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St.-Vincenz-Berufskolleg

Heilerziehungspflege verdient besseres Image

Ahlen

Die Auszubildenden am St.-Vincenz-Berufskolleg finden, dass die Heilerziehungspflege von Gesellschaft und Politik häufig übersehen wird. Sie wollen ihren zukünftigen Beruf mehr in den Fokus rücken – mit verschiedenen Aktionen.

Auszubildende des St.-Vincenz-Berufskollegs trainieren für ihren Beruf – und werben für einen Imagewechsel der Heilerziehungspflege. Foto: St.-Vincenz-Berufskolleg

Mit einer Aktion in den sozialen Medien, mit Kommentaren und Leserbriefen machen Schülerinnen und Schüler des St.-Vincenz-Berufskollegs mit Beginn des neuen Jahres aufmerksam auf Missstände in der Heilerziehungspflege. Im Rahmen einer Sondersitzung der Schülervertretung wurde dazu eine Aufklärungskampagne gestartet: Im Fokus steht die „ganzheitliche Teilhabe“ für Menschen mit Behinderung im Alltag.

Die Auszubildenden weisen in ihrer Erklärung darauf hin, dass der Beruf des Heilerziehungspflegers bzw. der Heilerziehungspflegerin und deren Arbeit in Einrichtungen der Behindertenhilfe häufig von der Politik vergessen werde.

Einsatzfeld umfassend und vielseitig

„Das Einsatzfeld der Heilerziehungspflege ist sehr umfassend und vielseitig. Neben den pflegerischen Aspekten geht es vor allem auch um die Assistenzleistungen, die nur durch gut ausgebildetes Personal gewährleistet werden können“, beschreibt Sophie Schröder ihr künftiges Tätigkeitsfeld. Die Sprecherin des Kurses HEP 045, die ihre Ausbildung am St.-Vincenz-Berufskolleg im Februar 2020 begonnen hat, ergänzt: „Menschen mit Behinderung werden in allen Lebensbereichen begleitet, dazu gehören die Tagesstruktur, die Alltagsbewältigung, die emotionale Begleitung in allen Lebenslagen, im Beruf, in der Freizeitgestaltung und vielem mehr.“

In der Sitzung der Schülervertretung stellten die Auszubildenden fest, dass diese fachlich anspruchsvollen Aufgaben nur mit gut ausgebildetem Personal bewältigt werden könnten. Hinzu komme, dass nicht nur in der Krankenhaus- und Altenpflege ein akuter Personalmangel herrsche, sondern auch in Einrichtungen der Behindertenhilfe.

Unbefriedigender Personalschlüssel

Frank Stieger, Verbindungslehrer am St.-Vincenz Berufskolleg, schätzt die Situation ähnlich kritisch ein: „In den Einrichtungen der Behindertenhilfe gibt es teilweise einen unbefriedigenden Personalschlüssel und Fachkräftemangel, und die sogenannten Betreuungsassistenten und -assistentinnen übernehmen häufig, trotz fehlender Ausbildung, die Aufgaben einer Fachkraft.“ Den Auszubildenden der Heilerziehungspflege werde oft ein hohes Maß an Verantwortung übertragen.

Damit die fachgerechte Teilhabe von Menschen mit Behinderung im alltäglichen Leben möglichst adäquat gewährleistet werden kann, so die Erklärung der Auszubildenden, benötige die Heilerziehungspflege neben einer angemessenen und fairen Bezahlung auch einen öffentlichen Imagewechsel, um Ausbildung und Beruf realitätsnah und entsprechend den fachlichen Anforderungen darstellen zu können. Die Motivation in der Heilerziehungspflege zu arbeiten, sei trotz aller Widrigkeiten hoch.

Dass Menschen mit Behinderung eine ganzheitliche Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht wird und Fachkräfte dazu befähigt werden, diese Aufgaben zu begleiten, sei eben auch eine Aufgabe von Politik und Gesellschaft, so die Verantwortlichen.

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