Warendorfer Straße

Häuserensemble vor dem Abriss

Ahlen

Die Bagger haben die Abrissbirne schon einmal kreisen lassen. Bislang nur im Hinterhof der Häuser an der Warendorfer Straße 18, 20 und 22. Aber es ist nur eine Frage von wenigen Tagen, dass sie ihr zerstörerisches Werk fortsetzen.

Dierk Hartleb

Dieses Häuserensemble wird bald Geschichte sein. Bis auf das denkmalwerte Eckhaus soll alles unter die Abrissbirne kommen. Foto: Dierk Hartleb

Das Häuserensemble liegt auf dem täglichen Weg Stefan Buskes in die Stadt. „Es ist wirklich schade um die Häuser“, erklärt der Kunsthistoriker. Zwar soll das Eckhaus stehenbleiben, aber nach Abriss der beiden Nachbarhäuser wird es wie ein Solitär wirken. Dabei haben auch die beiden anderen Häuser durchaus ihren ar­chitektonischen Wert. Das unmittelbar angrenzende zweigeschossige Wohnhaus stammt aus dem Jugendstil und zeigt als Entstehungsdatum das Jahr 1907. „Die Fassade mit dem Sockel aus grünem Sandstein, rotem Backstein, dem Putz sowie der Schieferabdeckung ist äußerst reizvoll“, führt Buske aus. Hinzu kommen ein Erker als weiteres Gestaltungselement und zwei stilisierte Köpfe unterhalb des Erkers und über der Haustür.

Ein Blick von hinten zeigt die ersten Abbruchmaßnahmen. Foto: Dierk Hartleb

Auch das dritte Haus, das das Ensemble in westlicher Richtung abschließt, sei architekturgeschichtlich nicht uninteressant. Es sei älter als die Hausnummer 22 – Buske datiert es auf die Zeit um 1890 – und stehe stilgeschichtlich in der Nachfolge der Schinkelschen Backsteinbauten (Berliner Schule). Besonders erwähnenswert das stilisierte Weinlaub über dem Fenstersims.

Gespräche mit der Unteren Denkmalbehörde der Stadt ergaben, dass der Wert der Häuser für eine Unterschutzstellung nicht ausreiche. „Der städtischen Einschätzung, dass den Gebäuden kein Denkmalwert zukommt, hat der LWL nicht widersprochen“, teilte dazu Stadtsprecher Frank Merschhaus mit. Insofern habe die Stadt nach Eingang der Abbruchanträge keinen Anlass gesehen, die Genehmigung zu versagen. Rechtlich zulässig sei „der Einwand nur dann, wenn die betroffenen Gebäude dem Denkmalschutz unterliegen“, heißt es weiter.

Die Fassaden weisen reizvolle Details auf. Foto: Dierk Hartleb

Darüber sei auch der ehrenamtliche Denkmalbeauftragter Bernd Schulze Beerhorst in Kenntnis gesetzt worden, so Merschhaus, der die Information mit Bedauern aufgenommen habe. Ihm liege viel daran, dass bei einer Neubebauung die Stadt Einfluss auf eine stadtbildgerechte Lösung nehmen werde.

Von Seiten des Eigentümers war nur zu vernehmen: „Hier entsteht eine Wiese.“ Buske: „Damit verschwindet ein weiteres Stück Alt-Ahlens und bedeutender Bürgerkultur.“

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