will aufklären

Ahlen

Kleine Hunde „mal eben günstig“ im Internet kaufen? Keine gute Idee. Tierärztin Dr. Tanja Pollmüller erklärt warum und appelliert für verantwortungsvolles Handeln.

Von Dierk Hartleb

Anhand eines Röntgenbildes erklärt Dr. Tanja Pollmüller eine Gelenkfehlstellung an einer Hüfte, wie sie gerade bei Hunden ohne Zuchtpapiere häufiger vorkomme. Foto: Dierk Hartleb

Die Röntgenbilder sind wenig erbaulich: Unschwer ist die Gelenkfehlstellung an der Hüfte zu erkennen. „Eine Fehlstellung, wie sie bei Labradoren und anderen großen Hunderassen häufiger vorkommt“, erklärt Dr. Tanja Pollmüller. Vor allem bei Hundewelpen, die ohne Zuchtpapiere und gültigen Impfausweis illegal nach Deutschland kommen und oft übers Internet bestellt werden. Die Übergabe der niedlichen Hundebabys findet dann nicht selten auf Supermarktparkplätzen statt.

Nach wenigen Tagen merken die neuen Hundebesitzerinnen oder -besitzer, dass mit den Welpen irgendwas nicht stimmt. In der Tierarztpraxis von Dr. Pollmüller werden Herrchen oder Frauchen mit der brutalen Wirklichkeit konfrontiert. Vielfach sind die Hunde aus dem illegalen Internethandel weder geimpft noch entwurmt.

Kauf unter Zeitdruck

„Ein Trauerspiel“, stellt die Tierärztin nüchtern fest und bemüht sich um Sachlichkeit. Ihr ist anzumerken, wie sehr sie jeder einzelne Fall berührt. Und oft genug kann sie auch nicht mehr helfen. So wie in einem Fall, in dem ein Welpe per Kleinanzeige zum Verkauf angeboten wurde, weil die Tochter angeblich eine Hundeallergie hat. Und weil die Bewerber sozusagen Schlange ständen, macht der angeblich besorgte Vater Zeitdruck. 300 oder 400 Euro und der Kauf ist perfekt.

Aber damit fangen die Probleme erst an, wie „Doc Polly“ weiß. Unter diesem Namen betreibt die Ahlenerin einen Podcast und ist auch dem Fernsehpublikum bekannt, wo ihre Expertise regelmäßig in Magazinen und Haustiershows gefragt ist.

Nachfrage nach Haustieren gestiegen

In Corona-Zeiten ist die Nachfrage allgemein nach Haustieren deutlich gestiegen, was besonders bei einigen Hunderassen zu einem deutlichen Preisschub geführt hat. Die Preise für den derzeit beliebtesten Hund – Labrador – können auch schon mal auf 2500 Euro und mehr hochschnellen.

Die Welpen, die in Kartons oder sonstigen einfachen Behältern illegal über die Grenzen nach Deutschland gelangen, sind meist in völlig ungeeigneter Umgebung – dubiosen Verschlägen oder dunklen Kellerräumen – gehalten worden und haben weder Sozialverhalten gelernt noch sich an ihre Umwelt gewöhnt.

„Die Tiere sind oft verhaltensgestört und haben psychische Schäden“, beschreibt Dr. Pollmüller den Zustand. An ihre natürliches Sozialverhalten müssen sie behutsam herangeführt werden. Hinzu kommen körperliche Gebrechen aufgrund nicht artgerechter Züchtungen oder Haltung, die sich als nicht therapierbar herausstellen können. Das vermeintliche „Schnäppchen" für ein paar hundert Euro erweist sich als ein Dauerpflegefall, der teure Operationen benötigt. Im Fall des eben beschriebenen Kaufs über eine Ebay-Kleinanzeige kam allerdings jede ärztliche Hilfe zu spät: Das Tier musste erlöst werden.

Hausgenossen sind Gesellschaftstiere

Die engagierte Tierärztin wird nicht müde, dafür zu werben, sich vor der Anschaffung eines Hundes oder anderen Haustiers wie Katze, Kaninchen, Hamster, Meerschweinchen, Frettchen, Wellensittich oder Papagei gründlich über die Haltungsbedingungen zu informieren. Dazu gehört auch die Information, dass viele dieser tierischen Hausgenossen Gesellschaftstiere sind und den engen Kontakt mit Artgenossen brauchen.

Wer unsicher ist, soll vorher das Beratungsgespräch mit Fachleuten suchen, rät Dr. Pollmüller. Wer wie sie Tiere liebt, den kann ihr Schicksal nicht kalt lassen. Und ganz besonders nicht, wenn Menschen auf unseriöse Geschäftemacher hereinfallen, die sich mit illegalem Tierhandel eine goldene Nase verdienen. „Mir geht es um Aufklärung“, unterstreicht die Tiermedizinerin, genug zu tun habe sie auch so.

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