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EM-Fieber

Kommt die große Euphorie noch?

Ahlen

Nein, so eine richtige Turnier-Begeisterung ist noch nicht zu spüren. Aber so nach und nach steigt auch in Ahlen die EM-Freude. Und manches Auto fährt auch schon beflaggt.

Von Martin Feldhausund

„Zisterne“-Wirtin Gaby Klumpp ist vorbereitet für den Start der deutschen Mannschaft ins EM-Turnier am Dienstag gegen Frankreich. Sie hofft, dass dann mehr Stimmung in der „Bude“ ist als zum Auftakt der Euro am Freitag. Foto: Martin Feldhaus

Normalerweise kann man die Uhr danach stellen: Alle zwei Jahre werden 80 Millionen Deutsche im Sommer von einer gewaltigen Euphorie gepackt. Beim „Rudelgucken“ grassiert das Fußballfieber. Die Hoffnung auf einen großen Triumph elektrisiert die Massen bei jeder Welt- oder Europameisterschaft. Überall wehen dann schwarz-rot-goldene Fahnen an Autos und Häusern. Bilder, die derzeit noch nicht wieder das Ahlener Stadtbild prägen. Dennoch ging die EM am Freitag los, mit dem Eröffnungsspiel Italien gegen die Türkei in Rom, das auch in der Wersestadt auf großes Interesse stieß, jedenfalls bei den Anhängern der beteiligten Mannschaften.

Schöne Abwechslung

Im türkischen Restaurant „Steinofen“ läuft das Spiel auf einem Fernseher, der im Innenraum aufgestellt ist. Während Inhaber Bayram Senlik ein Gericht nach dem anderen raus auf den Marktplatz trägt, wo seine vor kurzem aufgestellten Tische voll besetzt sind, steigt bei ihm die Vorfreude auf den Turnierstart. „Das ist gerade jetzt eine schöne Abwechslung“, betont er. Zudem seien gute Mannschaften dabei, urteilt Senlik, der selbst viele Jahre passioniert gekickt hat und es wissen muss. Wohl auch deshalb ist er später mit der Leistung der türkischen Mannschaft zum EM-Auftakt nicht einverstanden. Aber es bleiben ja noch zwei weitere Spiele in der Gruppenphase…

3:0! Besser hätte es aus Sicht von Familie Lombardi für die „Squadra Azzurra“ nicht laufen können. Foto: Martin Feldhaus

Ein paar Häuser weiter an der Südstraße ist der Außenbereich der „Romantica“ ebenfalls sehr gut gefüllt: Es duftet endlich wieder nach Pizza, Pasta oder Minestrone. Während sie ihre Gäste mit italienischen Spezialitäten bewirtet, ist die Familie Lombardi aber zumindest auch mit einem Ohr beim Eröffnungsspiel. „Eine Europameisterschaft ist immer ein schönes Ereignis“, betont Gerardo Lombardi. Dass das Turnier jetzt nachgeholt werden könne, sei ein Zeichen, dass das Ende der Pandemie zumindest in Sichtweite ist. Dem italienischen Team traut er dabei einiges zu. „Super Mannschaft und ein guter Trainer“, befindet der Fußball-Kenner. Und zumindest beim Auftaktspiel gibt ihm die „Squadra Azzurra“ recht. Der deutliche 3:0-Erfolg gegen die Türkei sorgt für Jubelstimmung. Kann Italien mit seinen neu entdeckten Offensivqualitäten am Ende auch Europameister werden? Der weitere Turnierverlauf wird es zeigen.

Gewappnet für den Auftritt der „Mannschaft“

Bei Gaby Klumpp in der „Zisterne“ ist es am Freitagabend hingegen zunächst noch ruhig. Während draußen die Stühle und Tische allesamt besetzt sind, schauen im Innenraum nur ein paar Gäste das Auftaktspiel auf einer Leinwand. „Im Moment rechne ich noch nicht mit großen Anstürmen“, sagt Klumpp. Die sonst zu großen Turnieren übliche Stimmung in der Stadt, das Knistern in der Luft und die schwarz-rot-goldenen Fanutensilien hat sie noch nicht wirklich ausgemacht. Dennoch ist die Wirtin natürlich für den ersten Auftritt des DFB-Teams am Dienstag gegen den amtierenden Weltmeister Frankreich gewappnet und hofft, dass die Fußball-Begeisterung die Ahlener bis dahin noch stärker packt. Bei schönem Wetter will Klumpp auch zusätzlich noch im Außenbereich einen Fernseher anbringen, um die Anzahl der Sitzplätze zu erhöhen.

Ob dann richtig Stimmung in der Bude ist? Die Mannschaft von Jogi Löw hat es selbst in der Hand. „Mit den jetzigen Lockerungen der Corona-Maßnahmen könnte Euphorie entstehen, wenn es sportlich läuft“, hofft etwa Marian Schwarz, der sich in der „Zisterne“ das Eröffnungsspiel anschaut, dass die deutsche Auswahl ihrem Ruf als Turniermannschaft mal wieder gerecht wird und eine ähnliche Stimmung wie bei der Weltmeisterschaft 2014 entfacht.

Ein Stadion aus Bierkästen hat Dursun Yalcin im Kaufland-Getränkemarkt aufgebaut. Foto: Martin Feldhaus

Und wie läuft der Verkauf von Fanartikeln an? Besser als gedacht, zumindest bei Kaufland im Kleiwellenfeld. „Die Vorfreude bei unseren Kunden ist riesig“, hat Hausleiter Dursun Yalcin ausgemacht. Gerade junge Leute fieberten der Europameisterschaft entgegen und deckten sich dann mit allem ein, was man für eine Grillparty im Freundeskreis so braucht. Neben Getränken und Grillzubehör Perücken in Schwarz-Rot-Gold, blumige Kränze oder auch Hüte gegen die Sonne, die zumindest schon einmal das Wetter auf Sommermärchen gestellt hat. Ob es ein solches auch auf dem grünen Rasen geben wird? Das bleibt abzuwarten. Ein echter Stimmungsaufheller wäre das nach 15 Monaten im fast durchgehenden Dauerlockdown auf jeden Fall.

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