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Urteilsverkündung im Vergewaltigungsprozess

Gericht wertet DNA-Spuren als beweiskräftig

Ahlen / Münster

Sieben Jahre ins Gefängnis muss ein 27-jähriger Mann, dem die Vergewaltigungen von zwei Frauen vorgeworfen wurde. Obwohl der Angeklagte sich bis zuletzt nicht zu den Vorwürfen äußerte, war die 3. Große Strafkammer des Landgerichts Münster von dessen Schuld überzeugt.

Von Eva-Maria Landmesser

Am Landgericht Münster erging am Donnerstag das Urteil gegen einen 27-Jährigen wegen Vergewaltigung in zwei Fällen. Foto: dpa

Zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren wurde ein 27-jähriger Mann verurteilt, der sich vor seiner Inhaftierung wohnungslos in Ahlen aufgehalten hatte und dem Vergewaltigungen von zwei Frauen vorgeworfen wurden (unsere Zeitung berichtete). Obwohl der Angeklagte sich bis zuletzt nicht zu den Vorwürfen äußerte, war die 3. Große Strafkammer des Landgerichts Münster von dessen Täterschaft und Schuld überzeugt.

Diese Überzeugung des Gerichts gründete zum einen auf den Aussagen der Opferzeuginnen und zum anderen auf dem Gutachten eines Sachverständigen, der als Biologe beim Landeskriminalamt in Düsseldorf mit der Auswertung von DNA-Spuren betraut ist. Der Sachverständige bestätigte in seiner Aussage, dass die DNA des Beschuldigten am Tatort und an den Abstrichen, denen die Geschädigten bei ihrer rechtsmedizinischen Untersuchung nach den Taten zugestimmt hatten, festgestellt worden war. Der Vorsitzende Richter wies daraufhin, dass laut der jüngsten Entscheidung des Bundesgerichtshofs zur Verwertung von DNA-Spuren der entsprechende Gutachter angeben muss, welche chromosomalen Systeme untersucht und wie viele Übereinstimmungen zwischen DNA-Material vom Tatort und der DNA-Probe des Täters festgestellt wurden. Der Sachverständige konkretisierte daraufhin, dass 16 autosomale Systeme, also solche, die nicht an der Bestimmung des Geschlechts beteiligt sind, untersucht wurden und es in jedem System Übereinstimmungen mit der DNA-Probe des Beschuldigten gab.

Anschließend erstattete auch der psychiatrische Sachverständige sein Gutachten. Da der nicht deutschsprachige Mann eine Exploration in Anwesenheit eines Dolmetschers abgelehnt hatte, stützte der Psychiater sein Gutachten auf den Inhalt der Akten und der Beweisaufnahme. Er stellte aufgrund der Vorstrafen des Beschuldigten eine Steigerung der Tatschwere von Exhibitionismus über sexuelle Nötigung zu Vergewaltigung fest. Da der 27-Jährige die Rechte anderer Menschen missachte und verletze und dabei kaum „Gewissensbisse“ habe, diagnostizierte der Sachverständige eine antisoziale Persönlichkeitsstörung in Verbindung mit einer Störung der Sexualpräferenz.

In seinem letzten Wort wies der 27-Jährige die Schuld weiterhin von sich: „Ich bin sicherlich nicht unschuldig, aber an diesen Taten trage ich keine Schuld.“

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