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Parcours im Begegnungszentrum St. Marien

In Demenzkranke versetzen

Ahlen

Wie fühlt es sich an, an Demenz zu leiden? Ein spezieller Parcours lieferte Einblicke in die heimtückische Krankheit.

Von Peter Schniederjürgen

Machten Demenz anschaulich (v.l.): Sonja Steinbock, Annette Wernke, Peter Kaufmann, Jutta Mertens und Christa Schröer. Foto: Peter Schniederjürgen

Wie fühlt sich Demenz an, wie erlebt der Betroffene diese Krankheit? Dazu gab am Mittwoch der Demenzparcours im Begegnungszentrum St. Marien Aufschluss. Sonja Steinbock vom Regionalbüro Alter, Pflege und Demenz hatte den Parcours mit etlichen Stationen aufgebaut.

Für Christa Schröer eine gute Gelegenheit, sich in ihre Tante hineinzufühlen. „Sie war zunehmend dement, und ich konnte mir nie vorstellen, wie das ist“, sagt die Ahlenerin. Im Parcours konnte sie sich wirklich in die Welt der heimtückischen Krankheit hineinversetzen. Also machte sich Christa Schröer auf in die simulierte Demenz. Eine Aufgabe: Über einen Spiegel Speisen auf Messer und Gabel zu befördern. Kein Problem – solange diese im direkten Blick ist. Spiegelverkehrt sieht die Sache jedoch ganz anders aus. Die Motorik versagt, die Entfernungen sind kaum abzuschätzen. Christa Schröer kämpft. „Sie verhungern beim Essen“, ist der Kommentar von Sonja Steinbock. Genaugenommen klappt es überhaupt nicht. Und das ist nur eine Station.

Christa Schröer versucht sich unter Anleitung von Sonja Steinbock am Demenzparcours Foto: Peter Schniederjürgen

Nicht viel besser gelingt es bei der Themengruppe Haushalt. „Hier ist wiederum alles über einen Spiegel zu tun“, erklärt Sonja Steinbock. An sich ganz leichte und einfache Handlungen wie Murmeln in Becher zu befördern oder Plastiktüten zu sortieren. „Aber das alles auf Zeit und wieder über dem Spiegel“, erklärt die Demenzfachfrau. Dazu darf auch nur die linke Hand eingesetzt werden. Zunächst geht es noch beim Einsammeln der Murmeln ganz gut. Das Verteilen auf die zusammengeschobenen Becher wird schon schwieriger und das Sortieren der Tüten entfällt, weil die Zeit abgelaufen ist.

Kreative Möglichkeiten

Eine mehr als eindrückliche Erfahrung reicher geht Christa Schröer vor die Tür. Hier hat sich das Elisabeth-Tombrock-Haus an die kreativen Möglichkeiten für Demenzpatienten begeben. „Wir führen unsere Veeh-Harfe vor“, führt Jutta Mertens vom Elisabeth-Tombrock-Haus aus. Peter Kaufmann lässt es auf einen Versuch ankommen. Mit der Anleitung, die leicht verständlich ist, bringt es dieser Nichtmusiker schnell zu recht beachtlichen, das heißt angenehm zu hörenden Ergebnissen. „Das ist der Sinn, den Menschen, die an Demenz leiden, Erfolgserlebnisse zu verschaffen“, betont Jutta Mertens.

Diese Erfahrung des Parcours ist für Angehörige sehr wichtig. „Es vermittelt ein sehr genaues Bild der Welt des Dementen“, führt Annette Wernke vom Regionalbüro aus. Leider war der Andrang am Mittwoch recht überschaubar.

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