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Jürgen B. Hausmann in der Stadthalle

„Hänschen klein“ dem Zeitgeist angepasst

Ahlen

JürgenB. Hausmann weckte bei seinem Kabarett in der Stadthalle so manche Erinnerungen an gute alte Werbe-Zeiten – und einiges mehr.

Von Ralf Steinhorst

Zusammen mit Musiker Harald Claßen bildet Jürgen Beckers seit über 20 Jahren ein Bühnenduo. Foto:

Der Name ist Programm, das zeigte sich am Samstagabend in der Stadthalle. Der Kabarettist Jürgen Beckers trägt nicht umsonst das Pseudonym Jürgen B. Hausmann, bildet der Haushalt mit seinen familiären Verwicklungen doch ein Stammthema seiner Bühnenprogramme. Das war bei „Jung, wat biste jroß jeworden“ nicht anders.

Duo seit 20 Jahren gemeinsam auf der Bühne

Natürlich hatte Jürgen B. Hausmann wieder seinen Hausmusiker Harald Claßen mit dabei, mit dem er seit über 20 Jahren auf der Bühne steht. 20 Jahre auf der Bühne, eigentlich 22 Jahre, war für beide genug Anlass, mit ihrem Publikum auf Zeitreise zu gehen. Wobei sich die Themen Corona und das Kinderlied „Hänschen klein“ in verschiedenen Variationen als rote Linie durch das Programm zogen.

„Wir spielen heute ohne Pause, also sind wir gegen 0.10 Uhr fertig“, hatte der Satiriker schnell die Lachmuskeln seines Publikums angeregt, um dann schnell ins Häusliche der 1950er Jahre zu wechseln, wo die familiäre Kaffeetafel noch eine sehr große Bedeutung hatte: „Als Kuchen durfte man alles essen, das Cholesterin war noch nicht erfunden“. Um dann sofort wieder etwas Pandemie unterzustreuen: „Man freut sich wieder, lachen zu können und Blödsinn zu erzählen.“ Wann die Pandemie vorbei ist? „Wenn Karl Lauterbach nicht mehr im Fernsehen zu sehen ist.“

Auf der Mauer, auf der Lauer: Jürgen Beckers als Erich Honecker. Foto: Ralf Steinhorst

Zurückgekehrt in die 1950er prangerte der Alsdorfer an, dass auf Kindergeburtstagen heute immer Aufregenderes mit Eventcharakter geboten werden müsse. Früher habe schon „Blinde Kuh“ begeistert. Ein guter Zeitpunkt, „Hänschen klein“ ins Spiel zu bringen, was das Duo immer wieder mit Zeitgeist modifizierte: als Chanson, Rock’n‘Roll-Hit oder Schlager. Auch „Yesterday“ von den Beatles war nicht vor ihnen sicher, mit „Ich ess today“ nahmen sie die Essgewohnheiten von Jürgen Beckers Großmutter aufs Korn. Noch was Aktuelles: Abba hat sich wiedervereinigt! Als Agneta und Anni-Frid mit entsprechender Perücke waren auch die „Hitmaschinen“ aus Schweren ein Thema.

„Was haben die damals einen Mist erzählt“, griff Jürgen Beckers alte Fernsehwerbungen von Dr. Best bis Odol auf, wo das Publikum fühlbar Erinnerungen in die Gegenwart zurückholte. Politik ist eigentlich nicht so Jürgen Beckers Sache. Und doch steht die Bundestagswahl vor der Tür und Armin Laschet aus der Städteregion Aachen ist ja quasi Nachbar von Beckers. Den solle man nicht abschreiben, warnte der Kabarettist. Schon damals habe man gesagt, der kommt nie in den Stadtrat: „Inzwischen hat er dem Papst in Rom sogar eine Audienz gewährt!“

Abba ist wieder zurück? Grund genug für Jürgen Beckers mit Perücke als Anni-Frid aufzutreffen. Foto: Ralf Steinhorst

Nach langem rhythmischem Applaus am Ende gab es bei Jürgen B. Hausmann noch eine Überraschung: Mit seiner zwölfjährigen Tochter Marie trat ein weiteres Familienmitglied in der Stadthalle auf. Sie tritt als Tänzerin im Karneval auf und konnte diese Qualitäten auch in Ahlen zeigen. Denn an Wochenenden darf sie neuerdings auch mal mit ihrem Vater mit und damit auf die Bühne.

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