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44. Pöttkes- und Töttkenmarkt

Lob aus Teltow: „Ganz großes Kino“

Ahlen

Nach zweijähriger Corona-Pause meldete sich am Wochenende der Pöttkes- und Töttkenmarkt zurück. Bei der 44. Auflage war alles – fast – wie immer, bis auf das Wetter: heftige, wenn auch kurze, Schauer am Samstag, Dauerregen am Sonntagvormittag. Voll war die Stadt zeitweise trotzdem.

Von Peter Schniederjürgen

Mit „Emaillinchen“ Christa Schwab

Er ist wieder da, beinahe als wäre nichts gewesen: der Pöttkes- und Töttkenmarkt. Vor der Marienkirche werden Holzschuhe geschnitzt, Körbe geflochten und Stühle mit Binsen bezogen. Das Kinderkarussell dreht sich. Alles ist wie vor Corona. Die Pandemie hatte den beliebten Krammarkt zweimal ausfallen lassen. Am Samstag meldete ihn Udo Hinkelmann, der als Interims-Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Ahlen (WFG) erst- und einmalig mit der Organisation befasst war, zurück.

„Wir haben wieder über 150 Aussteller auf diesem 44. Markt und nun erstmals auch ein Abendprogramm am Samstag ab 18 Uhr“, lud Hinkelmann ein. Sein Nachfolger Stefan Deimann lobte die Traditionsveranstaltung: „So ein Markt ist heute vielerorts gar nicht mehr üblich und hat ein ganz besonderes Flair“, so der neue WFG-Chef.

Vor der Marienkirche werden Holzschuhe geschnitzt, Körbe geflochten und Stühle mit Binsen bezogen. Als sei der Pöttkes- und Töttkenmarkt nie weg gewesen. Foto: Peter Schniederjürgen

„Wir sind froh über die Möglichkeit, wieder hier zu sein in zugegeben schwierigen Zeiten“, freute sich Bürgermeister Dr. Alexander Berger. Er bedankte sich bei Udo Hinkelmann, der unermüdlich Sponsoren für den Markt inklusive des neuen Abendprogramms gesucht und gefunden habe. Damit übergab der Ahlener Bürgermeister das Wort an seinen Teltower Amtskollegen Thomas Schmidt. „Dieser Markt ist immer wieder ganz großes Kino und wir freuen uns immer, hier zu sein“, sagte Schmidt und lud zum Rübchenkuchenessen am Stand seiner brandenburgischen Heimatstadt ein. Schließlich überbrachte der stellvertretende Landrat Winfried Knaup die Grüße seines erkrankten Chefs. „Er hat mir aufgetragen, alles zu sagen, nur nicht länger als drei Minuten“, erinnerte Knaup an die Reden Dr. Olaf Gerickes. „Dieser Markt ist ein fester Punkt im Jahresablauf vieler Menschen in der Region und strahlt weit darüber hinaus“, so der Kreisvertreter. Schließlich trug er noch das ebenso traditionelle Gedicht aus der Feder des Landrats vor.

Für eine optisch attraktive „Straßensperre“ sorgt der Schlepperstammtisch Dolberg an der Einmündung Nordstraße/Königstraße. Foto: Peter Schniederjürgen

Dann zog die Karawane der „Prominenten“ zunächst über die Nordstraße. Hier stoppte sie zum Anschneiden der Teltower Rübchentorte durch die Bürgermeister und Christa Schwab. „Das ,Emaillinchen‘ gehört doch eigentlich schon zu ei­nem Viertel zu uns“, überlegte Bürgermeister Schmidt. Denn schließlich komme kaum ein Besuch aus Ahlen ohne Christa Schwab in seiner Stadt an.

Gar nicht weit davon entfernt hatte der Verein für Städtepartnerschaft seinen Stand aufgeschlagen. Gegenüber boten die Landfrauen Hausgemachtes an und begrenzt wurde der Markt durch die „Oldies“ des Dolberger Schlepperstammtisches.

Entlang der West- und Oststraße zogen sich die Krims- und Kramshändler. Vom Autoreiniger bis zum Zubehör für Staubsauger gab es alles, was der Mensch nicht absolut und unbedingt braucht. Ob Gemüsereiben, die das Leben enorm erleichtern sollen, oder Versiegelungen, die praktisch das Waschen überflüssig machen. Jahresvorräte an Spülmaschinentabs finden ihre Abnehmer wie auch Kleidung und Schmuck in allen Qualitäten und Geschmacksrichtungen.

Gäste aus den Niederlanden: Dirry Bloem und Schwester Ineke voor de Poorte mit ihrer Keramik. Foto: Peter Schniederjürgen

Apropos Geschmack: Ob Fettgebäck, Pilzpfannen, Nudeln, Bratwurst Nackensteaks, Pizza und vieles mehr gab es für jeden etwas. Doch wo ist das dem Markt den Namen gebende münsterländische Spezialgericht? Das Töttchen: In allen Schreibweisen, mit „ch“, „k“ und mit „g“ kommt es vor, doch wo auf den Teller? Nahe der Marienkirche ist der Stand des „Hofs Münsterland“. Hier gibt’s das nahrhafte Mahl mit dem zweifelhaften Ruf. Denn Innereien sind nicht jedermanns Sache. „Doch heute wird nur noch bestes Kalbfleisch dazu verwendet und keine Schlachtabfälle mehr, wie oft gesagt“, stellte Jutta Schad klar. Sie kocht diese früher gängige Herbstspeise bei Overmann nicht nur zum Pöttkesmarkt. Und so gibt es für die wenigen Tapferen, die das Gericht probieren, auch noch die eingemachte Portion im Glas zum Mitnehmen.

Recht zufrieden mit dem Absatz des 22er-Pöttkens zeigten sich am Sonntag Josef und Tobias Ostermann. Foto: Peter Schniederjürgen

Recht zufrieden mit dem Absatz des 22er-Pöttkens, einem flachen Teller im bekannten weiß-blauen Design, zeigten sich am Sonntag Josef und Tobias Ostermann. „Wir haben noch einige im Lager, so dass die Sammler sicher nicht zu kurz kommen“, verrät Josef Ostermann. Beim Verkauf hat Sohn Tobias schon recht interessante Geschichten zu den Pöttken gehört. „Spannend, wohin die zum Teil verschickt werden. Die gehen echt auf Reisen“, wunderte sich der Kaufmann.

Auch der Organisator des Marktes, Georg Smeilus von der WFG, berichtete am Sonntagmittag von recht zufriedenen Händlern. „Der Samstag war sehr gut, eher Wind als Regen war ein kleines Problem, aber nichts Außergewöhnliches“, resümierte Smeilus. Leider fiel der Sonntagvormittag dann doch ziemlich ins Wasser. „Das erste Mal seit 20 Jahren“, so die durchwachsene Schlussbilanz des Markt-Machers. Als die örtlichen Einzelhändler um 13 Uhr ihre Geschäfte öffneten, ließ die Dauerberieselung zum Glück nach, und der Besucherandrang nahm im Laufe des Nachmittags noch einmal spürbar zu. Letztlich doch noch Glück gehabt.

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