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Jugendamtselternbeirat

Kitas keine „Pandemietreiber“

Ahlen

Der Jugendamtselternbeirat spricht sich deutlich gegen die von Grünen-Fraktionschefin Petra Pähler-Paul geforderte Schließung der Kindertagesstätten aus. Den Vorschlag, Lolli-Tests in Kitas durchzuführen, befürworte man allerdings.

Martin Feldhaus

Kitas schließen? Das lehnt der Jugendamtselternbeirat ab. Foto: Feldhaus/dpa

Erneute Kitaschließungen mit einer Notbetreuung nur für Eltern von Kindern, die in sogenannten systemrelevanten Berufen arbeiten – das ist eine der Forderungen, die Grünen-Fraktionsvorsitzende Petra Pähler-Paul in einem offenen Brief an Bürgermeister Dr. Alexander Berger richtete. Ein Vorstoß, für den sie von den Jugendamtselternbeiräten (JAEB) keinen Beifall zu erwarten braucht. Im Gegenteil: Der JAEB positioniert sich ganz deutlich gegen erneute Schließungen.

„Dazu wird es unser Einverständnis definitiv nicht geben“, bezieht JAEB-Vorsitzende Belgin Inderwiedenstraße im Gespräch mit unserer Zeitung klar Stellung.

Abfrage bei Elternvertretern

Die Kindertagesstätten seien in Ahlen keineswegs ein Pandemie­treiber und somit nicht ursächlich für die derzeit so hohe Sieben-Tage-Inzidenz und Anzahl an Infizierten. Das habe eine Abfrage des JAEB bei den Elternvertretern aller 27 Kindertagesstätten klar ergeben. Wo gibt es aktuell Corona-Fälle? Die Antwort auf diese Frage falle überraschend aus: in keiner Einrichtung. Lediglich in einer Kindertagesstätte gebe es derzeit einen noch nicht bestätigten Verdachtsfall. Seit Beginn der Pandemie seien erst in elf von 27 Einrichtungen Corona-Fälle aufgetreten.

Zahlen, angesichts derer die Elternvertreter politische Vorstöße zur Schließung der Kindertagesstätten nicht akzeptieren wollen. Den JAEB erreichten immer mehr Berichte dahingehend, dass die Belastungsgrenze bei Eltern und Kindern längst erreicht, teils gar überschritten sei. Auch aktuell sei es für Familien nicht einfach, den ohnehin schon bestehenden eingeschränkten Regelbetrieb mit einem um zehn Wochenstunden reduzierten Betreuungsangebot zu händeln. Und jetzt sogar eine erneute Schließung?

Belgin Inderwiedenstraße

„Das kann man auf Dauer keinem Arbeitgeber mehr erklären“, sagt Belgin Inderwiedenstraße. Nach mittlerweile über einem Jahr mit der ständig wechselnden Betreuungssituation sei das Verständnis bei vielen Arbeitgebern aufgebraucht und Eltern lebten in ständiger Sorge darüber, ihren Arbeitsplatz halten zu können. Nichts anzufangen vermag sie auch mit dem Begriff der Systemrelevanz, der die Betreuung im Notbetrieb regeln soll. Denn nach mittlerweile 13 Monaten Pandemie sei letztlich jeder Beruf systemrelevant. Die Systemrelevanz sei daher ein „verfehlter Begriff“ und abzulehnen.

Gravierend seien bei Schließungen vor allem aber auch die Auswirkungen auf die Kinder, bei denen immer mehr Eltern eine sehr große Verunsicherung feststellen. Heute mit den Freunden spielen, morgen zu Hause bleiben und dann von vorne: Dieses Wechselspiel setze immer mehr Kindern zu.

Angesichts der Zahlen und Umstände will der JAEB Schließungen der Kindertagesstätten nicht einfach hinnehmen. Hierfür bestünde derzeit keine Veranlassung.

Gegen die erneute Schließung von Kindertagesstätten sprechen sich die Jugendamtselternbeiräte um Dagmar Huerkamp (l.) und Belgin Inderwiedenstraße aus. Foto: Martin Feldhaus

Einen anderen Aspekt in dem offenen Brief Petra Pähler-Pauls begrüßen die Elternvertreter hingegen ausdrücklich: In dem Passus zu Kindertagesstätten ist auch von PCR-Lollitests die Rede. „Das ist auch unser Wunsch, und wir haben deren Einsatz bei der Verwaltung bereits angeregt“, so Belgin Inderwiedenstraße.

Bei den Lollitests müssen Kinder für 30 Sekunden an einem Tupfer wie an einem Lolli lutschen. Das sei oft angenehmer als das Testen in der Nase. Mit ihnen habe beispielsweise die Stadt Köln sehr gute Erfahrungen gemacht. Warum soll es das also nicht auch in Ahlen geben? „Die Tests schlagen früher an und sind genauer“, verdeutlicht die JAEB-Vorsitzende. Wenn man morgens in der Einrichtung teste, habe man dann abends das Ergebnis und könne dementsprechend reagieren. PCR-Lollitests seien also als „freiwillige Alternative“ zu den herkömmlichen Tests über die Nase sinnvoll.

Tests auf freiwilliger Basis

Verbleiben soll es allerdings bei der derzeitigen Regelung, wonach die Tests insgesamt freiwillig sind. Auch hier zeigten die Zahlen, dass das Konzept funktioniere. Zumindest, sofern in allen Kindertagesstätten ausreichend Tests vorhanden seien. Der JAEB erführe leider nach wie vor, dass die Versorgung mit Tests nicht überall immer gewährleistet sei. Mit den Grünen ist der JAEB bereits über die kitabezogenen Forderungen in einen Dialog getreten. Man sei weiterhin gesprächsbereit und wolle seinen Standpunkt deutlich machen.

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