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Erinnerungsstation zur Strontianit-Geschichte

Ein Jahrzehnt der „Goldgräberstimmung“

Vorhelm

Den vor 125 Jahren beendeten Strontianitabbau in Vorhelm nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, ist Aufgabe der neuen Erinnerungsstation an der Strontianitstraße. Auf Einladung des Heimatvereins, der den Bau initiiert hatte, fanden sich über 200 Besucher zur Einweihung ein.

Ralf Steinhorst

Feierlicher Akt am ehemaligen Schacht „Alwine“: Ludger Bach, Karl-Heinz Meiwes, Willi Wienker, Peter Przyluczky, Willi Bücker, Winfried Schlenker, Peter Woitschik und Josef Remmert (v.l.) weihten die Erinnerungsstation gemeinsam ein. Foto: Ralf Steinhorst

W as ist eigentlich Strontianit und warum wurde es abgebaut? Antworten gibt die neue Erinnerungsstation am ehemaligen Schacht „Alwine“. Ihre Einweihung am Sonntagmorgen hatte Volksfestcharakter: Über 200 Besucher nahmen bei schönem frühherbstlichen Wetter an der Zeremonie an Wegegabelung Strontianitstraße / Zur Alwine teil. „Mit so vielen Besuchern haben wir gar nicht gerechnet“, gab der Heimatvereinsvorsitzende Willi Wienker zu.

Im Vorfeld wurde die Nachbildung eines unterirdischen Strontianitstollens mit Requisiten ausgestattet. So waren eine alte Lore und zahlreiches Werkzeug wie Hacke und Schippen zu sehen, die 1994 aus dem Ennigerloher Nünning­stollen geborgen wurden. Dafür, dass sie dort 100 Jahre im Wasser standen, waren sie noch recht gut erhalten. Heute sind sie im Beckumer Stadtmuseum eingelagert. Auch der vom Hotel Witte gespendete Schaukasten gibt nun interessante Informationen.

Von 1880 bis 1891 herrschte eine Art „Goldgräberstimmung“ in Vorhelm. Da gab es hier neun Gruben für den Strontianitabbau. Der Schacht „Alwine“ wurde als letzter vor 125 Jahren geschlossen, weshalb der Standort der Erinnerungsstation „Zur Alwine“ nicht grundlos vom Initiator Heimatverein gewählt wurde. Der Dank des Vorsitzenden Willi Wienker galt ebenso der Familie Averberg, die als Eigentümer ihre Erlaubnis dafür gab.

Die Erinnerung an den Strontianitabbau in Vorhelm zu bewahren, ist das Ziel der Erinnerungsstätte. „Einige gute Ideen, sehr viele fleißige Helfer und freundliche Spenden haben dieses ermöglicht“, dankte Willi Wienker allen Beteiligten. Er erinnerte daran, dass auch der Heimatdichter Augustin Wibbelt in seinem Buch „De Strunz“ vom Strontianitabbau berichtete.

Der stellvertretende Bürgermeister und Vorsitzende der „Glückauf-Stiftung“, Karl-Heinz Meiwes, beglückwünschte zur neuen Station: „Sie spiegelt das Dorfleben in Vorhelm wider.“ Gemeint war die Initiative der Menschen im Wibbeltdorf und deren „anpackende Art“. Er betonte, dass auch viele ehemalige Bergleute aus Ahlen anwesend seien, die damit ausdrückten, dass der Bergbau einen starken Erinnerungswert habe. So waren neben dem Bautrupp des Heimatvereins auch ehemalige Kumpel der Zeche „Westfalen“ am Bau der Erinnerungsstation beteiligt.

Josef Remmert, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Vorhelmer Vereine und Verbände (IG VVV), stellte heraus, dass der Begriff „Strunzen“ von Strontianit komme und „Angeberei“ bedeutet. Mit dieser Station könne Vorhelm durchaus angeben. Augenzwinkernd fügte er hinzu: „Falls wir mal einen Fluchtweg nach Ahlen brauchen, wenn es uns mal schlecht geht, gehen wir durch dieses Portal.“

Der Ortsausschussvorsitzende Hubertus Beier fand den Standort an der Strontianitstraße „außerordentlich passend gewählt“. Ludger Bach, der im Heimatverein den Anstoß für das Projekt gab, unterstrich noch einmal die geschichtliche Bedeutung für das Wibbeltdorf.

Die Anwohner der Strontianitstraße übergaben als erste Stiftung eine Sitzbank für Kinder an den Heimatverein, die auch sofort platziert wurde. Das Ruhrkohle-Orchester unter der Leitung von Ulrich Hillebrandt umrahmte die Veranstaltung. Und an mehreren Ständen lockten Leckereien. Die Bäckerei Düchting hatte „Süße Strontianitsteine“ zum Verkosten mitgebracht, echte gab es dann bei Georg Olbrich am Stand zu sehen und zu kaufen.

Willi Wienker
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