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Projekt an der Overbergschule

Kriminelles Leben hat keinen Glamour-Faktor

Ahlen

Einen spannenden Besuch mit eindrucksvollen Berichten erlebten die Jugendlichen der Klasse 10.6. an der Overbergschule.

Von Peter Schniederjürgen

Mehdi Askari zeigte den Schülerinnen und Schülern den Unterschied zwischen Rap- und dem wahren Leben Foto: Peter Schniederjürgen

Dass man in einer zehnten Klasse Stecknadeln fallen hören kann, ist selten. Abgesehen von der Stimme des Life-Coaches Mehdi Askari vom gemeinnützigen Jugendhilfeverein Sichtweisen war das am Mittwoch in der 10.6 der Overbergschule aber definitiv der Fall. Ein Life-­Coach hilft, sich auf persönliche und berufliche Ziele zu fokussieren und sich nach Krisenphasen wieder auf die wichtigen Dinge im Leben zu konzentrieren. Sein Besuch in der Schule wurde aus dem Fonds der Partnerschaft „Demokratie leben“ unterstützt.

Internationale Wurzeln

Mehdi Askari hat internationale Wurzeln. „Ich bin ein Gemisch aus Pakistan, Kroatien und einiges aus Deutschland“, stellte sich der Coach der Klasse vor.

Mit viel Empathie und Emotionen berichtete der Ex-Häftling dann von seinem Weg in die Kriminalität. Er schilderte sein Leben im Knast und was danach kam. „Meine Mutter kriegt heute noch Panik, wenn es unangemeldet an der Tür klingelt“, berichtete Mehdi Askari vom Trauma der Mutter. Die habe die Festnahme ihres Sohnes ja unmittelbar mitbekommen.

„Glaubt nicht den tollen Rappern mit ihren Texten vom schnellen und leichten Geld“, warnte Mehdi Askari die Zehntklässler. Schnell dal sei das Geld sicher – vor allem aber schnell wieder weg. „Es muss nur mal einer etwas aussagen und du bist die Kohle wieder los“, stellte er klar, dass es in der „Branche Kriminalität“ keine Sicherheit für irgendetwas gebe.

Verpasste Chancen

Das gelte auch für Beziehungen. „Fast alle meiner Ex-Kumpel haben im Knast ihre Freundinnen oder Frauen verloren“, so Mehdi Askari. Wer könne schon verlangen, die schönsten Jahre im Leben auf jemanden zu warten. Auch bedauerte er die verpassten Chancen. „Ich bin mir sicher, hätten wir die Energie sinnvoll genutzt, als sie in Drogen und Raub zu stecken, wären wir heute weiter“, so der Coach und verwies auf sein erstes Opfer: „Christoph habe ich damals auf dem Schulhof abgezogen und gedemütigt“, erzählte er. Heute habe Christoph studiert, ein Haus mit Pool und Sauna. „Und ist nun einer der wenigen echten Freunde, wir trainieren mittlerweile zusammen und ich war auf seiner Hochzeit.“

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