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„Esna“-Besuch beim deutschen Botschafter in Lettland

Kontakte könnten in Partnerschaft münden

Ahlen / Riga

Einen Besuch beim deutschen Botschafter in Lettland absolvierten Mitglieder des Europäischen Senioren-Netzwerks Ahlen in diesen Tagen. Dabei fand der gegenseitige Austausch besondere Beachtung.

Würdigung der Arbeit im Sinne der Völkerverständigung: Mechthild Massin, Aina Balaško, Ilze Garda, der deutsche Botschafter Christian Heldt, Dieter Massin und Mara Kraule (v.l.). Ein Buch über Ahlen und eine Zeichnung des Vorhelmer Künstlers Martin Hatscher hatten die Vertreter des Europäischen Senioren-Netzwerks als Gastgeschenk mit nach Lettland gebracht. Foto: Esna

Feierlicher Rahmen in Riga:

Beeindruckt zeigte sich der deutsche Botschafter in Lettland, Christian Heldt, als er von den Aktivitäten und Projekten des Europäischen Senioren-Netzwerks Ahlen („Esna“) im Baltikum und besonders in Lettland in den zurückliegenden 15 Jahren erfuhr.

Der Repräsentant der Bundesregierung Deutschland hatte das Ehepaar Dieter und Mechthild Massin zusammen mit Vorstandsmitgliedern des Verbands der Deutschen in Lettland zu sich in die Botschaft eingeladen. Länger als anderthalb Stunden dauerte das Gespräch in der deutschen Botschaft. Das Ehepaar Massin berichtete über das Entstehen der Partnerschaft zu den Letten, zustande gekommen über den Seniorensport in der Leichtathletik. Begonnen hatte der Austausch mit deutschen Kulturvereinen in Lettland mit „internetten Brieffreundschaften“, die Mara Kraule als Vorsitzende eines solchen Kulturvereins initiierte.

„Von Angesicht zu Angesicht“

Bald stellte sich heraus, dass ein Austausch „von Angesicht zu Angesicht“ der ganzen Sache einen weiteren Schwung verleihen würde. „Die persönlichen Kontakte belebten unser Vorhaben enorm“, sagte Mechthild Massin. Fortan standen Fahrten nach Lettland und Begegnungen vor Ort auf dem Programm von „Esna“. Hautnah erlebten die Ahlener „Esna“-Mitglieder die „Via Baltica“ – die Straße, auf der 1989 bei der „Singenden Revolution“ zwei Millionen Menschen auf der Straße von Tallinn (Estland) über Riga (Lettland) bis nach Vilnius (Litauen) die Unabhängigkeit der drei Balten-Staaten einleiteten. Dazu gab‘s eine Fahrt auf der „Via Hanseatica“, wo deutsche Handelskultur erlebt wurde; immer in Einklang mit Begegnungen vor Ort, mit Gesprächen und gemeinsamem Gesang deutscher Volkslieder.

Die Schule in Limbazu in Riga Foto: Esna

Gegenbesuche in Ahlen brachten den Letten die westfälische Lebensweise näher, der Austausch wurde immer intensiver. So intensiv, dass von „Esna“ Beiträge anlässlich der „Woche der deutschen Sprache“ eingebracht wurden und bei Video-Schaltungen Themenbeiträge eine Bedeutung fanden. Bis dahin, dass unter anderem auch auf Antrag des Europäischen Senioren-Netzwerks Ahlen das Deutsche Riga-Komitee Ahlen als Mitglied aufnahm.

Erinnerungsstein in Bikernieki

Bei der Einweihung des Erinnerungssteins von Ahlen auf der Gedenkstätte von Bikernieki bei Riga – Ahlen war vertreten durch den damaligen Bürgermeister Benedikt Ruhmöller und Werner Fischer vom „Forum Brüderlichkeit“ – wurde zum ersten Mal die Partnerschaft zwischen „Esna“ und den Letten deutlich, als der Chor „Morgenrot“ aus Riga bei der Feierstunde des Deutschen Riga-Komitees mit Choralgesängen seinen Beitrag leistete. Seit 2014 legen „Esna“-Mitglieder jedes Jahr Blumen in Bikernieki nieder und gedenken der jüdischen Mitbürger Ahlens, die in der NS-Zeit nach Riga deportiert und dort ermordet wurden. Als 2020 Besuche in Riga aus Pandemie-Gründen nicht möglich waren, vertrat der „Verband der Deutschen in Lettland“ die Ahlener und besuchte die Gedenkstätte. Eine Völkerverbindung der besonderen Art, empfand der deutsche Botschafter.

Besuch der Gedenkstätte Bikernieki Foto: Esna

Auf der Schulebene gab es bald eine Zusammenarbeit ins Baltikum. Mechthild Massin betreute Projektarbeiten des Landes NRW „Begegnung mit Osteuropa“ und noch jüngst gab es eine Auszeichnung für eine Gemeinschaftsarbeit von lettischen Schulen in Puze und Liepaja mit der Marienschule Ahlen. Die Pandemie unterbrach einen Schulaustausch der Fritz-Winter-Gesamtschule Ahlen mit der ‚Vidusskola‘ in Limbaži, der aber in diesem Frühjahr wieder aufleben wird.

„Wir werden im Februar unser 15-jähriges Bestehen feiern und dazu eine Ausstellung im ‚Ahlener Kulturkeller‘ präsentieren, in der mit Fotos, Mitbringsel, Fotobüchern die Jahre der gelebten Völkerverständigung dargestellt werden“, ließ Mechthild Massin den Botschafter wissen. Zur Feier haben sich schon jetzt Vertreter aus dem Baltikum angemeldet, darunter auch die Seniorensportlerin Dace Brakanska als Initiatorin der Baltik-Kontakte und Mara Kraule als Lenkerin der Austauschprojekte.

Symbolischer Charakter

Ilze Garda, Vorsitzende des „Verbands der Deutschen in Lettland“, und Ehrenvorsitzende Aina Balaško zeigten sich besonders erfreut über die Nachhaltigkeit der Kontakte, die auch beim deutschen Botschafter auf höchste Achtung stießen. „Eigentlich sind diese bisherigen Kontakte schon Grund genug für eine Partnerschaft“, merkte Christian Heldt. Und so hatte dann der Abschied in Riga symbolischen Charakter, als sich der deutsche Botschafter Christian Heldt und Dieter Massin ein baldiges Wiedertreffen fest in die Hand versprachen.

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