„Ahlen zeigt Flagge“

Ein Fest der Solidarität

Ahlen

Am Samstagabend ging‘s schon los mit dem Fest der Kulturen auf der Zeche. Aber am Sonntag wurde es offiziell eröffnet – mit vielen lobenden Worten.

Reinhard Baldauf

Bunt und fröhlich ging es beim Bühnenprogramm zu – zum Beispiel mit philippinischen Tänzen. Foto: Reinhard Baldauf

Für „Ahlen zeigt Flagge“ gab es bei der offiziellen Eröffnungsfeier am Sonntagmittag nur Lob und Anerkennung. Trotzdem flossen auch kritische Worte in Richtung heimischer und internationaler Politik. Besonders der SPD-Bundestagsabgeordnete Bernhard Daldrup kritisierte die Vorgänge um Kapitänin Carola Rackete auf der italienischen Insel Lampedusa. „Wenn man Menschenleben retten will, ist das keine Verbrechen“, so Daldrup unter Applaus von allen Seiten.

Zunächst hatte Innosozial-Geschäftsführer Dietmar Zöller alle Gäste begrüßt, sich bei Mitarbeitern sowie den Organisationen bedankt, die über 40 Stände an der Lohnhalle bespielten. Er betonte, dass bei der elften Auflage von „Ahlen zeigt Flagge“ neue Akteure, wie beispielsweise „Kids for Future“ dazugekommen seien. Man wolle Botschaften für Integration und Inklusion sowie Toleranz aussenden.

Henning Rehbaum

Als „einzige richtige multikulturelle Veranstaltung in Ahlen“ bezeichnete Bürgermeister Dr. Alexander Berger „Ahlen zeigt Flagge“. Hier gebe es 111 Nationen und die müsse man erst einmal unter einen Hut bringen. „Ein Fest der Kulturen ist auch immer ein Fest der Solidarität“, erklärte Bernhard Daldrup, der auch auf den „Donnerstag der Demokratie“ verwies. Erschrocken sei er über den politischen Mord von Rechts am Kassler Regierungspräsidenten. Der sei „durch Worte vorbereitet“ worden. Daldrup: „Deshalb sind solche Feste wie hier wichtig.“

Friedel Paßmann, Vorsitzender des Beirats für Menschen mit Behinderung, verdeutlichte, dass man sich weiter für Barrierefreiheit in Ahlen einsetzen werde. Ein Dorn im Auge war für ihn die Veränderung im Baurecht durch die Landesregierung. Aufzüge müsse es in NRW erst ab dem sechsten Stock geben. „In der Pflege ist es oft nicht viel besser“, kritisierte der Beiratsvorsitzende weiter. Die Zustände seien oft diskriminierend. Sein Vorschlag: eine Pflegekonferenz für Ahlen.

Der Vorsitzende des Integrationsrats, Ilkay Danismaz, sah besonders das friedvolle Zusammenleben der Kinder.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Henning Rehbaum erklärte, dass jahrelang darüber diskutiert worden sei, ob Deutschland ein Einwanderungsland sei: „Ja, Deutschland ist ein Einwanderungsland – und wir vertragen uns.“ Zum Schluss überbrachte noch der stellvertretende Landrat Winfried Kaup die Grüße des Kreises Warendorf.

Bereits am frühen Mittag hatte das umfangreiche Bühnenprogramm begonnen. Musik, Tanz und Gesang standen ebenfalls ganz im Zeichen von Integration und Inklusion. Neben Akteuren aus Ahlen waren auch Gruppen aus Dortmund, Recklinghausen, Hamm, Beckum und Münster gekommen. Das Kinderparadies auf der Wiese vor der Lohnhalle fand bei der Hitze wenig Zuspruch, dafür aber mehr die Erfrischungsstände und die unterschiedlichen Speisen. „Ich habe Verständnis dafür, dass viele Leute heute lieber ins Freibad gehen“, kommentierte Serhat Ulusoy den heißesten Junitag.

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