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Doc Caro vor 150 Gästen in der Stadthalle

„Ich habe das Buch für mich geschrieben“

Ahlen

Die Welt der Notfallmedizin hat nichts mit dem Idyll der Krankenhausserien zu tun. Das wurde beim Leseabend mit Dr. Carola Holzner in der Stadthalle mehr als deutlich.

Von Dierk Hartleb

Dr. Carola Holzner las ihre traurigste Geschichte auch in Ahlen nicht. Aber sie berichtete eindrucksvoll aus ihrem Alltag, der nichts mit den Bildern aus Krankenhausserien gemeinsam hat. Foto: Martin Janzik

Auf dem Tourneeplan von Dr. Carola Holzner stehen im November noch Morbach und Melle. Aber nicht mehr mit ihrem aktuellen Bestseller „Eine für Alle – Als Notärztin zwischen Hoffnung und Wirklichkeit“, sondern schon mit ihrem neuen Buch, das im Oktober erscheinen soll.

Deshalb ist es für die 40-jährige Notärztin ein „besonderer Abend“, als sie am Montagabend mit Moderator Frank Schlösser auf der Bühne der Stadthalle steht und von 150 Augenpaaren erwartungsvoll beäugt wird.

Talkshows und Videoblog

Schließlich ist das telegene Gesicht der Medizinerin aus Talkshows und ihrem Videoblog millionenfach bekannt, und sie als Vertreterin des Vereins einer klaren Sprache in manchen Kreisen auch gefürchtet.

Bei Frank Schlösser von der VHS stehen bei der Einleitung des Abends der Wutbrief Holzners an den damaligen NRW-Ministerpräsidenten, in dem sie die Auslieferung des SARS-CoV-2-Impfstoffs und die ausbleibenden Impfungen für klinisches Personal anprangerte, auf dem Spickzettel. Und zu bundesweiter Bekanntheit verhalf der Oberärztin die Wortschöpfung „mütend“, in dem sie müde und wütend zu einem Begriff zusammenzog.

Frank Schlösser stellte die Medizinerin vor. Foto: Martin Janzik

Bei ihrer Lesung gibt sich Doc Caro eher nachdenklich und demütig und lässt sich vor Beginn aus dem Publikum sogar ein Taschentuch reichen, weil sie manchmal die Tränen kaum zurückhalten kann. Wobei sie die traurigste Geschichte zwar aufgeschrieben, sich aber geschworen hat, sie nie vorzulesen. Auch in Ahlen nicht: „Ich habe das Buch erst mal für mich geschrieben“, klärt sie auf und heißt das Publikum mit der Bemerkung „Schön, dass ihr bei meiner Therapiestunde dabei seid“ willkommen. Denn in der Notfallmedizin duzen sich alle.

150 Gäste genossen den Leseabend mit Doc Caro. Foto: Martin Janzik

Und dann geht es in den Alltag der Notärztin und Anästhesistin, der so gar nichts mit den schönen Bildern in den Krankenhausserien mit ewig dankbaren Patienten zu tun hat. Bis auf Frau Berger, die eines Tages von ihrer Tochter eingeliefert wird, weil ihre Mutter über starke Magenschmerzen klagt. Doc Caro kann ihr keine Hoffnung machen, aber statt dass die Patientin Trost sucht, ist es Frau Berger, die ihre Ärztin tröstet und die aussichtslose Lage klaglos annimmt. Den einzigen Wunsch, die Schmerzen zu lindern, kann Doc Caro ihr erfüllen.

Verwahrloste Wohnungen

Für die anderen Geschichten von unangemeldeten Besuchen in verwahrlosten Wohnungen, in denen es elendig stinkt, von Toten, die erst nach geraumer Zeit entdeckt werden und einem Latexmann, der einen nackten Mann „bespielt“, sollte man das Buch zur Hand nehmen und lesen.

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