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Lesung mit Ewald Lienen in der Lohnhalle

Eitelkeit und Konkurrenzdenken

Ahlen

Das war mal ein unterhaltsamer Einblick in die Welt des Profifußballs. Aber das Publikum bei der Lesung von Ewald Lienen hatte auch nichts anderes erwartet.

Von Ralf Steinhorst

Einmal am Erzählen, war Ewald Lienen kaum mehr zu stoppen. So bekamen die Besucherinnen und Besucher der Lesung interessante Einblicke in das Profileben des Fußballs. Foto: Ralf Steinhorst

Ich war schon immer ein Rebell“, heißt die Autobiografie von Ewald Lienen. Der als sehr gradlinig bekannte ehemalige Bundesligaspieler, -trainer und -manager gab in seiner VHS-Lesung am Dienstagabend in der Lohnhalle Einblicke in sein Leben und damit auch in das Innenleben des Profigeschehens der Fußball-Bundesliga.

Moderator Philipp Kreutzer führte Ewald Lienen als Mann ein, der mit seiner Haltung einzigartig sei, der die Bundesliga geprägt habe. Das bewies der dann auch gleich zu Beginn, indem er verdeutlichte, was er vom ganzen Rummel um den Fußball hält. Viele würden behaupten, sie hätten Ahnung vom Fußball, hätten sie aber gar nicht – insbesondere Sportjournalisten.

Talent früh entdeckt

Schon als Ewald Lienen vier Jahre alt war, entdeckte einer seiner Vettern in Schloss Holte das Fußballtalent, das ihn später gerade als Trainer durch ganz Europa führen sollte. Ob er in seiner aktiven Laufbahn als Gast mal in Ahlen gespielt habe? Wisse er nicht, gab er zu, aber er wisse, dass Marco Reus und Kevin Großkreutz hier mal Spieler waren. Seine Kindheit sei familiär nicht einfach gewesen, sein Heimatverein VfB Schloß Holte deshalb wie eine zweite Familie. Nur Fußball zu spielen, war Ewald Lienen allerdings zu wenig: „Der Impuls zum Lernen war einfach immer da.“ Wie auch das Engagement für soziale Dinge.

Moderator und Sportjournalist Philipp Kreutzer (l.) lieferte ein humoriges Doppel mit Ewald Lienen. Foto: Ralf Steinhorst

Der erste Profivertrag bei Arminia Bielefeld war zugleich eine große Zäsur im Leben. Galt im Heimatverein das Füreinander als Grundlage, wurde er plötzlich mit Eitelkeiten der Mitspieler konfrontiert, die nicht mehr nur Mitspieler, sondern mit aller Härte Mitkonkurrenten um die Plätze auf dem Rasen waren. Der Wechsel ins Starensemble von Borussia Mönchengladbach zeigte interessante Hintergründe auf, lange pflegten der dominierende Kapitän Berti Vogts und Ewald Lienen eine große Rivalität. Am Ende verstanden sich beide doch.

Die Signatur war begehrt. Foto: Ralf Steinhorst

War die Trainerkarriere so geplant? Eigentlich wollte Ewald Lienen nach der Spielerkarriere mit dem Fußball abschließen, aber es kam anders. Er hatte bei einem Bauherrenmodell viel Geld verloren. Um das wieder reinzuholen, waren die hohen Gehälter im Profifußball dann willkommen. Dass ihm Autogrammstunden zuwider sind, dementierte er nicht: „Es geht nach dem Bekanntheitsgrad und nicht danach was du wirklich tust – andere Menschen machen auch einen tollen Job!“ Trotzdem durften sich die Besucherinnen und Besucher auf seine Unterschrift in seinem Buch freuen: „Das ist ja was anderes, ich signiere etwas, was ich selbst geschrieben habe.“ War der Abend für eineinhalb Stunden geplant, wurden es am Ende über drei. Drei erkenntnisreiche in das Innenleben des Profifußballs.

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