1. www.wn.de
  2. >
  3. Münsterland
  4. >
  5. Ahlen
  6. >
  7. Ein afrikanisches Märchen nicht nur für Kinder

  8. >

Tansania-Reisen haben Bernhard Galert zu seinem ersten Buch inspiriert

Ein afrikanisches Märchen nicht nur für Kinder

Ahlen / Beckum

Was macht man, wenn der Arbeitgeber einen in Kurzarbeit schickt? Bernhard Galert hat die Zeit genutzt, um ein Kinderbuch zu schreiben, das in seinem Lieblingsland Tansania spielt.

Von Peter Harke

Noch ist es nur eine Druckfahne, die Bernhard Galert auf dem Foto in den Händen hält. Doch inzwischen ist sein Buch „Tayo‘s Reise zum Daktari“ erschienen, und darauf ist der Autor richtig stolz. Foto: Peter Harke

Geschichten erfunden, sagt Bernhard Galert, habe er schon als Junge gerne. Aber über Schulaufsatzhefte hinaus gelangte keine davon zur Veröffentlichung. Bis jetzt. Im „hohen Alter“ von 62 Jahren hält der Beckumer stolz sein erstes eigenes Buch in den Händen, das vor wenigen Tagen im Novum Verlag München erschienen ist. „Tayo‘s Reise zum Daktari“ heißt es. Ein afrikanisches Märchen für Kinder ab acht Jahren. Der Autor hofft, dass es deren Fantasie beim Lesen genauso anregt wie seine, nachdem er erst mal mit dem Schreiben begonnen hatte.

Während der Kurzarbeit „ein Büchlein verfasst“

Beruflich ist Bernhard Galert als Fachberater im Lebensmittel-Großhandel normalerweise viel unterwegs. Doch im Herbst 2020 schickte ihn seine Firma coronabedingt in Kurzarbeit. Was sollte er nun mit seiner Zeit anfangen? „Ich wollte nicht nur vor der Glotze hängen oder auf dem Smartphone rumtippen“, erzählt der verheiratete Vater von zwei Kindern. Also habe er sich an den PC gesetzt und „ein Büchlein verfasst“. Gedacht war es allerdings ursprünglich nur für seinen damals achtjährigen Enkel Johannes. Der hatte immer schon gebannt gelauscht, wenn Opa von seinen Reisen nach Afrika erzählte, von seinen Begegnungen mit wilden Tieren und fremden Völkern wie den Massai.

Was lag also näher, als die Geschichte in Ostafrika spielen zu lassen, genauer gesagt in Tansania, das Bernhard Galert seit 2012 bereits insgesamt sechsmal mit dem Freundeskreis Bagamoyo besucht hat. Dabei eignete er sich im Laufe der Jahre auch einige Vokabeln und Redewendungen in der Landessprache Kisuaheli an: Daktari für Doktor oder Simba für Löwe zum Beispiel. „Habari?“ heißt „Wie geht es dir?“, und meistens antworten die Tansanier darauf mit „nzuri“ – „gut“.

Bernhard Galert

Auch die Tiere in Galerts Kinderbuch können „sprechen“, aber nur untereinander, die Menschen verstehen sie nicht, was sich im Verlauf der Handlung denn auch zunächst als Problem erweist. Denn dem zehn Monate alten Löwen Tayo, der mit seiner Familie im Ngorongoro-Krater lebt, geht es gar nicht „nzuri“, er ist krank, weil er etwas Falsches gefressen hat. Löwenmutter Wakike sieht nur ei­nen Ausweg, sie verlässt mit Tayo das sichere Tierschutzreservat und macht sich auf den Weg durch das Menschengebiet, um einen Daktari zu finden, der dem Kleinen helfen kann. Werden sie es rechtzeitig schaffen, allen Gefahren zum Trotz? „Natürlich gibt es ein Happy-End“, verrät Bernhard Galert augenzwinkernd. Sonst wäre es ja kein Märchen. Seinem Enkel Johannes, dem aber nicht er selbst, sondern Ehefrau und Oma Ute Auszüge daraus vorgelesen hat, habe es jedenfalls gefallen.

Von den „positiven Rückmeldungen“ aus der Familie ermutigt, schickte der Autor im Mai dieses Jahres das Manuskript an den Novum Verlag, dessen Name Programm ist, da er vorzugsweise neue, noch unbekannte Talente entdecken und fördern will. Und tatsächlich, zu seiner großen Überraschung und Freude, bekam auch Bernhard Galert als Newcomer seine Chance und nicht nur die Zusage, „Tayo‘s Reise zum Daktari“ herauszugeben, sondern auch prompt eine Einladung zur Frankfurter Buchmesse Ende Oktober. Da sei er doch ein wenig aufgeregt gewesen, gesteht der spätberufene Schriftsteller.

Bernhard Galert

Von der Vorab-Präsentation bis zum Druck vergingen dann jedoch noch ein paar Wochen. „Lektorat, Layout, Umschlaggestaltung – das brauchte alles seine Zeit“, berichtet Galert. Aber auch dabei konnte er auf familiäre Unterstützung zählen. Tochter Natalie Winkelmann, die Mutter von Johannes, bebilderte die Geschichte mit liebevollen bunten Zeichnungen. Von ihr stammt auch das Cover, das den kranken, schlafenden Tayo auf dem Rücken seiner Mama am Beginn ihrer abenteuerlichen Wanderung durch die Savanne zeigt. Zur Illustration dienen außerdem einige Fotos, die Bernhard Galert sowie seine Reisegefährten Werner Blauth und Norbert Overhage an den Original-Schauplätzen gemacht haben.

Hoher Wiedererkennungswert für Tansania-Freunde

Für die Mitglieder des Freundeskreises Bagamoyo und andere Tansania-Fans dürfte das Buch somit einen hohen Wiedererkennungswert haben. Besonders aber, schreibt der Verlag in der Ankündigung des Erstlingswerks, sei dieser „Roman aus dem wilden Afrika“ für alle Kinder geeignet, „die Abenteuer lieben“. Und obendrein „eine Erzählung über Mut, Hilfsbereitschaft, aber auch über Durchhaltevermögen und Zusammenhalt“. Kurzum „ein Buch, das die ganze Familie begeistern wird“. Klingt nach einem guten Geschenktipp zu Weihnachten. Für Bernhard Galerts Enkel hat das Christkind es dem Vernehmen nach schon eingepackt.

Mehr über den Autor, zu dessen Hobbys auch das Malen mit Öl- und Aquarellfarben und das Filmen gehören, auf seiner Homepage.

Bernhard Galert: „Tayo‘s Reise zum Daktari“, Novum Verlag, 50 Seiten, ISBN 978-3-99107-926-2, 17,40 Eu­ro (erhältlich auch als E-Book)

Startseite
ANZEIGE