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VHS-Spaziergang führt zu Kunst im öffentlichen Raum

Große Bühne für stille Höhepunkte

Ahlen

Wer aufmerksam durch Ahlen schreitet, entdeckt an vielen öffentlichen Orten Kunst. VHS-Referentin Angelika Knöpker begab sich am Samstag auf die Suche nach ihnen und nahm einige Interessierte mit. Sie lernten beim informativen Stadtspaziergang 30 interessante Kunststationen kennen.

Von Martin Feldhaus

Referentin Angelika Knöpker (4.v.r.) führte beim Stadtspaziergang zu 30 Stationen.   Foto: Martin Feldhaus

Teils ragen sie im Stadtbild heraus, teils bleiben sie unbemerkt: Überall in Ahlen finden sich Skulpturen, historische Erinnerungsstücke und moderne Kunstobjekte, die sich gleichsam wie eine Kunstspur durch den öffentlichen Raum ziehen. „Ahlen ist auch Kulturstadt“, so VHS-Referentin Angelika Knöpker. Sie führte am Samstag im Rahmen eines Stadtspaziergangs zu insgesamt 30 Stationen, die Zeugnis von der wechselvollen Geschichte der Stadt Ahlen ablegen. Nur etwas für Auswärtige? Auch alteingesessene Ahlener entdeckten einige Aspekte, die sie bisher noch nicht wahrgenommen hatten.

Zahlreiche Orte verweisen auf das dunkle Kapitel des Nationalsozialismus. Im Schatten der Stadtbücherei erinnert etwa eine Tafel an Sidney Hinds und Dr. Paul Rosenbaum, die bekanntlich für die friedliche Übergabe der Lazarettstadt Ahlen im Jahr 1945 verantwortlich zeichneten. In Höhe des Städtischen Gymnasiums auf der Wersepromenade findet sich zudem auf einer Steinstele ein Flachrelief aus Bronze, das die Ahlener Künstlerin Anita Blum-Paulmichl 1949 zur Erinnerung an die Opfer des Naziregimes schuf. Zu sehen ist eine vom Schmerz gezeichnete Frau, die ihre Hände vors Gesicht schlägt. Die Teilnehmer bemängelten angesichts wuchernder Bepflanzung eine unzureichende Pflege. „Man könnte hier auch eine Tafel anbringen“, schlug zudem Barbara Wachsmann vor. Die gebürtige Ahlenerin, die heute in Haan lebt, hatte den Stadtspaziergang von ihrer Familie zum Geburtstag geschenkt bekommen.

Eines der „stillen Highlights“ im Stadtbild ist eine Skulptur, die an der Weststraße direkt an der Straße auf der Wersebrücke thront. Was ist das noch gleich? Dort wacht der Brückenheilige Johannes von Nepomuk, Priester und Märtyrer. Bemerkt wird er selten. Gerade beim Vorbeifahren mit dem Auto wird er schnell übersehen, obwohl sich ein genauer Blick und die Beschäftigung mit den historischen Hintergründen durchaus lohnen.

Applaus für Rudolf Pollex

Das gilt auch für die „Stele Turnvater Jahn“ gleich auf der gegenüberliegenden Straßenseite, die an die Gefallenen des Ersten Weltkrieges erinnern soll. Sie ist zugleich aber auch eine Reminiszenz an die heute noch leistungsstarken Sportvereine der Stadt Ahlen. Rudolf Pollex, der sich ehrenamtlich um die Pflege kümmert und ebenfalls an dem Stadtspaziergang teilnahm, erhielt für sein Engagement Applaus der übrigen Teilnehmer. „Man sollte noch mehr solcher Patenschaften anregen“, so Knöpker mit Blick auf viele weitere historische Erinnerungsstätten.

Markant und stadtbildprägend ist das Kunstmuseum an der Weststraße, in dessen architektonische Geschichte und die Gründung im Jahr 1993, maßgeblich vorangetrieben von Mäzen Theodor F. Leifeld, Knöpker ebenfalls einführte. Kunst ist jedoch in Ahlen nicht nur in den wechselnden Ausstellungen des Hauses zu sehen, sondern eben auch an fast jeder Ecke bei einem kleinen Spaziergang. Oft ist sie dabei so gut ins Stadtbild integriert, dass Ahlener sie gar nicht mehr bewusst wahrnehmen. Dabei lohnt es sich, einmal auf das Kunstobjekt „Ring“ an der Seitenfassade des Hauses Wandmacherstiege 8 zu achten: Ein unvollständig schwarz gemalter Kreis auf weißem Grund, den das Gehirn beim Betrachten automatisch komplettiert.

Oft gar nicht wahrgenommen: Der „Ring“ an der Seitenfassade des Hauses Wandmacherstiege 8. Foto: Martin Feldhaus

Weitere Stadtrundgänge, bei denen auch Ahlener ihre Stadt mit ganz anderen Augen sehen können, will die VHS im September und Oktober anbieten.

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