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Berliner Architekten gewinnen mit Entwurf fürs Bürgerforum

Konzeptionelle Kleinteiligkeit

Ahlen

Die Scheidt Kasprusch Architekten aus Berlin haben in Ahlen den Wettbewerb für das neue Bürgerforum gewonnen. Kommt ihr Entwurf zur Umsetzung, steht die Stadthalle ab 2025 direkt an der Südenmauer.

Von Ulrich Gösmann

Blick vom anderen Werseufer: Das Bürgerforum setzt auf Transparenz. Links das Foyer, rechts die Gastronomie. Großzügig verglaste Fensterflächen wechseln ab mit Fassadentafeln aus Keramik oder Emaille, deren Relief dem Neubau eine lineare, fein gegliederte Oberflächenstruktur verleiht. Foto:

Die Entwürfe für Stadthaus und Bürgerforum haben eines gemeinsam: Beide überzeugten das Preisgericht in einstimmiger Geschlossenheit. Doch tragen nicht beide die gleiche Unterschrift. Mit seinem Modell für ein Bürgerforum (Budget 18 Millionen Euro) setzte sich am Montagabend ein Wahl-Berliner durch: Hermann Scheidt (64). Auf Platz drei die Arbeit aus dem Dortmunder Büro Gerber Architekten. Die hatten im Februar mit ihrem Stadthaus-Entwurf gesiegt.

Vier längliche Baukörper auf dem Parkplatz der Stadthalle. Unterschiedlich hoch, dynamisch versetzt und doch eine kompakte Einheit, im Innern detailverliebt durchdacht: „Herausragend“, attestierte Bürgermeister Dr. Alexander Berger am Dienstagmittag bei der Präsentation des Preisträgers in der Stadthalle. Knapp elf Stunden hatte das Preisgericht tags zuvor investiert, um aus zwölf Entwürfen den Sieger zu küren. Beim Stadthaus war‘s zwei Stunden schneller gegangen. Das Ergebnis dann kurz vor 20 Uhr: 9:0.

Hermann Scheidt, flankiert von Bürgermeister Dr. Alexander Berger und Stadthallen-Geschäftsführer Andreas Bockholt (v.l) Foto:

Berger sprach am Dienstagmittag vor der Presse von einem „sehr funktionellen, aber auch würdigen Entwurf“, der sich städteplanerisch sehr gut einfüge, hohe Sensibilität zum denkmalgeschützten Stadtbücherei-Gebäude zeige und mit dem Stadthaus-Entwurf korrespondiere. Sein Blick aufs Ganze: „Es lädt ein zum Verweilen auf dem Bürgercampus.“ Dem Konzept der Scheidt Kasprusch Architekten attestierte der Bürgermeister hohen Kosten-Nutzen-Wert. „Dies ist der richtige Entwurf, um kultureller Mittelpunkt in Ahlen zu sein.“

Blick von der Friedrich-Ebert-Straße: Direkt hinter dem Bürgerforum schließt die Stadtbücherei an. Foto:

„Ich habe mich riesig gefreut“, gestand Hermann Scheidt, als er am Montagabend den Anruf aus Ahlen erhalten habe. Der gebürtige Duisburger sprach von einer „tollen Aufgabe“, einer „fantastischen Sache“ und einem „sehr schönen Ort“. Die Kleinteiligkeit der Stadt spiegele sich auch in seinem Entwurf wieder. „Die Gliederung der enormen Baumasse in mehrere Baukörper bringt die erhebliche Baumasse auf den Maßstab des denkmalgeschützten ehemaligen Schulgebäudes (Stadtbücherei) und bewahrt dessen Dominanz und Würde“, so Scheidt. Beide trennt im Entwurf nur noch ein Windfang, der zentraler Eingang für beide Gebäudeeinheiten ist. Auch ein gemeinsamer Eingangsbaukörper ist denkbar.

Der Bürgercampus von oben: Links das Stadthaus, rechts Stadtbücherei und Bürgerforum. Geparkt wird dazwischen. Foto:

Im ersten Baukörper rückt die Stadthalle mit einem variablen Hallenkonzept direkt an die Südenmauer. Der zweite ist Foyer, markiert dreigeschossig den höchsten Punkt und krönt den Gesamtkomplex mit einer Rundumverglasung, wie der Architekt anmerkte. Darin VHS- und Tagungsräume. Dem dritten Baukörper mit Funktionsräumen von der Toilette bis zur Technik schließt sich im vierten Komplex das Stadthallen-Restaurant mit Take-away-Bereich zur Werse hin an. Draußen attraktive Platzaussichten für eine Außengastronomie.

Preisgericht

Matthias Harman (Vorsitzender Stadtplanungs- und Bauausschuss) sah alle Wünsche erfüllt. „Es schließt sich der Kreis. Toll!“ Thomas Kozler (Vorsitzender Betriebsausschuss) mit diesem Entwurf eine sehr schwere Aufgabe am besten erkannt. „Es passt von der Symbiose. Ich bin sehr zufrieden.“

Stadthallen-Geschäftsführer Andreas Bockholt ließ wissen: „Ich würde mich freuen, mit Ihnen das Modell zum Leben zu bringen. Ihr Entwurf ist das, was ich mir vorstellen kann, den Stadthallenbetrieb vernünftig zu bewirtschaften. Sie haben uns Jahrzehnte nach vorne gebracht.“

Stadtplaner Markus Gantefort sah alle Anforderungen im Entwurf erfüllt. Und: „Städtebaulich sehr schön.“ Beifall auch von Christoph Wessels (Gruppenleiter Schule, Kultur und Weiterbildung) sowie Florian Schmeing (ZGM-Leiter).

Platz zwei: die Andreas Bastian Architekten aus Münster Foto:

Alexander Berger hofft, das neue Bürgerforum im Sommer 2025 in Betrieb nehmen zu können. Bis dahin, betonte Andreas Bockholt, laufe der Stadthallen-Betrieb uneingeschränkt bis zum letzten Tag weiter.

Den zweiten Platz belegten die Peter Bastian Architekten aus Münster, Platz drei das Büro Greber Architekten aus Dortmund, die auch den Siegerentwurf für das Stadthaus lieferten. Diesmal sahen die Preisrichter die Funktionalität nicht ganz erfüllt. Der Anerkennungspreis ging an die Michel und Wolf Architekten aus Stuttgart.

Platz drei: die Gerber Architekten aus Dortmund Foto:

Zum Schluss stellte der Bürgermeister noch klar, dass der erste Platz nicht automatisch auch Zuschlag heiße. Das letzte Wort habe wie beim Stadthaus der Stadtrat. Das heiße: „Wir können noch mit allen drei in Verhandlungen treten.“

Alle Wettbewerbsbeiträge sind ab sofort auf der Internetseite www.buergercampus-ahlen.de einsehbar.

Anerkennungspreis für Michel und Wolf aus Stuttgart Foto:
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