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Ehrenamtlicher Denkmalpfleger zu Haus Pustekrey

„Ich sehe keine Chance mehr“

Ahlen

In höchster Alarmbereitschaft sind Denkmalexperten nach dem Einsturz der Frontfassade des alten Ritterguts Pustekrey. Jetzt meldet sich auch der ehrenamtliche Denkmalpfleger Bernd Schulze Beerhorst zu Wort.

Christian Wolff

Als niederschmetternd bezeichnet der ehrenamtliche Denkmalpfleger Bernd Schulze Beerhorst die Situation nach dem Einsturz der Fassade des Herrenhauses Pustekrey. Foto: privat / Christian Wolff

Tief betroffen von den massiven Schäden, die durch den Einsturz der Fassade von Haus Pustekrey entstanden sind, ist Bernd Schulze Beerhorst. „Ich konnte es kaum glauben, als ich die Bilder sah“, sagt der ehrenamtliche Denkmalschützer unter dem Eindruck der Berichterstattung unserer Zeitung von Dienstagmorgen. Der Zustand sei niederschmetternd.

Den Hinweis von Nicole Wittkemper-Peilert (Untere Denkmalbehörde), dass das Interieur des einstigen Adelssitzes durchaus noch erhaltungsfähig ist, stellt er nicht infrage, doch er hält mit seiner persönlichen Einschätzung nicht hinterm Berg: „Ich sehe nun überhaupt keine Chance mehr, Haus Pustekrey zu retten.“

Für ihn steht‘s für das Rittergut längst „weit nach zwölf“. Die offenen Räume, die ebenso schadhaften verbliebenden Außenwände und das nahezu freischwebende Dachgebälk – allesamt Faktoren, die einen noch schnelleren Verfall begünstigen. „Da muss doch nur mal starker Wind drunterpacken, dann hilft auch die Abstützung nicht mehr.“

Bernd Schulze Beerhorst

Schulze Beerhorst hat sich in den vergangenen Jahren intensiv mit dem wertvollen Gebäude in der Bauerschaft Rosendahl befasst. Über die Ergebnisse der 2014 erfolgten Kartierung hat er erst vor kurzem einen Vortrag gehalten. Dass der bedenkliche Bauzustand nun in einem Fassadeneinsturz mündet, hätte aber auch er nicht erwartet.

„Das ist ein ähnliches Problem wie wir es mit Haus Holtermann am Markt erleben“, vergleicht der Denkmalschützer die prekären Situationen. „Wenn die Besitzer nicht mitspielen und am Zustand etwas verändern, nützt aller Protest nichts.“ Natürlich sei das alles eine finanzielle Frage, aber im Laufe der Jahre, in denen so ein Denkmal stiefmütterlich behandelt wird, potenzierten sich die Kosten umso mehr.

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Bis um 1500 soll Pustekrey Sitz der gleichnamigen Familie gewesen sein, die jedoch urkundlich nicht eingehend belegt ist. Danach folgten die Herren von Bischoping, die jedoch ein anderes Wappen aufweisen als die Familie Bischoping / Bisping des gleichnamigen Ahlener Burgmannshofes. Die Spolien, unter anderem am Prunkkamin im Inneren des Haues, gelten als erstrangige Werke der Bildhauerkunst des frühen 17. Jahrhunderts im Münsterland.

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