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Corona-Stopp der Fahrschulen

Lehrer und Schüler ausgebremst

Ahlen

Endlich wieder die Bremse lösen und losfahren – Fahrschulinhaber Winfried Mader freut sich darüber genauso wie seine Fahrschüler.

Martin Feldhaus

Endlich gibt es für Tasian Segarceanu wieder Fahrstunden bei „Winnys Fahrschule“. Foto: Martin Feldhaus

Ausgebremst. Wem das im Straßenverkehr passiert, der ärgert sich. Noch schlimmer ist es aber, wenn man erst gar nicht auf die Straße darf. So ging es in den vergangenen drei Monaten den Fahrschulen in Nordrhein-Westfalen. Sie mussten aufgrund des zweiten Lockdowns ab dem 16. Dezember fast eine komplette Vollbremsung vornehmen und können erst seit dem 8. März wieder anfahren.

Nur noch Stunden für Bus- und Lkw-Fahrer

„Geht es weiter? Wann und wie geht es weiter?“, zitiert Winfried Mader die Fragen, die er sich in den vergangenen Wochen gestellt hat. Am 16. Dezember stellte der Inhaber von „Winnys Fahrschule“ mit vier Standorten – zwei in Ahlen an Kamp- und Zeppelinstraße sowie je einer in Vorhelm und Enniger – seinen Betrieb coronabedingt fast komplett ein. Nur noch wer beruflich, etwa als Bus- oder Lkw-Fahrer, den Führerschein benötigte, durfte Fahrstunden absolvieren. Kurze Zeit später kamen noch die Fahrschüler hinzu, die zum Zeitpunkt des zweiten Lockdowns bereits die Hälfte der verpflichtenden Ausbildungsstunden hinter sich hatten. Der Rest fiel durchs Raster.

Fahrschulinhaber Winfried Mader

„Wir hatten nur noch sehr wenige Schüler“, berichtet Winfried Mader. Aufgrund der verordneten Zwangspause rollten die Räder vieler Fahrschulautos nicht. Die Motoren blieben kalt. Insgesamt glich das Arbeiten der Fahrschulen landesweit einem Fahren mit angezogener Handbremse.

Keine einfache Situation für den erfahrenen Fahrlehrer, der seit über 20 Jahren mit seinen Fahrschülern auf den Straßen der Wersestadt unterwegs ist. „Das war eine schwere Zeit“, betont Winfried Mader. Schließlich liefen die Kosten weiter, während zugleich erhebliche finanzielle Einbußen zu verzeichnen waren. Seine sieben Fahrlehrer musste er in die Kurzarbeit schicken.

Umso größer war die Erleichterung, als Mader und sein Team die Nachricht erhielten, dass es ab dem 8. März wieder losgehen könne. Natürlich begleitet von strengen Hygienemaßnahmen. So müssen Schüler und Lehrer während der Fahrstunden FFP2-Masken tragen und das Auto wird regelmäßig gelüftet. Zudem zwingend: das gründliche Desinfizieren nach jeder Fahrstunde. Beim theoretischen Unterricht gibt es feste Sitzplätze. Es gilt auch hier eine Maskenpflicht, Mindestabstände sind einzuhalten und die Schüler bringen sogar ihre eigenen Stifte mit.

Fahrschulen dürfen wieder loslegen: Winfried Mader (l.) und Sarah Mader von "Winnys Fahrschule" freut das. Foto: Martin Feldhaus

Maßnahmen, von denen sich die Fahrschüler nicht abhalten lassen. „Die Schüler kommen wie vor dem Lockdown“, so Mader. Pure Freude herrsche in diesen Tagen bei denjenigen jungen Frauen und Männern, die ihre bereits begonnene Ausbildung abrupt unterbrechen mussten. Für einige von ihnen wird der Weg zum Führerschein jetzt länger. „Bei dem einen oder anderen merkt man die große Pause“, berichtet Winfried Mader. Fast alle bräuchten jetzt ein paar Stunden mehr. Eine weitere Verzögerung auf dem ohnehin schon langatmigen Weg zur Fahrerlaubnis.

Der hat beispielsweise bei Lena Göckeritz (19) bereits vor vielen Monaten begonnen. Noch vor dem zweiten Lockdown im Dezember hatte sie ihre theoretische Prüfung bestanden und auch schon die eine oder andere Stunde am Fahrsimulator absolviert, bevor die praktischen Fahrstunden folgen sollten. Doch dann kam die Co­rona-Vollbremsung.

Fahrschülerin Lena Göckeritz

Und jetzt? „Ich war sehr froh, endlich wieder anfangen zu können“, sagt Lena Göckeritz, die mittlerweile schon sechs Stunden hinter sich gebracht hat. Ganz leicht fiel ihr der Neustart nach der fast dreimonatigen Unterbrechung dabei nicht. „Am Anfang hatte ich das Gefühl, alles wieder vergessen zu haben“, berichtet sie. Ein Gefühl, das sie nach einigen Fahrstunden mit Winfried Mader jedoch schnell wieder ablegen konnte.

Eine Gefühlslage, die bei Tasian Segarceanu (17) ähnlich ist. Im Dezember war er nach zehn Fahrstunden bereits auf einem guten Weg zum Führerschein. Dann folgte die Zwangspause. Für den Fahrschüler sehr unbefriedigend. „Natürlich will man so schnell wie möglich seinen Führerschein haben“, betont er. Das gelte bei ihm umso mehr, da er so ab seinem 18. Geburtstag endlich seinen Arbeitsplatz in Beckum leichter erreichen könne.

Gemischte Gefühlslage

Beide Fahrschüler hoffen, dass sie nun ihre Fahrausbildung ohne erneute Unterbrechung abschließen können. Und ihr Lehrer? „Die Ungewissheit fährt immer mit“ äußert Winfried Mader seine gemischte Gefühlslage. Die Angst vor einer dritten und weiteren Corona-Wellen sei stets mit dabei. „Den ersten Lockdown haben wir ganz gut überstanden, den zweiten auch noch, aber bei einer erneuten Schließung wird es schon sehr schwierig“, verdeutlicht er, wie die Stimmung bei ihm und wohl auch bei vielen anderen Fahrschulen ist.

„Mal sehen, wie lange wir dürfen“, zeigt sich auch seine Tochter und Fahrlehrerin Sarah Mader skeptisch. Ausgebremst werden möchten sie und ihre Fahrschüler künftig weder im Straßenverkehr noch von der Pandemie. Insoweit fährt also bei jeder Fahrstunde nicht nur die Ungewissheit, sondern auch die Hoffnung mit.

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