Führung durch die Stadthalle

Mängel nur teilweise zu beheben

Ahlen

Beeindruckt waren alle Teilnehmer einer Führung durch die Stadthalle mit ihren offensichtlichen Mängeln. Das Fazit fiel jedoch unterschiedlich aus.

Peter Harke

Bei einer Sanierung könnte das Hauptfoyer auf der Saalebene durch einen Anbau vergrößert werden, zeigte Stadthallen-Geschäftsführer Andreas Bockholt auf. Der Eingang würde verlegt. Foto: Peter Harke

Man sollte schon einigermaßen schwindelfrei und trittsicher sein und möglichst über keinen allzu großen Leibesumfang verfügen, um bei der Stadthalle Ahlen als Beleuchter zu arbeiten. Nur zwei schmale senkrechte Eisenleitern führen aus dem Backstage-Bereich hoch auf die sogenannte Z-Brücke (Z wie Zuschauerraum) un­ter dem Dach des großen Saals. Von hier aus werden die Scheinwerfer auf die Bühne ausgerichtet und, je nach gewünschten Effekten, Farbfilter gewechselt. „ Evelyn Hamann hat den Techniker 14-mal nach oben geschickt, bis sie mit der Ausleuchtung zufrieden war“, erzählte Stadthallen-Geschäftsführer Andreas Bockholt am Samstag bei ei­nem Rundgang durch das Haus. Eine Zumutung ei­gentlich.

Den mühsamen Auf- und Abstieg unternahmen mit Bockholt und dem „AZ“-Fo­tografen nur noch zwei unerschrockene Frauen: Angelika Kossmann und Stefanie Schürmann. Der Rest der Gruppe, die aus insgesamt einem Dutzend Teilnehmern bestand, musste solange unten warten und konnte den Rowdys bei der Arbeit zusehen.

„Wir sind mitten im Umbau zwischen zwei Schulentlassfeiern“, entschuldigte sich Bockholt für das Gewusel und lieferte damit auch die Erklärung dafür, warum in der Stadthalle an diesem Vormittag nur eine Führung möglich war, während ne­benan im Rathaus zeitversetzt drei Touren angeboten wurden (wie berichtet). Aus dem gleichen Grund konnte der Hallenchef Küche und Kühlraum nicht zeigen. Dass beide viel zu klein sind, glaubte man ihm auch so aufs Wort, als er erzählte, dass aufgrund fehlender Lagerkapazitäten frische Ware täglich angeliefert werden muss und dass 1000 Mahlzeiten pro Woche an Schulen und Kindergärten rausgehen. Dazu kommt der gut frequentierte Mittagstisch im Restaurant.

Bockholt betonte zwar, dies solle „keine Werbeveranstaltung für Plan A oder B“ sein, outete sich aber als „Befürworter einer Vollgastronomie“, auch im Falle eines Neubaus. „Wir erzielen 70 Prozent un­seres Umsatzes mit Essen und Trinken“, machte er deutlich. Der Verzehr in Veranstaltungspausen könnte nach seinen Worten noch höher sein, wäre das Foyer nicht durch die ungünstige Positionierung der Treppe so beengt, dass viele Besucher sich erst gar nicht ins Getümmel begeben, sprich in die Schlange vor der Theke stellen.

Andreas Bockholt

Doch die Treppe kostet nicht nur Fläche – sie ist auch für mobilitätseingeschränkte Menschen z.B. mit Rollator oder Rollstuhl unüberwindbar, ihnen bleibt der Umweg über den Rathausvorplatz nicht erspart. Toiletten und Garderoben befinden sich aber wiederum im Untergeschoss, auf der Saalebene gibt es nur ein einziges Behinderten-WC. Als „Denkfehler“ bezeichnete Bockholt diese und weitere Schwachstellen. Auch auf die umständliche Anlieferung von technischem Equipment und Requisiten wies er hin: „Der Orchestergraben ist unser Lastenaufzug.“ Die ei­gentliche Bühnenrampe mit einem ausziehbaren Flaschenzug wurde schon vor einigen Jahren vom TÜV stillgelegt.

Manche Probleme ließen sich durch Um- oder Anbauten lösen, wie sie ein auf die Planung von Veranstaltungsstätten spezialisiertes Planungsbüro aus München vorskizziert hat. Auch die Nachrüstung eines Personenaufzugs wäre möglich. Der Saal bliebe bei einer Sanierung jedoch von der Größe und vom Zuschnitt her unverändert, eine ansteigende Bestuhlung ließe sich nicht realisieren. Auch die Kapazitäten für Tagungen wären nach wie vor unzureichend.

Peter Stresow, dessen Frau Karin früher in der Verwaltung der Stadthalle gearbeitet hat, kam am Ende der Führung zu dem Schluss, „dass ein Neubau er­for­der­lich ist, um die Funktionalität zu erreichen, die heute nicht gegeben ist“. Stefanie Schürmann hingegen hielte es für „Wahnsinn“, die Entscheidung zu treffen, das Gebäude abzureißen, ohne zuvor eine Markt- und Bedarfsanalyse durchzuführen. Die Mängel, die nicht zu leugnen seien, halte sie für „beseitigbar“, so die Architektin. „Alles andere“ sei ja „intakt“.

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