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Verein „Teltow ohne Grenzen“ besteht seit zwei Jahrzehnten

„Freunde schießen nicht aufeinander“

Ahlen / Teltow

Seit 30 Jahren besteht die Städtepartnerschaft zwischen Ahlen und Teltow. Und auf rund 20 Jahre blickt bereits der Verein „Teltow ohne Grenzen“.

Von Christian Wolff

Gute Tropfen und gerahmte Kunstwerke: Hans-Jürgen Watteroth, Vorsitzender des Vereins „Teltow ohne Grenzen“, und sein Vorgänger Alain Gamper erhielten unter anderem von Mechthild und Dieter Massin (v.l.) Präsente zum runden Geburtstag.

Zwischen Applaus, lobenden Worten und freudigen Musikstücken ließ Thomas Schmidt einige nachdenkliche Töne anklingen. Mit ernster Miene richtete Teltows Bürgermeister am Freitagabend den Blick in die Ukraine, wo der russische Angriff weiterhin jeden Tag Opfer fordert.

Doch gerade angesichts der bedrückenden Kriegslage sei es an der Tagesordnung, Anlässe wie das 20-jährige Bestehen des Vereins „Teltow ohne Grenzen“ konsequent zu begehen, um die Idee der Freundschaft ohne Schranken und Vorbehalte am Leben zu erhalten. „Es müsste viel mehr Städtepartnerschaften geben“, sagte Schmidt beim Festakt im Stubenrauchsaal. „Denn wer solche Beziehungen, ja Freundschaften untereinander pflegt, hat die besten Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft. Freunde schießen nicht aufeinander.“ Europa müsse an manchen Stellen noch enger zusammenwachsen, ein starker Motor sei dafür nötig. Was den aktuellen Krieg angeht, hielt der Bürgermeister fest: „Es ist mit Sicherheit nicht das russische Volk, das diesen Konflikt will. Es ist ein Mann und vielleicht ein paar Gefolgsleute, die hier den Boden unter den Füßen verlieren. Das sind Kriegsverbrecher.“

Schmidt: „Das sind Kriegsverbrecher“

Der kritische Blick über den Tellerrand konnte den freudigen Anlass letztlich nicht verdrängen. Alain Gamper, langjähriger Vorsitzender des Vereins, hielt eine durchweg positive Rückschau auf die Kontakte zwischen Teltow im Speckgürtel von Berlin und Gonfreville l‘Orcher (Frankreich), Rudong (China), Zagan (Polen) sowie dem westfälischen Ahlen. In einer Bildpräsentation auf der Leinwand hinter ihm wurden zahlreiche Erinnerungen geweckt. Und Gamper wünschte seinem Nachfolger Hans-Jürgen Watteroth – erst in diesem Monat frisch gewählt – alles Gute, denn er selbst werde in Kürze seinen Wohnsitz nach Frankreich verlegen.

„Es ist schwierig zu trennen, welche Geschenke mir persönlich gelten. Eigentlich gehört alles dem Verein“, sagte Gamper. Durch die modernen Medien werde er sicher das eine oder andere auf digitalem Wege zugänglich machen und die Zukunft von „Teltow ohne Grenzen“ aus dem Nachbarland verfolgen.

Auch wenn er nicht den Anspruch habe, sämtliche prägende Akteure der vergangenen zwei Jahrzehnte namentlich zu erwähnen, so war es Alain Gamper doch ein Herzensanliegen, den kürzlich verstorbenen Künstler Hans-Jürgen Brauer zu würdigen. Er habe das Gesicht Teltows mit seinen Bildern in alle Partnerstädte und weit darüber hinaus getragen.

Im Namen des Ahlener Vereins für Städtepartnerschaft sprach Alois Steinkamp ein Grußwort – verbunden mit der Einladung zum Städtepartnertag in der Wersestadt, der im Juni den durch das Pandemiegeschehen teilweise beeinträchtigten Beziehungen neuen Schwung verleihen soll. Dass die Partnerschaft mit Teltow zugleich drei Jahrzehnte besteht, passe gut in den Dreiklang der weiteren Jubiläen, die Ahlen auf diesem Sektor feiern möchte.

Ebenfalls zur Ahlener Abordnung gehörten Mechthild und Dieter Massin, die sowohl den „Kulturkeller“ als auch das „Europäische Seniorennetzwerk Ahlen“ (Esna) vertraten, die mit „Teltow ohne Grenzen“ bereits viele gemeinsame Aktivitäten auf die Beine gestellt haben. „Ich bin froh, dass wir mit Hans-Jürgen Brauer noch eine Ausstellung umsetzen konnten“, sagte Mechthild Massin.

Zarte Bande auch nach Polen geknüpft

Gute Tropfen mit eingraviertem Ahlener Wappen sowie ein Unikat des Vorhelmer Künstlers Martin Hatscher mit ortstypischen Motiven und den Logos der beteiligten Vereine zählten zu den Gastgeschenken, die Alain Gamper und Hans-Jürgen Watteroth von den Vertretern aus Westfalen entgegennehmen durften.

Vorfreude auf einen Besuch in Ahlen pflegen indes auch Menschen aus dem polnischen Zagan. Beim „Einheitstag“ am 3. Oktober 2021 hatten sich am Rande der Feier in Teltow bereits zwischen Bürgermeister Dr. Alexander Berger, seinen Stellvertretern und den Polen erste Interessensbekundungen abgezeichnet, sich ebenfalls gegenseitig näher kennenzulernen. Berger hatte signalisiert, gerne im Jahr 2022 eine Abordnung aus Zagan in Ahlen begrüßen zu wollen. „Die Verbindung nach Polen ist jedenfalls schon innerhalb dieser wenigen Monate gewachsen“, verriet Mechthild Massin. Mit einigen interessierten Damen pflege sie bereits Kontakt über „Facebook“, der nach dem Festakt in einer spontanen, aber symbolträchtigen Zusammenkunft auf der Bühne mündete.

Im Anschluss stand der Besuch der Geburtstagsausstellung im anliegenden Rathaus im Mittelpunkt. Daneben legte der Verein auch einen neuen Bildkalender sowie aktuelle Broschüren über seine Arbeit vor.

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