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Mit Skepsis ins Schnelltest-Shopping

Lohnt sich das überhaupt noch?

Ahlen

Freude? Fehlanzeige! Dass trotz Notbremse Ahlens Geschäfte geöffnet bleiben dürfen, vermag die Stimmung in der Kaufmannschaft kaum zu heben. Der Schnelltest schrecke ab.

Ulrich Gösmann

Letzte Gelegenheit am Mittwoch, ohne negatives Schnelltest-Ergebnis in die Geschäfte der Ahlener Fußgängerzone zu kommen Foto: Ulrich Gösmann

Skepsis vor dem Start des Schnelltest-Shoppings: Ahlener Geschäftsleute hadern am Vortag damit, ob es sich jetzt überhaupt noch lohne, ihre Läden weiter geöffnet zu halten. Sportausstatter Georg Arnemann mutmaßt: „Wer wird einen Test machen, nur um sich bei mir Turnschuhe zu holen? Der Kunde wird ins Netz gehen und bestellen.“ Andere äußern sich in einer Blitzumfrage ähnlich. Wie stark die Notbremse des Landes NRW auf die Frequenz in der Fußgängerzone und anderswo drückt, wird sich ab Donnerstag zeigen.

Georg Arnemann Foto:
  • Georg Arnemann spricht Klartext: „Es wird nicht viel passieren.“ Wer für sich einen Schnelltest gemacht habe, werde vielleicht noch vorbeischauen. „Aber doch nicht extra für uns diesen Aufwand betreiben.“ Der Intersport-Händler wird die Eingangstür zwar weiter geöffnet halten, aber personell deutlich runterfahren, denn: „Was sollen sich die Kollegen die Beine in den Bauch stehen?“ Sollte in den nächsten Tagen gar nichts mehr laufen, werde er wohl den nächsten Schritt gehen. Und schließen. Inzwischen blicke doch keiner mehr durch, was erlaubt sei und was nicht. Das Durcheinander schrecke immer mehr Kunden ab. Er selbst habe sich maßlos darüber geärgert, dass Supermärkte Sportartikel als Aktionsware in ihrem Sortiment gehabt hätten, während seine Branche schließen musste. Arnemann: „Warum dürfen andere dann unsere Sachen verkaufen?“
Andreas Frenz Foto:
  • Promedia-Geschäftsführer Andreas Frenz switcht um: „Wir werden Kunden mit negativem Test zwar ins Geschäft lassen. Das Click & Collect steht aber im Vordergrund.“ Das jetzt vom Tor der Warenannahme zur Haupteingangstür verlegt werde. Mit Click & Meet und der „Luca“-App habe es in den vergangenen Wochen eine wohltuende Belebung gegeben. Frenz: „Das werden wir jetzt vermissen.“ Kunden wollten die Produkte sehen, sich beraten lassen – und nicht per Klick blind vor der Tür kaufen. Auch Promedia wird die Personalstärke herunterfahren. Wohl auf ein Drittel – für den Notbetrieb.
Bernd-Uwe Lieftüchter Foto: Ulrich Gösmann
  • Modemann Bernd-Uwe Lieftüchter stellt sich auf einen Testlauf ein: „Wir machen ganz normal auf und beobachten die Geschichte. Sollte überhaupt keiner mehr kommen, machen wir in zwei, drei Tagen zu.“ Von Kollegen in anderen Städten weiß er, dass mit dem Schnelltest-Shopping kein Geschäft zu machen sei. Das funktioniere doch nur, wenn Modellregionen die Gastronomie dazunehmen – wie Tübingen. Dann über den Schnelltest ein Tagesticket zu buchen, mache die Sache wieder interessant. So aber nicht.
Das Handyparadies setzt die Theke wieder vor die Tür. Foto: Ulrich Gösmann
  • Das Handyparadies-Team stellt ab Donnerstag wieder die Theke vor die Tür. Das, so Andreas Perschke, habe sich bereits bewährt: „Wir waren immer da. Auch dann, wenn andere zu hatten.“ Hinter die letzten Wochen der Terminbuchung setzt der Berater ein „Alles super.“ Die Geschäftstür habe sich nur für die geöffnet, die einen Termin hatten. „Gaffer blieben draußen.“
Andreas Perschke

Dank eins engmaschigen Schnelltestnetzes können trotz der vom Land NRW angeordneten Notbremse alle Geschäfte im Kreis Warendorf geöffnet bleiben. Zutritt ist allerdings nur mit negativem Ergebnis erlaubt, das nicht älter als 24 Stunden sein darf. Den müssen Kunden jetzt übrigens auch beim Optiker vorlegen, wie die Kreis-Pressestelle mitteilte. Ganz ohne geht es weiterhin in den Friseursalon oder ins Sanitätshaus.

Längere Testzeiten

Ahlen. Der Run auf die mobilen Teststationen dürfte jetzt noch weiter zunehmen, erwartet Betreiber Matthias Bußmann: „Wir denken im Moment darüber nach, die Öffnungszeiten auszudehnen.“ Viel Spielraum sei aber nicht mehr. Die Kapazitätsgrenzen seien eigentlich schon erreicht, da jetzt auch Firmenkunden mit auf dem Fahrplan stünden. Mittwochs und samstags stehe das Testmobil in der Stadt. Weitere Tage passten nicht mehr in den Wochenkalender. Bußmann: „Es gibt genügend Geschäfte außerhalb der Innenstadt, die Tests brauchen.“ Der Apotheker betreibt aktuell fünf Testzentren. Zwei in Ahlen, jeweils eins in Beckum, Münster und Bielefeld. Mit Oelde komme jetzt noch ein weiterer Standort hinzu. Von den zusammen täglich 1000 Tests entfällt die Hälfte auf Ahlen; Tendenz steigend. Als stärkste Wochentage nennt Matthias Bußmann den Freitag und Samstag. Durch Probleme in der Zustellung von Schulschnelltests sei es am vergangenen Samstag zu einem regelrechten Ansturm auf das Testzen­trum am Wersestadion gekommen.

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