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Freigeister erobern Büz-Kultursommer

Klänge passen in keine Schublade

Ahlen

Zweieinhalb Jahre haben Tom und Sabrina vom Duo „Kaŝita Kanto“ in Indien verbracht. Bei ihrem Konzert an der Schuhfabrik war das nicht zu überhören.

-maf-

„Kaŝita Kanto“ boten ungewöhnliche und spannende Klangerlebnisse, zum Teil mit indischen Einflüssen. Foto: Martin Feldhaus

Musikalische Schubladen oder gar Korsette? Darauf hat das Singer-Songwriter-Duo „Kaŝita Kanto“ definitiv keine Lust. Bei Sabrina und Tom darf Musik vielmehr sein, wie sie will, nämlich ein Spiegel ihrer selbst. Was das dann in Töne und Texte übersetzt bedeutet, erfuhr das Publikum beim Büz-Kultursommer am Freitagabend, als die beiden aus Süddeutschland stammenden musikalischen Freigeister mit ihrem ganz eigenen Stil beeindruckten.

„Heute hören wir eine Band, die nahtlos dort anknüpft, wo wir vor Corona aufgehört haben“, kündigte Theo Heming an. Damit spielte er auf die Tatsache an, dass die Veranstaltungsreihe der Schuhfabrik damals noch „Fernweh“ hieß. Und gerade dieses Gefühl verkörpern wohl wenige Musiker so wie Sabrina und Tom. Beide verbrachten die letzten zweieinhalb Jahre in Indien und kehrten erst vor vier Monaten nach Deutschland zurück. Mit im Gepäck dabei: deutschsprachige Lieder, die inspirieren, jedenfalls berühren, mal schmunzeln und teils nachdenken lassen – am besten über sich selbst und somit die ganze Welt.

Nachdenklich-kritische Elemente

„Wir haben auch das eine oder andere Gedicht mitgebracht“, offenbarte das sympathisch-authentische Duo zudem und beleuchtete etwa in einem davon die Liebe in allen ihren Facetten. Die Inspiration für neue Musikstücke zog „Kaŝita Kanto“ auch aus vielen Begegnungen mit interessanten Menschen in Indien: So widmeten sie etwa einer Dame das Lied „Die schöne Frau“, welches den Charakter derjenigen textlich und klanglich nachzeichnet. Nachdenklich-kritische Elemente ziehen sich wie ein roter Faden durch die Songs und nehmen etwa die Werte der modernen Leistungsgesellschaft ins Visier: „Lieber leistungsschwach als übertrieben angepasst“, Worte von Sabrina, die den Zuhörer zum Grübeln anregen.

Einen Höhepunkt in in­strumentalistischer Sicht markiert der Einsatz einer sogenannten Shrutibox, eine Art abgespecktes Akkordeon, das in Indien zur Gesangsbegleitung eingesetzt wird und für ungewohnt-spannende Klangerlebnisse sorgt. Insgesamt ziehen Sabrina und Tom das Publikum mit einer Mischung aus philosophisch-sanftem Indie-Folk, wortgewandter Liedermacherei und frechem Alternative-Pop in ihren Bann. Ein bunter Mix, der überzeugt und mit viel Applaus quittiert wird, obwohl er in keine Schublade passt…

Individuell sind nicht nur die Klänge, sondern auch die Fanartikel von „Kaŝita Kanto“: So ließ das Duo während seines Indien-Aufenthalts ei­gene Designs mit Hilfe kleiner indischer Familienbetriebe produzieren, um diese bewusst zu unterstützen.

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