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Kiosk im gefalteten Rathaus

Ein Kaffee als Zugabe

Ahlen

Das Rathaus ist fertig. Also, das Falt-Rathaus. Darin richtete sich am Samstag ein kleines Café ein. Eine Aktion, die bei erwachsenen und jugendlichen Kunstfans gut ankam.

Von Dierk Hartleb

In der Regenpause: Plausch zwischen Dagmar Schmidt, Frank Bölter und Taner Öcal.  Foto: Dierk Hartleb

Waffeln und ein Becher mit heißem Kaffee waren am Freitagvormittag die gefragtesten Genussmittel auf dem Rathausvorplatz. Dort stand eine Art Kiosk aus mausgrauer Folie. Aus dem in die Folie geschnittenen Loch wurden wahlweise Kaffee, Waffeln oder Süßigkeiten an Passanten gereicht.

Auch Bürgermeister Dr. Alexander Berger ließ es sich nicht nehmen, auf einen Plausch mit den Schülerinnen und Schüler der Kunstklassen 8.1 und 9.1 der Fritz-Winter-Gesamtschule vorbeizuschauen. Die hatten nämlich seit Mittwoch vorwiegend im Skulpturengarten des Kunstmuseums unter Anleitung von Frank Bölter gefaltet, geschnitten und gesägt. Die Aufgabe, die der Kölner Aktionskünstler den Kunstklässlern gestellt hatte, war, das Rathaus aus Milchtütenfolie nachzubauen. Den Parade-Bau wohlgemerkt, nicht das neue noch in Planung befindliche.

Projekt der Basisdemokratie

„Wir hatten erst gar keinen Plan“, erzählt Leni, die zusammen mit Neele und Pauline den Service managt. Aber dann habe es Bölter Zug und Zug geschafft, die Mädchen und Jungen für das Projekt der Basisdemokratie zu begeistern. „Ich komme mit einer Idee in eine Stadt“, beschreibt der Kölner seinen Ansatz. Was nur zum Teil stimmt, denn mitgebracht hat er auch ein Modell des Rathauses, mit dem er sich vorher auseinandergesetzt hat.

„Ich staune immer, wie ergebnisoffen Frank Bölter an ein Projekt herangeht“, stellt Christian Padberg fest, der das muntere Treiben an dem neuen Kiosk mit Empathie beobachtet. Der Bonner Grafikdesigner kennt Bölter aus der Zusammenarbeit mit einem Werkkatalog.

Sie managten den Service im Büdchen: die Schülerinnen Leni, Pauline und Neele. Foto: Dierk Hartleb

Die Frage, was zu einem Rathaus gehört, war mit den Schülerinnen und Schülern der Kunstklassen schnell geklärt. „Kaffee und Waffeln sind vielleicht noch wichtiger als das andere“, folgert der Domstädter aus den Antworten. Warum nicht einen Kaffee als Zugabe zum neuen Personalausweis? Wobei – mit der Brat- oder Veggiewurst als Belohnung für den Piks bei der Impfung hat es zumindest im Kreis Warendorf auch nicht geklappt.

Dass am Ende des kreativen Arbeitsprozesses vom Falten und Aufzeichnen der Kiosk ein wenig windschief aussieht, findet Bölter nicht so wichtig. „Er wirkt weiblicher, nicht so männlich präzise“, beschreibt er seinen Eindruck des Objekts, das eine begehbare Skulptur geworden ist. „Es ist auch nicht mein Objekt und ich bin nur noch ein Akteur unter mehreren“, beschreibt Frank Bölter die Situation. „Es geht bei solchen Aktionen auch ums Loslassen“, ergänzt er sich.

Kaffee gab‘s durch die Luke. Foto: Dierk Hartleb

Die Kreativen sind jedenfalls voll in ihrem Element, freuen sich über das Angebot des Bürgermeisters, den Kiosk noch ein paar Tage auf dem Vorplatz stehen lassen zu können, ärgern sich über den Regen, der die Passanten nur vorbeihuschen lässt und bekommen viel Lob von den Unterstützern wie Silke-Anna Linnemann vom Förderkreis des Kunstmuseums, Taner Öcal von der Sparkasse, von Meinolf Wiesehöfer, Vorsitzender des Stiftungsrats der Theodor-F.-Leifeld-Stiftung und Dr. Marina Padberg, Leiterin des Kunstmuseums.

Hannes Woidich, der das Projekt für die Schule betreut, ist voll des Lobes über die Fritz-Winter-Gesamtschule, die solche Projekte durchführt.

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