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Gunter Demnig verlegt 30 Stolpersteine

Erinnerung lebendig halten

Ahlen

Gunter Demnig, seines Zeichens Künstler aus Köln, hat die Erinnerungskultur durch Stolpersteine ins Leben gerufen. Zur zwölften Stolpersteinverlegung kam er persönlich nach Ahlen.

Von Dierk Hartleb

Vize-Bürgermeister Serhat Ulusoy (r.) begrüßte die Gruppe der Fritz-Winter-Gesamtschule, bestehend (v.r.) aus Leandro, Lehrer Oliver Kotmann, Lina, Paula-Marie sowie der stellvertretenden Schulleiterin Claudia Buchartwoski. Foto: Dierk Hartleb

Gunter Demnig, Dirk Schumacher und Manfred Kehr hatten sich am Freitag vorgenommen, 30 Stolpersteine zu verlegen. Ein Mammutprogramm, das am Freitagvormittag an der Weststraße 73 vor dem markanten Eckhaus mit der Verlegung des ersten Gedenksteins für Regina Spiegel begann.

In einer Einführung erinnerte Manfred Kehr, der das Stolperstein-Projekt von Anfang an begleitet, an das Schicksal dieser aus Kamen zugezogenen Jüdin, der zwar 1939 noch die Flucht aus Deutschland gelang, die aber 1941 in einem Flüchtlingslager in Marokko starb. Auch an diese Menschen zu erinnern, sei Aufgabe der Stolpersteine, sagte Kehr.

Flucht aus Angst vor Verfolgung

Weitere in der Innenstadt verlegte Stolpersteine waren Ahlenern jüdischen Glaubens gewidmet, denen wie Adolf und Erna Rosenberg oder Philipp, Selma, Hans Jakob und Regina Gumpert zwar die Flucht in die Vereinigten Staaten oder nach Palästina gelang, die aber das Land nicht aus freien Stücken, sondern aus Angst vor Hass und Verfolgung verließen.

Gunter Demnig, Erfinder der Stolpersteine Foto: Dierk Hartleb

Als stellvertretender Bürgermeister zeigte sich Serhat Ulusoy tief bewegt von der Gedenkfeier zum 77. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz im Bundestag, bei der die Shoa-Überlebende Inge Auerbacher in einer emotionalen Rede dazu aufgerufen hatte, den Judenhass endlich zu überwinden. „Wir dürfen diese Verbrechen nicht in Vergessenheit geraten lassen“, forderte Serhat Ulusoy. Er lobte die Erinnerungskultur, die in Ahlen einen hohen Stellenwert habe, wie die Anwesenheit einer kleinen Schülergruppe der Fritz-Winter-Gesamtschule dokumentiere. Die Jugendlichen trugen Paula-Marie, Lina und Leandro trugen Informationen bei über Lebensstationen von Philipp Gumpert, dessen Stolperstein die Schule übernommen hat.

Gunter Demnig und Dirk Schumacher beim Verlegen der Steine. Foto: Dierk Hartleb

Serhat Ulusoy begrüßte auch die kleine Abordnung des Aufklärungsbataillons 7 in der Westfalenkaserne unter Führung von Kommandeur Christoph Linnenbaum. Das Bataillon fühle sich dem Standort Ahlen eng verbunden und habe daher auch gern die Patenschaft für einen Stolperstein übernommen. Christoph Linnenbaum betonte, dass das Thema Nationalsozialismus in der politischen Bildung der Bundeswehr eine wichtige Rolle spiele. Auch der Vorsitzende des Freundeskreises Ahlener Soldaten, Thomas Kras, reihte sich in den Kreis der Teilnehmer ein ebenso wie Lothar Weichel für das Forum Brüderlichkeit.

Mitglieder der Kommunistischen Partei

Es waren jedoch nicht nur Menschen jüdischen Glaubens, die bei der zwölften Stolpersteinverlegung geehrt wurden, sondern auch der in Ahlen ehemals mitgliederstarken Gruppe der Kommunistischen Partei wurde gedacht. Die seien zwar meistens nicht umgebracht worden, aber hätten zu den ersten gehört, die von den Nazis verhaftet worden seien und als Moorsoldaten arbeiten mussten. Später habe man sie wegen der in der Industrie fehlenden Arbeitskräfte während des Krieges freigelassen und in Fabriken eingesetzt. Unter den Geehrten befinden sich Kurt Schlegel, Geschäftsführer der Schuhfabrik Huerkamp, der beliebte Radsportler Fritz Starke und der spätere Vorsitzende der KPD, Max Reimann.

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