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Urteil im Prozess um Messerattacke

Freiheitsstrafe von zehn Monaten für 36-Jährigen

Ahlen

Das Landgericht Münster hat am Freitag das Urteil gefällt: Der 36-jährige Ahlener, der im April 2020 nach einer Messerattacke das Handy des Opfers weggeworfen hatte, erhielt eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten.

Spuren der notärztlichen Versorgung des schwerverletzten Opfers im April 2020 am Kastanienweg. Foto: Christian Wolff

Auch das gerichtliche Nachspiel der blutigen Dolchattacke am Kastanienweg im April 2020 ist nun beendet. Die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Münster verurteilte den 36 Jahre alten Ahlener, der im Verlauf der schweren Auseinandersetzung zwischen zwei verfeindeten Jugendgruppen dem schwerverletzten Opfer das Handy abforderte und sodann wegwarf, zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten.

Die Ansichten der Prozessbeteiligten waren bei der rechtlichen Bewertung des Verhaltens des Angeklagten am vorletzten Prozesstag weit auseinander gegangen. Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft hatte eine Verurteilung wegen Körperverletzung und Nötigung durch das Abfordern und Wegwerfen des Handys beantragt. Der Vertreter der Nebenklage ging hingegen von einem versuchten Totschlag aus und der Verteidiger von unterlassener Hilfeleistung.

Richter verneinen Tötungsabsicht

Die Schwurgerichtskammer sah durch das Verhalten des 36-Jährigen hingegen eine versuchte Körperverletzung durch Unterlassen verwirklicht. Die Richter verneinten einen Tötungsvorsatz beim Beschuldigten. Zum einen gingen sie nicht davon aus, dass dem Ahlener bewusst war, dass der Geschädigte so schwer verletzt war und das Wegwerfen des Handys zu dessen Tod hätte führen können. Zum anderen glaubten sie der Begründung des 36-Jährigen, dass dieser das Handy abgefordert hatte, um zu verhindern, dass der Geschädigte Verstärkung zur Weiterführung der Auseinandersetzung ruft.

Eine Verurteilung wegen vollendeter Körperverletzung durch den Handy-Wegwurf schied aus, da für die Kammer nicht feststellbar war, dass dadurch eine Verschlechterung des Gesundheitszustands des Opfers stattgefunden hat. Daher nahm das Gericht eine Versuchsstrafbarkeit an. Da der 36-Jährige unmittelbar nach der Tat in der Wohnung des Haupttäters erfahren hatte, wie schwer der Geschädigte tatsächlich verletzt worden war und dennoch keine Hilfe- oder Rettungsmaßnahmen einleitete, kam die Schwurgerichtskammer zu dem Schluss, dass die versuchte Körperverletzung durch Unterlassen verwirklicht wurde. Der 36-Jährige hatte am Schluss einen Rechtsmittelverzicht erklärt. Das Urteil ist damit rechtskräftig.

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