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Karl Jehle fährt als „Diskallico“ mit leuchtendem Fahrrad durchs Land

Freude über magische Momente

Ahlen

Was ist denn das? „Discalliko“ Karl Jehle traf auch in der Ahlener Fußgängerzone mit seinem LED-Fahrrad auf ungläubiges Staunen später Passanten und Geschäftsleute. Doch hinter dem Disco-zauber stecken auch ernste Botschaften.

Von Dierk Hartlebund

Karl Jehle sorgte am Dienstagabend in der Fußgängerzone mit seiner Outfit und seinem LED-Fahrrad bei Kindern wie Erwachsenen für lächelnde Gesichter. Foto: Dierk Hartleb

Viele glaubten ihren Augen nicht zu trauen: Ein Lichter-Radfahrer mit lauter Discomusik radelte am frühen Dienstagabend die Fußgängerzone rauf und runter. Geschäftsinhaber und ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die eigentlich gerade die Läden schließen wollten, blieben wie angewurzelt stehen und zückten wie viele Passanten ihre Handys. Ungläubiges Staunen auch bei den Kindern, die dem Pedalritter mit den Hunderten von LED-Lämpchen entgegenliefen.

„Das erlebe ich in allen Städten“, erzählt Karl Jehle. „Nicht nur die Kinder haben einen Riesenspaß.“ Begonnen hat alles im August vergangenen Jahres, als der Herberner erstmals auf Tour durchs Dorf ging. Nach und nach weitete der 59-Jährige seinen Aktionsradius auf die umliegenden Kommunen Drensteinfurt, Ascheberg, Lüdinghausen, Werne und Hamm aus. Es dauerte nicht lange, dass sich auch der WDR und Sat.1 an seine Fersen hefteten. Bis Hiltrup hat er sich schon vorgewagt. Am Dienstagabend also Ahlen, wo er einen längeren Stopp vor Promedia einlegte. Ein Mitarbeiter hatte ihn am vorangegangenen Samstag in Hamm gesichtet und ihn in die Wersestadt gelotst.

Da fährt er... Foto: Dierk Hartleb

Dass Karl Jehle das Fahrradfahren in Corona-Zeiten für sich entdeckt hat, ist kein Zufall. Auf der Suche, seinen chronischen Erschöpfungszustand und Tinnitus in den Griff zu bekommen, entdeckte er das Radfahren. „Das tut mir gut“, gesteht er.

Mit seinem Auftritt als „Diskallico“ verbindet Karl Jehle zugleich eine Botschaft. Abends und nachts wird es für Radfahrer auf der Straße auch mit der vorgeschriebenen Beleuchtung oft lebensgefährlich. Diese Erkenntnis stand Pate bei der Aufrüstung seines Fahrrads. Angefangen hatte er mit einer LED-Projektionsjacke, Beleuchtung am Helm und zusätzlichem Licht am Rad. Danach kamen die ersten LED-Strips, natürlich soundgesteuert, dazu. Und die 80-Watt-Bluetooth-Box, die er fest im Rahmen verbaut hat. Für seine Vorliebe für die Neue Deutsche Welle hat er eine einleuchtende Erklärung: „Das ist die Musik, mit der ich aufgewachsen bin.“

Spontaner Beifall an der Ladentür... Foto: Dierk Hartleb

Bei aller Freude, die seine Auftritte verbreiten, geht es ihm auch immer wieder um das Thema Verkehrssicherheit. In Hamm und anderen Städten trifft sich Jehle mit Gleichgesinnten, die ihre Fahrräder lichttechnisch auch schon aufgerüstet haben. An der Marienschule in Herbern hat er zusammen mit einer Polizeibeamtin bei Grundschülern für mehr Sicherheit bei Dunkelheit geworben.

Auch in Ahlen soll es nicht beim einmaligen Auftritt bleiben. „Ich fahre jeden Abend, sofern es das Wetter zulässt“, klärt Karl Jehle auf. Aufhalten kann ihn eigentlich nur Glatteis und Sturm.

Anregen ließ sich Karl Jehle von den Jugendlichen im süditalienischen Palermo, die ihre Fahrräder zu mobilen Discos umbauen. Und in den USA, vor allem auf Hawaii, wird alles mit bunten LED-Lämpchen verschönert, berichtet der Licht-Pedalist. Mit dem Gründer der dortigen Gruppe Venice Electric Light Parade ist Jehle per Facepool befreundet.

Auch Dr. Ludger Kaulig ist von dem Auftritt beeindruckt. „In diesen Zeiten benötigen wir solche positiven Begegnungen“, stellt der katholische Stadtpfarrer fest.

Und weg ist er... Foto: Dierk Hartleb

Es gibt sogar ein filmisches Vorbild: In dem Streifen „Der elektrische Reiter“ von Sydney Pollack aus dem Jahr 1979 mimt Robert Redford den in die Jahre gekommenen Rodeo-Reiter Sonny, der eine mit zahleichen Glühlampen bedeckte Kluft trägt.

Kontaktaufnahme zu Karl Jehle:

 0157 / 74 61 07 11.

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