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Silke Rehberg im Kunstverein Lippstadt

Gefährliche Liebschaften

Lippstadt

Die gebürtige Ahlener Künstlerin Silke Rehberg stellt zurzeit im Kunstverein Lippstadt aus. Ihre imposanten Plastiken konfrontieren die Betrachter dabei mit „transkontinentalen Affären“.

Von Dierk Hartleb

In dieser Darstellung lässt Silke Rehberg den Tiger seine Tatzen auf die die Schultern der Frau legen, die unter dem Gewicht leicht zurück wankt und auf intensive Weise Nähe und Fremdheit zugleich ausdrückt. Foto: Dierk Hartleb

Es sind seltsam gefährliche Liebesaffären, mit denen uns Silke Rehberg in ihrer Ausstellung im Kunstverein Lippstadt „Liebesaffären transkontinental“ konfrontiert. Der Tiger als Kuscheltier. „Ach wie süß“, ist der unvoreingenommene Besucher schnell zu sagen. Und tappt in die Falle.

Denn wir blenden dabei aus, dass Tigerbabys zwar niedlich und kuschelig sein mögen, aber zu gefährlichen Raubkatzen heranwachsen, die man lieber nicht im Arm haben möchte. Das aber lässt die Künstlerin ihre Tierskulpturen aus vier Kontinenten tun. Dabei steht der Tiger für Asien, die Hyäne für Afrika, der Kojote für Amerika und das Pferd für Europa.

Das Pferd symbolisiert Europa. Foto: Dierk Hartleb

Hinter dieser Visualisierung steht nicht das Motiv, Brehms Tierleben in Gestalt von Kunstobjekten neu auferstehen zu lassen. Dazu wirken die Plastiken auf erstaunliche Weise zu unfertig. Dr. Erich Franz, der die Einführungsrede hielt und den Textbeitrag in der Begleitpublikation geschrieben hat, verwendet dafür den italienischen Begriff „Bozetto“ aus der Renaissance, der das Unfertige, das Angedeutete meint. Das gilt auch für die die Körper und Gegenstände Rehbergs, die die Unfertigkeit zum Prinzip erhebt.

Aus der Ambiguität (Doppeldeutigkeit) entsteht nach Ansicht des Kunsthistorikers die „plötzliche und intensive Wirkung“. Denn wir als Betrachter vervollständigen beim Wahrnehmungsprozess das Gesehene, indem wir Vorstellungs- und Gedächtnisbilder zur Klärung heranziehen.

Unwirkliche Begegnung

Franz: „Wir erkennen sofort, was nur in einem langem Satz beschrieben werden kann: einen Tiger, der – in aufrechter Pose auf seinen Hinterpfoten stehend – mit einer großen Kurve seines Körpers seine vorderen Tatzen auf die Schultern einer Frau legt, die – nur mit einer Badehose bekleidet – unter dem Gewicht des Tieres nach hinten wankt und ihr Gesicht zwischen Tigerkopf und Tatze verbirgt.“

Treffender beschreiben lässt sich die Kunst der gebürtigen Ahlenerin, die eine unwirkliche Begegnung von Mensch und Tier thematisiert, nicht. Letztlich bleibt die Kunst rätselhaft.

Liebesaffären transkontinental“ von Silke Rehberg bis 9. Juni im Kunstverein Lippstadt, Künstlergespräch am 1. Juni um 18.30

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