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Im Sprachkurs wärmer anziehen

Stadt setzt Energieeinsparverordnung bei ihren Gebäuden um

Ahlen

Die Stadt Ahlen setzt die seit 1. September gültige Energieeinsparverordnung des Bundes in ihren Gebäuden schrittweise um. Diese besagt unter anderem, dass Büros nur noch auf maximal 19 Grad geheizt werden dürfen. Das gilt auch für Kultur- und Bildungseinrichtungen wie VHS oder Stadtbücherei.

Die Lichter gehen im Rathaus noch nicht aus. Die Büros aber dürfen nur noch auf maximal 19 Grad geheizt werden. Foto: Ulrich Gösmann

Ahlen„Wir können auch einmal frieren für die Freiheit.“ Für diese Aussage wurde Alt-Bundespräsident Joachim Gauck im März von vielen heftig kritisiert, von anderen nur belächelt. Inzwischen, ein halbes Jahr später, zweifelt wohl niemand mehr den Ernst der Lage an. Deutschland dreht die Heizung runter. Auch in Ahlen werden in diesem Winter die Teilnehmer von VHS-Kursen oder die Besucher der Stadtbücherei zwar nicht gleich mit den Zähnen klappern, aber sich doch vielleicht etwas wärmer anziehen müssen.

Die Stadt, die sich nach den Worten von Bürgermeister Dr. Alexander Berger beim Thema Energiesparen durchaus in einer Vorbildfunktion sieht, ist nach der seit 1. September bundesweit gültigen Energieeinsparverordnung gehalten, in ihren Gebäuden die Temperatur zu senken – nur noch auf maximal 19 Grad dürfen Büros geheizt werden (auch für Kultur- und Bildungseinrichtungen gilt dies); in Bereichen, in de­nen körperlich gearbeitet wird, wie am Bauhof, müssen auch 16 Grad reichen).

Eine Übersicht, welche konkreten Maßnahmen zur Umsetzung der Verordnung seitens der Verwaltung bereits eingeleitet wurden oder noch geplant sind, legten dem Rat jetzt die Erste Beigeordnete Stephanie Kosbab als Leiterin des Stabes für außergewöhnliche Ereignisse (SAE) und Stadtbaurat Thomas Köpp vor. Kosbab sprach von einer „Kraftanstrengung“. Ei­ne große Aufgabe sei auch die Aufklärung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ne­ben den technischen Aspekten.

Größtes Einsparpotenzial beim Rathaus

Nach den Worten von Thomas Köpp hat der zuständige Fachbereich für alle städtischen Liegenschaften eine sogenannte Potenzialanalyse erstellt, um zu ermitteln, ob, wie und in welchem Umfang Energieverbrauch und -kosten gesenkt werden können. Was geht, machte der Technische Beigeordnete am Beispiel des Rathauses anschaulich, das – nicht überraschend – die größte „Energieschleuder“ ist. Von den im Jahr 2021 verbrauchten 3,6 Millionen Kilowattstunden Wärmeenergie könnten durch eine Temperaturabsenkung bis zu 20 Prozent (718 500 Kilowattstunden) eingespart werden, so Köpp. Einzelne Teilbereiche ganz abzuschalten, wäre nur bedingt möglich.

Bürgermeister Dr. Alexander Berger

Die veraltete, disfunktionale Klimaanlage lasse sich auch nicht so steuern, dass in allen Büros gleichbleibend eine Raumtemperatur von 19 Grad herrsche, ergänzte Dr. Alexander Berger. Der Forderung der Fraktionsvorsitzenden der Grünen, Petra Pähler-Paul, die Nutzung privater Elektrogeräte zu verbieten, erteilte der Verwaltungschef eine Absage: „Ich sehe nicht ein, den Mitarbeitern die Kaffeemaschinen wegzunehmen.“ In seiner Rede zur Haushaltseinbringung wandte sich Berger später doch deutlicher gegen „fragwürdige Symbolbeiträge“ und erklärte: „Wer wirklich sparen will, muss dieses Haus schleunigst ersetzen.“

Drei-Stufen-Plan für Umweltbetriebe

Für die Therese-Münsterteicher-Gesamtschule hat das Zentrale Gebäudemanagement (ZGM) ein Einsparpo­tenzial von bis zu 15 Prozent errechnet, bei einem Wärmeenergieverbrauch von 1,58 Millionen Kilowattstunden. In Unterrichtsräumen soll die Temperatur allerdings nicht unter 21 Grad abgesenkt werden. Auch die Umkleide- und Duschräume in Turnhallen sollen sich nicht in Kältekammern verwandeln. Der Schul- und Vereinssport habe schon „unter Corona extrem gelitten“, stellte Stephanie Kosbab fest.

Stadtbaurat Thomas Köpp zählte weitere Sparmaßnahmen auf wie die geplante Dimmung der Straßenbeleuchtung oder den Verzicht auf das Anstrahlen öffentlicher Gebäude und Denkmäler. Bei den Ahlener Umweltbetrieben (AUB) würden Abfallsammeltouren reduziert, um den Dieselverbrauch zu senken. Ein Drei-Stufen-Plan sieht Köpp zufolge vor, dass erst im Falle einer extremen Brennstoffknappheit die AUB in den Notbetrieb gehen würden. Nur noch „existenzielle“ Aufgaben wie der Betrieb der Kläranlage oder der Winterdienst würden dann erfüllt. Im schlimmsten Fall, von dem niemand hofft, dass er eintritt.

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