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St.-Marien-Kirche

Katholische Pfarrer setzen ein Zeichen

Ahlen

Das Spruchband, das seit Mittwochvormittag über dem Portal der St.-Marien-Kirche hängt, lässt aufblicken: Ihr liebt euch? Wir segnen euch“, ist darauf zu lesen. Deutliche Worte der Seelsorger der St.-Bartholomäus-Pfarrei.

Peter Schniederjürgen

„Ihr liebt euch? Wir segnen euch!“: Mit diesem Spruchband drücken die katholischen Pfarrer in Ahlen ihre Solidarität mit verheirateten und unverheirateten, homo- und heterosexuellen Paaren aus. Foto: Peter Schniederjürgen

Gar nicht einverstanden sind die Seelsorger der Ahlener St.-Bartholomäus-Pfarre mit dem Papstbrief, in dem – so ging es in den vergangenen Tagen durch die Medien – die Segnung homosexueller Paare abgelehnt wird.

„Dabei bezieht sich der Brief nicht nur auf gleichgeschlechtliche Paare, er schließt in Gänze alle Paare aus, die ohne Ehestatus zusammenleben“, präzisiert Pfarrer Willi Stroband. Ein Umstand, den er so nicht stehenlassen will und deswegen zusammen mit Tobias Grabenmeier am Hauptportal der St.-Marien-Kirche am Mittwoch ein Spruchband anbrachte. „Ihr liebt euch? Wir segnen euch“, ist darauf zu lesen.

Eigenes Banner „Menschen Leben Kirche“

„Wir wollen damit niemanden ausschließen“, stellt der Pfarrer klar. Landläufig werde immer nur von der Segensverweigerung für homosexuelle Paare gesprochen. Darum habe sich die Pfarrei sich auch für das eigene Banner mit dem bekannten Logo „Menschen Leben Kirche“ entschieden.

Die Theologen berufen sich in ihrer Aktion auf einen frühen Heiligen. Augustinus lebte im fünften Jahrhundert und fasste es sehr knapp: „Liebe – tu was du willst“.

Pfarrer Willi Stroband

Was offensichtlich großen Spielraum lässt. Denn schon bei der Anbringung des Banners entspann sich um den Begriff der Segnung ein theologischer Disput. „Segnen heißt, das Gute im Anderen stark machen. Das erlaubt uns einen großen Raum für Interpretation“, betont Willi Stroband.

Stadtpfarrer Dr. Ludger Kaulig schränkt das ein. „Wir segnen, was den Menschen guttut“, betont er. Beim Segnen eines Firmengebäudes, so sein Beispiel, stehe nicht das Gebäude, sondern der Schutz der Menschen, die sich darin befinden, im Fokus. Und nicht etwa die Lieferkette dahinter.

Kommentar von Dr. Ludger Kaulig

„Im Mittelpunkt steht hier vielmehr die Frage, wem und was Gottes Segen gilt und wie wir den entsprechend weitergeben dürfen. An dieser Stelle versucht das römische Dokument – sprachlich unscharf – uns einen Zusammenhang zwischen der Segnung von Paaren und dem Ehesakrament einzureden. Dieser Versuch ist theologisch grober Unfug oder auch schlichtweg eine Frechheit“, schreibt Dr. Ludger Kaulig in seinem Kommentar. Der ist in Gänze auf der Homepage zu finden.

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