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Stadtspaziergang durchs „Museum der Menschheit“

Kontraste betonen die Vielfalt

Ahlen

Stadtführungen können einfach nur in die Geschichte blicken. Oder sie können Geschicht mit Aktuellem verbinden. So wie bei dem eindrucksvollen Stadtspaziergang durchs „Museum der Menschheit“.

Von Martin Feldhaus

Eine Mutter mit zwei Kindern, einmal aus Ahlen, einmal aus Laduani im südamerikanischen Suriname: Im Museum der Menschheit kommen sie zusammen. Foto: Martin Feldhaus

Ausstellungen finden oftmals in schicken Galerien oder altehrwürdigen Museen statt. Das muss aber nicht zwangsläufig so sein. Sie können sich auch als Kunstspur gleich durch eine ganze Stadt ziehen. So ist es derzeit bei den 70 großformatigen Porträts, die im Rahmen des „Museums der Menschheit“ an verschiedenen Orten Ahlens auf den Betrachter wirken.

Gewissermaßen auf die Spur dieser Kunstspur begaben sich am Samstag einige Interessierte bei einem Rundgang durch das „Museum der Menschheit“. Dabei wusste Alt-Bürgermeister Benedikt Ruhmöller nicht nur Hintergrundinformationen zu der Ausstellung und den Intentionen des holländischen Fotografen Ruben Timman zu liefern, er garnierte diese auch mit dem einen oder anderen Ausflug in die Ahlener Historie.

Hintergrundinformationen zu der Ausstellung aber auch der Ahlener Stadtgeschichte lieferte Alt-Bürgermeister Benedikt Ruhmöller. Foto: Martin Feldhaus

So berichtete er etwa über den Ritt des Bischofs Liudger zur Einweihung der St.-Bartholomäus-Kirche, einer der ältesten Kirchen des Münsterlandes. Er erzählte von der seinerzeitigen Unzufriedenheit der Händler mit dem Ahlener Marktplatz, der nicht direkt an Ost- und Weststraße lag und liegt. Für Schmunzeln sorgte zudem die kleine Anekdote darüber, wie der frühere Bürgermeister Corneli einst ein Schwein aus dem Alten Rathaus verbannte, welches der Gemeindediener dort hielt – unglücklicherweise direkt über der Amtsstube Cornelis.

Es passt perfekt zusammen

Ahlen und das „Museum der Menschheit“? Das passt laut Benedikt Ruhmöller perfekt zusammen. „Es dokumentiert das, was wir in Ahlen leben“, betonte er und zielte dabei auf die über Jahrzehnte gewachsene große Vielfalt der Menschen und Kulturen ab, die sich nicht nur im Stadtbild Ahlens, sondern auch in den Porträts Timmans widerspiegelt.

Ein Kontrast – junges Leben vor der verfallenden Holtermann-Fassade Foto: Martin Feldhaus

Sie wurde bereits auf dem Markt als Startpunkt für den Stadtrundgang deutlich. Hier finden sich die Bilder von Theo, im Jahre 1942 geborener stolzer Ahlener, und der 1991 geborenen Milena, die aus Albanien flüchtete. Ganz unterschiedliche Altersklassen, ganz unterschiedliche Lebenserfahrungen und kulturelle Hintergründe. Aber gibt es dennoch etwas, das die beiden verbindet? „Beide strahlen Würde und ein Lebensgefühl aus“, fasste Benedikt Ruhmöller das in Worte, was die Teilnehmer beim Betrachten beider Porträts spürten.

Kinder vor Holtermann – ein Zufall?

An zahlreichen Punkten wurde zudem augenfällig, was Ruben Timman besonders reizt: Kontraste. Sie ergeben sich oftmals aus dem Ort der Porträts und den Menschen, die darauf zu sehen sind. Ist es ein Zufall, dass gerade vor dem in desolatem Zustand befindlichen Haus Holtermann mit der sichtlich angegriffenen Fassade die großen Porträts zweier Kinder stehen? Wohl kaum. Diana (1995) und Lilli (2007) konterkarieren mit dem Elan des Nachwuchses den Zustand des Gebäudes.

Nicht nur in den Farben vereint: Beiden Porträts in der Fußgängerzone wohnt eine eigene Würde und Schönheit inne. Foto: Martin Feldhaus

Aber auch bei der Zusammenstellung von zwei oder mehr Bildern an einem Ort ergaben sich immer wieder interessante Einblicke. So zeigt zum Beispiel ein Dreier-Arrangement neben der alten Stärkefabrik Hundhausen eine unglaubliche Vielfalt – verkörpert durch nur drei Personen unterschiedlicher Herkunft, Hautfarbe, Alters.

„Dem Künstler ist es gelungen aus den Menschen das an Ausstrahlung rauszuholen, was andere berührt“, betonte Benedikt Ruhmöller: Timman wolle mit der Ausstellung einen Beitrag zum Zusammenkommen leisten – sowohl der Ahlener sämtlicher Stadtteile als auch der Menschen weltweit.

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