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Überwältigende Resonanz auf Spendenaufrufe

Erste Hilfslieferungen am Ziel

Ahlen

Solidarität mit der Ukraine, das ist für viele Menschen in Ahlen nicht nur ein Lippenbekenntnis. Sie wollen ganz praktisch helfen, immer mehr Initiativen formieren sich, starten Hilfsaktionen.

Von Peter Harke, Ulrich Gösmann und Christian Wolff

Die ersten Transporter, die am Dienstagabend bei Agrarflug Helilift gestartet waren, haben ihr Ziel nahe der ungarisch-ukrainischen Grenze erreicht Foto: Dominic Rajchl

Auch die Kaufleute in „Pro Ahlen“ möchten ihren Beitrag dazu leisten, die Not der ukrainischen Flüchtlinge zu lindern. „Wir haben am Mittwoch gemeinsam überlegt, was wir machen können“, berichtet Sprecherin Sylvia Sommer. Ergebnis des schnellen Rundrufs im Kollegenkreis: Die ursprünglich für den 12. März geplante Aufstellung des Maibaums am Marienplatz wird erst einmal auf unbestimmte Zeit verschoben, nicht nur, wie Sommer sagt, „weil uns im Moment auch nicht der Sinn nach einer solchen Veranstaltung mit Bierstand und Blasmusik steht“. Das dafür vorgesehene Budget solle nun stattdessen lieber verwendet werden, um die Spendensammlung des Au­tohauses Senger zu unterstützen. „Ich bin gestern schon los gewesen“, berichtet die Schreibwarenhändlerin. Babynahrung, Hygieneartikel und Strampler hätten auf ihrer Einkaufsliste gestanden. Andere Einzelhändler wie auch Freunde und Bekannte wollten es ihr gleichtun. Man werde die Sachen nun erst mal sammeln, sortieren und gut verpacken, um sie Anfang kommender Woche zu Senger zu bringen.

Jörg Helwig, Autohaus Senger

In der Ausstellungshalle des Mercedes-Händlers am Vatheuershof stapeln sich derweil schon die ersten Kartons und Säcke. „Die Resonanz ist überwältigend“, berichtet Centerleiter Jörg Helwig, „ich bekomme laufend Mails und Anrufe.“ Und nahezu unablässig würden Spenden gebracht – „das volle Programm“, von der Babynahrung über Windeln und Kuscheltiere bis zu Decken und Schlafsäcken. Das meiste sei auch gleich „vorbildlich beschriftet“, lobt Helwig. Nicht nur Privatleute folgen dem Aufruf, den er und seine Mitstreiter erst am Mittwoch publik gemacht haben. Ein Apotheker habe Hygieneartikel zur Verfügung gestellt, eine Fleischerei eine größere Menge an Konservendosen mit Suppen und Eintöpfen aus eigener Herstellung angekündigt.

Jasmin Schnitzmeier sortiert Spenden im Autohaus Senger. Foto: Peter Harke

Während Jörg Helwig noch mit der Zeitung spricht, meldet sich Frank Schott vom Kreissportbund. Auch er hat von der Aktion gehört und will nun alle Vereine anschreiben und bitten, in ih­ren Beständen nachzuschauen, was sie an Trainingskleidung entbehren können. Wenn das so weitergehe, so Helwig, könne man vielleicht schon nächsten Donnerstag den ersten Lkw losschicken. Das Ziel, wie berichtet, ist ein Auffanglager für ukrainische Flüchtlinge, in der Mehrzahl Frauen und Kinder, östlich von Lublin in Polen. Es ist nur wenige Kilometer von der Grenze zum Nachbarland entfernt, das seit ei­ner Woche Schauplatz eines mörderischen Krieges ist.

St.-Franziskus-Hospital liefert Matratzen

Das Ahlener St.-Franziskus-Hospital beteiligt sich unterdessen an einer Hilfslieferung des Malteser Hilfsdienstes, wie Philipp Düpjohann, Mitarbeiter aus der Krankenhausverwaltung, am Donnerstag erklärt. Nach einem Aufruf stellte das Hospital bereits am Vortag kurzfristig 13 Matratzen und Bettwäsche zur Verfügung. Sie werden am Freitag in ei­nen Lkw verladen, der am Vormittag den MHD-Stützpunkt in Drensteinfurt anfährt. Am Steuer: Pfarrer Hans Bergen. Der Geistliche betreut eine Gemeinde im Osnabrücker Land und steht mit einer Gemeinde in der Ukraine in freundschaftlichem Kontakt. Bergen war vor Jahren als Notfallseelsorger im Kreis Warendorf im Einsatz. Ziel der Hilfslieferung ist ebenfalls das polnisch-ukrainische Grenzgebiet.

Das Ahlener Krankenhaus stellt Matratzen für einen MHD-Hilfstransport an die polnisch-ukrainische Grenze zur Verfügung. Foto: St.-Franziskus-Hospital

Der MHD nimmt am Standort Drensteinfurt Hygieneartikel, haltbare Lebensmittel und Verbandsmaterial an. Das könne auch ein gerade abgelaufener Verbandskasten aus dem eigenen Fahrzeug sein, wie Düpjohann anmerkt. Spender werden gebeten, sich mit dem MHD unter der Nummer 0 25 08 / 99 92 58 in Verbindung zu setzen, da die Annahmestelle durch Ehrenamtliche nicht immer besetzt ist.

Unterdessen haben die ersten Fahrzeuge der Hilfsaktion von Agrarflug Beese die ungarisch-ukrainische Grenze erreicht. „Das war schon ein gutes Stück zu fahren“, sagt Dominic Rajchl, einer der Helfer aus Ahlen. Aber die Tour sei problemlos verlaufen. Am Donnerstagvormittag wurde mit vereinten Kräften der Akteure vor Ort auf dem Gelände einer Spedition abgeladen, die die Lieferung zunächst in ihren Hallen zwischenlagert. Weitere Lastwagen sind noch unterwegs.

Spendenkonto unter dem Stichwort „Soforthilfe Ukraine“ bei der Volksbank eG, IBAN DE77 4126 2501 1739 6451 92

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