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Sinologin Bojana Pavlovic beim Frauenfrühstück

Ihr Prinzip: „Mensch ist Mensch“

Ahlen

Endlich wieder zusammen analog frühstücken! Am Samstagmorgen war es beim Internationalen Frauenfrühstück in der Familienbildungsstätte (FBS) soweit. Zu Gast war die Sinologin Bojana Pavlovic, die von ihren weltweiten Lebensstationen berichtete.

Von Ralf Steinhorst

Foto: Ralf Steinhorst

„Es gibt uns, wir sind da – das Frauenfrühstück hat überlebt“, freute sich Teammitglied Sabine Knauer, die Frauen endlich wieder zum gemeinsamen Frühstück begrüßen zu können. Ihre Kollegin Laina Remer ließ die letzten Monate deshalb noch einmal kurz Revue passieren. Im Februar 2020 fand das letzte Frühstück statt, im März 2021 wichen die Frauen dann auf die digitale Schiene aus, um sich zu treffen. Ein erstes analoges Treffen ohne Frühstück fand im Juli 2021 im Garten der FBS statt. Die Freude am Samstag war also groß, auch wenn noch einige Coronaverhaltensregeln eingehalten werden mussten.

Bojana Pavlovic

Die Teilnehmerinnen des Frauenfrühstücks hätten ja in der Summe eine große Welterfahrung, stellte Sabine Knauer fest. Diese aber habe Bojana Pavlovic schon allein durch ihre vielen Aufenthaltsorte. Die Sinologin, also Chinawissenschaftlerin, machte schnell deutlich, worauf es in ihrem Vortrag „Mensch ist Mensch“ ankommt: „Viele reden über Globalisierung, aber persönliche Beziehungen sind wichtig.“ Sie wuchs in Sarajewo im heutigen Bosnien-Herzegowina auf, sieht sich aber eher als Jugoslawin, weil die Menschen im ehemaligen Jugoslawien nach ihrem Empfinden multikulturell gut zusammengelebt haben: „Wir teilen als Bosnier, Kroaten oder Serben viel mitein­ander.“

Die Sinologin Bojana Pavlovic ist in Sarajewo aufgewachsen und hat sieben Jahre in China gelebt. Foto: Ralf Steinhorst

Später zog es sie mit Hilfe eines Stipendiums zum Studium nach China, weil sie das Land immer schon gereizt habe. Dort führte sie nicht das übliche Leben von Ausländern, sondern war in einem chinesischen Wohnheim untergebracht und lebte so eng mit Einheimischen zusammen. Das sei nicht immer einfach gewesen, aber die Chinesen hätten viel Geduld mit ihr gehabt. „Sie denken anders und sie essen anders“, beschrieb Bojana Pavlovic ihre Eindrücke. Aber sie habe nach ihrem Prinzip „Mensch ist Mensch“ angefangen, die Menschen dort zu verstehen.

Nach sieben Jahren kehrte sie in ihre Heimat zurück, die nun durch den Krieg geteilt war: „Das war komisch, dass es dort eine Grenze gibt.“ Sie half dort, Studenten mit ausländischen Diplomen wieder einzugliedern. Für die Überwindung religiöser Barrieren im mitmenschlichen Bereich fand sie für Studenten eine naheliegende Lösung. Sie vermittelte Studienplätze in China, um so die Weltoffenheit der Studenten zu fördern: „Das hat gefruchtet.“ Ein Jahr lebte sie dann noch in Indien, bei ihrer Rückkehr in ihre Heimat bekam sie politische Probleme. Um diesen zu entgehen, hat sich Bojana Pavlovic dazu entschieden, nach Deutschland umzuziehen. Inzwischen lebt die 42-Jährige in Münster.

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